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FAZIT - KULTURPRESSESCHAU

KULTURPRESSESCHAU

29.10.2012

Von Kolja Mensing

"Die Dimensionen sind schwindelerregend",

staunt Wieland Freund in der Tageszeitung DIE WELT. Mit der Fusion von Random House und Penguin entstehe

"der größte Buchverlag der Welt",

schreibt Freund deutlich beeindruckt:

"weniger ein Haus als ein Netzwerk, das Netzwerke verbindet."

Ganz ehrlich: Dieser Satz könnte auch in einer Werbebroschüre des neuen Konzerns stehen. Es ist schon merkwürdig, wie das zarte Feuilleton angesichts knallharter Branchenmeldungen zunächst ins Schwärmen gerät: Endlich einmal über Geld reden!

Der Punkt ist: Was steckt hinter der Fusion? Für Wieland Freund setzt sich mit dem geplanten Zusammenschluss eine Strategie fort, die seiner Meinung nach bereits Ende der Neunziger begonnen habe. Damals habe Bertelsmann den US-Verlag Random House übernommen, um den europäischen Buchmarkt mit dem amerikanischen zu verschmelzen. Die aktuelle Fusion ziele jetzt jedoch nicht auf einen weiteren Ausbau des transatlantischen Geschäfts - sondern auf die Schwellenländer China und Indien:

"Sollten Historiker also später einmal nach dem Stichtag für die Globalisierung des Buchmarkts suchen: Der 29. Oktober 2012 wäre keine schlechte Wahl",

so Freund in der WELT. Penguin China gebe es bereits - ein Verlag für ein Land, das idealerweise eine Milliarde Leser zu bieten habe und mittlerweile den zweitgrößten Buchmarkt der Welt:

"Am Ende nämlich",

meint Wieland Freund, jetzt doch leicht melancholisch gestimmt, "machen es die Bücher nicht anders als die Autos - sie gehen da hin, wo sich Käufer finden."

Auch die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG greift die Fusion zwischen Random House und Penguin auf: Johan Schloemann ist nicht ganz so beeindruckt wie sein Kollege von der WELT, kritische Worte findet er allerdings auch nicht. Statt dessen wendet er sich gegen die Klagen kleinerer und mittlerer Verlage, die seiner Meinung nach immer wieder behaupteten,

"es seien die großen Buchkonzerne, die alles plattmachten und die nur noch auf Trash und Quote setzten".

Auf den ersten Blick sei dieser

"Massen- und Boulevardcharakter"

nicht zu leugnen, so Schloemann: Penguin gebe schon längst nicht mehr nur Klassiker heraus, sondern auch Kochbücher, und die Verlage von Random House seien unter anderen verantwortlich für den Erotik-Bestseller Shades of Grey sowie

"jede Menge Schnulzen und Fantasy".

Das alles sehe nach

"skrupelloser Marktmacht"

aus, so Schloemann - aber, fügt er hinzu:

"Dem Verlagsgeschäft ist mit Gut-Böse- und Groß-Klein-Schemata nicht beizukommen."

Sondern? Ganz einfach: Der

"eigentliche Clou"

der Marktkonzentration bestehe darin, dass die Verlagskonzerne alles kaufen würden,

"die Masse und die Nische, und gerne auch den Rest dazwischen".

Zum Beispiel Random House: neben populär ausgerichteten Verlagen wie Heyne und Goldmann stünden traditionsreiche und anspruchsvolle Verlage wie Siedler, Luchterhand, DVA oder Manesse.

Für Schloemann ist das allerdings mehr als die

"gute, alte Querfinanzierung von Liebhaberprojekten durch Bestseller".

Er sieht darin eine zeitgemäße Strategie für das 21. Jahrhundert:

"Verlagsriesen nähern sich damit dem Anspruch von Internetfirmen wie Google an: tendenziell die ganze Welt im Angebot zu haben. Gleichzeitig entwickeln auch die Unterverlage von Großkonzernen ein Eigenleben, so wie die unabhängigen, kleinen und mittleren Verlage ihr Eigenleben haben. Die Welt der Bücher ist also tatsächlich weit davon entfernt, dass die Größe die Vielfalt bedroht",

schreibt Johan Schloemann.

Und das ist fast schon ein bisschen zu viel Optimismus auf einmal. Gerade der Vergleich mit dem Suchmaschinengiganten Google sollte doch eigentlich eher misstrauisch machen: Nach der Welt, die Google nicht "im Angebot" hat, muss man zumindest im Internet heute schon ganz schön lange suchen.

 

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