Vorab sei als schönste Seite des Tages die erste Feuilleton-Seite der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG ausgezeichnet. Ihre Schönheit verdankt sie zwei Gemälden von Ferdinand Hodler.
"Schier unendliche Bergwelt", schreibt die NZZ unter das Hodler-Bild "Dents du Midi von Champéry aus" von 1916.
Und zu dem hinreißenden Gemälde "Zwei Frauen in Blumen" von 1901/02 bemerkt die NZZ: "Schier unendliche Emotion".
Vollendet wird die Schönheit der Seite durch die Überschrift, in der "Die flaumenleichte Zeit" angepriesen wird. Nein, nicht die 'pflaumenleichte Zeit' mit pf, sondern "die flaumenleichte Zeit".
Nun werden Sie vielleicht einwenden, liebe Hörer: Das muss ja wohl 'flaumleichte Zeit' ohne -en heißen, denn es gibt ja lexikalisch den Flaum, aber keineswegs Flaumen. Doch gemach!
Es war - wie NZZ-Autorin Andrea Köhler erklärt - Eduard Mörike, der von den ersten Stunden des Tages als der "'flaumenleichten Zeit der dunklen Frühe'" geschwärmt hat. Und Mörike, der wusste was von Worten.
Im übrigen lobt Köhler die Ausstellung von Hodlers Spätwerk in der Neuen Galerie in New York.
Das lustigste Interview des Tages gibt ein Mann, der in der BERLINER ZEITUNG gesteht: "'Es könnte sein, dass ich ein verdammter, egoistischer, narzisstischer Albtraum bin".
Vom unergründlichen 4:4 zwischen Deutschland und Schweden heimgesuchte Fußballfans mögen nun bibbern: Oh, Gott, da spricht ja dieser ungehobelte Strafraumsatan Slatan Ibrahimovic zu uns! Stimmt aber nicht.
Es ist Robbie Williams, der sich als Albtraum outet. Der britische Musiker quatscht Katja Schwemmers das Ohr ab, bis auch die fünfte Spalte voll ist.
Falls Sie Erwachsenwerden für überschätzt halten, liebe Hörer, sollten Sie das unbedingt lesen.
Derweil zitiert die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG unter der Überschrift "Das Ende des Hirstianismus" eine Bemerkung des Kunstkritikers Robert Hughes.
Sie war auf Damien Hirsts Statue "The Virgin Mother" gemünzt und könnte von jedem Hirst-Verächter beim Anblick von fast jedem Hirst-Kunstwerk ausgerufen werden:
"'Es grenzt schon an ein Wunder, was so viel Geld und so wenig Talent gemeinsam hervorbringen können'.
SZ-Autor Alexander Menden berichtet, dass seit dieser Woche eine Version der "Virgin Mother" mit dem Namen "Verity" - sie ist aus Bronze, 20 Meter hoch und wiegt 25 Tonnen - am Hafen des Küstenstädtchens Ilfracombe steht.
"Verity" - eine Schwangere darstellend, in deren rechter Körperhälfte Muskeln und Organe freiliegen - motivierte laut Menden den "Guardian" zu folgendem Schlussstrich:
"[…] [Hirst] hat die moderne britische Kunst geschaffen, und er hat sie auch zerstört."
Wo wir gerade bei moderner Kunst sind:
In der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG hält Andreas Kilb ein "Plädoyer für eine zweite Museumsinsel", was angesichts der Weltgeltung der ersten Berliner Museumsinsel recht keck klingt.
Kilb glaubt tatsächlich, dass aus dem Kulturforum zwischen Potsdamer Platz und Landwehrkanal doch noch etwas Schmuckes werden könnte, wenn man dort nur ein Museum für die klassische Moderne hinstellte.
"Das Kulturforum [so Kilb], dieses unförmige, schlecht erschlossene Museumsquartier, das drei der wertvollsten Sammlungen europäischer Kunst beherbergt, bekäme durch den Neubau endlich eine Form, es würde zu der Einheit, die es längst sein könnte, wenn die Berliner Senatsbauverwaltung ihre Planungsfehler nicht zu kulturpolitischen Dogmen erheben würde."
Bleiben wir bei der politischen Klasse.
Die Tageszeitung DIE WELT kümmert sich um "Annette Schavan und die eilige Inquisition". Jacques Schuster erklärt, "warum die Hexenjagd auf die Bildungsministerin ein Ende haben muss". Dabei fragt sich, ob es eine solche Hexenjagd überhaupt gibt.
In der TAGESZEITUNG knöpft sich Ambros Waibel den "Superbazi" vor, nämlich Horst Seehofer. Die bösartige Tendenz verrät schon der Titel: "Der absolute Horst". "Seehofer ist hartnäckig im Bescheißen. Und er ist flexibel", glaubt TAZ-Autor Waibel.
Zuletzt: Wolfgang Menge ist tot, der Fernsehautor, der "Ekel Alfred" erfand. Der Berliner TAGESSPIEGEL zitiert eine Lebensweisheit Menges, die dem Tod die kalte Schulter zeigt:
"Jeder stirbt. Der eine früher, der andere später. Was soll's."
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Fazit
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