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FAZIT - KULTURPRESSESCHAU

KULTURPRESSESCHAU

16.10.2012

Von Arno Orzessek

"'Wenn Sie wüssten, was für eine Scheiße ich hier erlebe! Man müsste dieses Theater von Christo verhüllen und abreißen lassen… Dieses Land ist ein Irrenhaus'",

schimpfte einst Claus Peymann als Direktor des Wiener Burgtheaters über eben dieses Theater und über Österreich.

Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG verknüpft die Peymann-Pöbelei mit folgender Nachricht:

"Peymann, der das Burgtheater von 1986 bis 1999 leitet[e], ist unter Zustimmung aller von ihm einst Beleidigten, Erniedrigten und Bekämpften (also der ganzen österreichischen theatralischen Irrenhauskulturnation) zum Ehrenmitglied des Hauses ernannt worden." -

So viel zu den feineren Kreisen, nun zur Working Class.

Der Regisseur Ken Loach, den die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG zum "Arbeiterführer des britischen Films" erhebt, erzählt in seinem neuen Film "The Angels'Share" mal wieder Unterschichten-Geschichten.

Die Protagonisten, die sich vor Gericht treffen, sind laut SZ-Autorin Susan Vahabzadeh "waschechte Vollidioten", aber als solche lustig.

"Albert wird […] wegen Torkelns auf Gleisen angeklagt, Rhino hat ein Problem mit Statuen, und Mo, die überhaupt alles klaut, was sie in die Finger kriegt, hat einen Papagei eingesteckt und ist ob des Gefieders überführt worden, das aus ihrer Tasche herausschaute. Der Einzige, dessen Vergehen nicht zum Schreien komisch ist, ist Robbie - der gerät immer wieder in tätliche Auseinandersetzungen."

Susan Vahabzadeh ist erleichtert darüber, dass der 76jährige Loach "seine Verbissenheit abgelegt" hat, und erteilt dem Werk, in dem Whisky eine wichtige resozialisierende Rolle spielt, großes Lob:

"Natürlich ist 'The Angels' Share' ein Märchenfilm - aber er spinnt sich eine wunderschöne Geschichte zusammen, so zeitgemäß, wie das Kino nur sein kann. […] Loach gibt […] [den Viere] die Macht über ihr eigenes Schicksal zurück."

Dass der FAZ "Angels' Share" nicht so gut schmeckt, merkt man schon an der maliziösen Unterzeile: "Ken Loach filmt sich […] den Schnaps politisch."

Gleichwohl erklärt Bert Rebhandel erstmal das Tolle am Trinken.

"Bei einem guten Whisky beginnt der Genuss in der Nase. Das Sinnesorgan registriert das, was das hochprozentige Destillat macht, wenn es aus seinem Behältnis befreit wird: Es verdunstet. Da jedoch niemand möchte, dass sich so ein Getränk einfach in Luft auflöst, sprechen die Kenner von einem 'Anteil der Engel'. Der 'Angels' Share' sorgt im Himmel für gute Stimmung und feuchte Wolken."

Das dazu. Wir beschreiten nun den Gedankenweg, der vom Himmel hinab zur irdischen Blasphemie-Debatte führt.

In der Tageszeitung DIE WELT legt sich Matthias Heine die Frage vor: "Soll der Staat religiöse Emotionen schützen?". Zwar ist Heine selbst ein Gegner des Blasphemie-Verbots, an anderen Blasphemie-Verbots-Gegnern findet er aber viel zu mäkeln:

"Die gleichen Leute, denen Gesetze gegen homophobe, rassistische und fremdenfeindliche Tiraden gar nicht scharf genug sein können, finden, dass ähnlich Hassreden auf keinen Fall strafbar sein dürfen, wenn sie sich gegen Dinge richten, die religiösen Menschen teuer sind."

Leider nennt Heine die Personen, die er so beherzt angreift, nirgends beim Namen. Das muss man nicht Feigheit vor dem Feind nennen, aber unbefriedigend bleibt die Lektüre dieser feuilletonistischen Luftnummer in der WELT sehr wohl. -

Kann es sein, dass schon alle Blätter über die amerikanische TV-Serie "Girls" geschrieben haben, nur die TAGESZEITUNG nicht? Egal, nun tut sie's - zum Sende-Start in Deutschland.

Unter dem Motto "Penis ist auch keine Lösung" schreibt Ines Kappert etwas angefressen über die Hauptfiguren Adam und Hannah:

"Leistungsstress: Abgelehnt. Geld als Statussymbol: abgelehnt. Scham: abgelehnt, Geschlechterklischees abgelehnt. Aber […] es geht hier nicht ums Rechthaben und um ein politisches Programm schon gar nicht. Hannah und Adam […] wollen nur ihr Zeug machen, vielleicht ist es ja Kunst." -

Ach, übrigens: Laut FAZ kursiert unter Jugendlichen ein neues Wort für Begeisterung, das den Lustschrei 'geil' ersetzen könnte. Und dieses Zauberwort soll 'episch' sein.

Krass, oder?... Aber sei's drum, liebe Hörer. Machen Sie sich noch 'ne echt epische Woche.

 

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