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FAZIT - KULTURPRESSESCHAU

KULTURPRESSESCHAU

14.10.2012

Von Adelheid Wedel

Berichte über den alljährlichen Höhepunkt der Frankfurter Buchmesse - die Vergabe des Friedenspreises des deutschen Buchhandels - nehmen breiten Raum in den Feuilletons vom Montag ein.

Die FRANKFURTER RUNDSCHAU druckt Auszüge aus der Dankesrede Liao Yiwus und gibt so dem Leser Raum, sich selbst ein Bild vom Preisträger zu machen. Judith von Sternburg zitiert aus der Laudatio der Literaturkritikerin von Lovenberg, die das Auditorium in der Paulskirche informierte, der Name Liao Yiwu dürfe in China nurmehr unter Strafe genannt werden. Der Schriftsteller, der seit 2011 in Berlin lebt, gewähre dem Leser mit seiner eigenen Biografie und den Porträts, mit denen er "China nicht ein Gesicht, sondern viele Gesichter" gebe, einen ernüchternden, ja verstörenden Blick hinter die Fassade des großen Landes. Der Kontrast zwischen dem Alltag der untersten Gesellschaftsschichten und unserer Wahrnehmung des modernen China könnte nicht größer sein. Es sei die Angst davor, setzte die Laudatorin fort, vergessen zu werden, umsonst gelebt und gelitten zu haben, die er mit allen Betroffenen des 4. Juni teile.

Liao Yiwu sprach seine konkrete und klare Rede in seiner Muttersprache, unterbrochen durch den wiederholten auf Deutsch gesprochenen Satz: Dieses Imperium muss auseinanderbrechen. Liao sprach zugleich für alle Verfolgten und Heimatlosen der Welt, wie es auch in der Paulskirche nicht in jedem Jahr geschieht, hebt Judith von Sternburg in ihrem Kommentar hervor. Im S.Fischer Verlag erschienen dieser Tage unter dem Titel "Die Kugel und das Opium" Liao Yiwus heimlich aufgenommenen Interviews mit Augenzeugen des Massakers von 1989 und inhaftierten Leidensgenossen.

In der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG findet Andreas Platthaus Worte höchster Verehrung für den neuen Friedenspreisträger. Seine Rede klang friedlich, aber sie war es nicht, schreibt er und fasste deren Aussage so zusammen: Liao Yiwu forderte in seiner Dankesrede nicht weniger als das Ende des chinesischen Staatsverbunds, ... eine Rückkehr zu einem China der Regionen. Eine provokativere Forderung ist für eine autoritäre Einheitspartei nicht vorstellbar. Yiwu begründete damit eine neue Rolle seiner selbst: als Radikalreformer seines Landes. Es geht ihm um ein kulturell begründetes Ideal Chinas, das keinen staatlichen Zusammenhalt braucht, sondern einen geistigen. China, eine Gemeinschaft von Gleichberechtigten - die Zuhörer, unter ihnen eine ganze Riege politisch höchst engagierter Gäste, spendeten dem Redner stehend Applaus.

Natürlich finden sich am letzten Tag auch kluge Worte zum Verlauf der diesjährigen Buchmesse. Jan Wiele beschwert sich in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG: Die Buchmesse wird langsam aber sicher zur Spielzeugmesse. In Frankfurt sah man ein Fanal dessen, was passiert, wenn eine markthörige Branche ihren Kern verleugnet und sich infantilisiert. Fehlt nur noch die Hüpfburg, warnt der Autor eindringlich.

Eher lobend klingt das Urteil in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG: Auf den ersten Blick ist die Frankfurter Buchmesse eine Welt der Hektik und Betriebsamkeit - auf den zweiten Blick bewährt sie sich als Hüterin der Normalität in Zeiten der Krise, schreibt Jens Bisky. Man findet die großen und kleinen Verlage am gewohnten Platz, die Standortverteilung scheint beständig. Zwar ist der Umsatz des Buchhandels in diesem Jahr leicht gesunken, aber alle hoffen auf das Weihnachtsgeschäft, wie sie es in jedem Jahr tun. Business as usual.

Was war das also für eine Messe 2012, fragt Dirk Knipphals in der Tageszeitung TAZ. Und hat selbstverständlich eine Antwort auf diese Frage: Randvoll von Eindrücken lässt sie einen zurück und man hat durchaus den Eindruck, dass, selbst wenn die Branche endgültig aufs Digitale umgestellt wäre, eine reale Messe weiterhin wichtig bleibt. Auch E-Books brauchen schließlich einen Ort, an dem man sie präsentieren kann.

 

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