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FAZIT - KULTURPRESSESCHAU

KULTURPRESSESCHAU

12.06.2013

Von Adelheid Wedel

"Ägyptens neuer Kulturminister will die Islamisierung von Kunst und Geistesleben",

schreibt Tomas Avenarius in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG. Und er informiert:

"Vor dem ägyptischen Kulturministerium herrscht in diesen Tagen Kulturkampf. Anlass ist die Personalpolitik des neuen Ministers."

Abdel Aziz hat begonnen, seine Behörde umzustrukturieren. Zu denen, auf die er künftig verzichten will, gehören die Chefin der Kairoer Oper, der Direktor des Nationalarchivs sowie der Verantwortliche für die Abteilung Bildende Künste, Museen und Ausstellungen.

"Ich habe meine Entscheidungen durchdacht",

ließ sich der Minister hören,

"egal, ob die Leute protestieren".

Aber die Empörung über den professionellen Kahlschlag in Ägypten ist groß.

"Der Minister wolle sein Haus und damit das gesamte Kulturleben islamisieren, sagen viele Künstler und Intellektuelle. Als Nachfolger installiere Abdel-Aziz unqualifizierte Islamisten."

Das Programm einer neuen Partei, der er nahesteht, ist eindeutig: Man wolle

"eine umfassende Wiedergeburt Ägyptens in seinem islamischen und arabischen Rahmen, wo der tiefe Glauben an Gott Grundstein allen politischen Handelns ist",

heißt es dort. Schwer vorstellbar, dass der deutsch-ägyptische Publizist Hamed Abdel-Samad in diesem Umfeld auf Unterstützung hoffen darf. Kürzlich hatte er bei einem Vortrag in Kairo die These vertreten,

"dass der Islamismus eine Form des Faschismus sei. Die seit einem Jahr herrschenden Muslimbrüder machte er für die Ausbreitung eines religiösen Faschismus verantwortlich."

Darauf erhielt er Morddrohungen. Auf einer salafistischen Website war sein Porträt zu sehen, darunter der Aufruf: Wanted Dead.

"Weil er den Propheten beleidigt habe, dürfe Abdel-Samad nicht länger leben",

hetzte Assem Abdel Magid, der Vorsitzende des politischen Arms der Gruppe Al Gamaa al Islamija, die 1981 für die Ermordung des ägyptischen Präsidenten Anwar al Sadat verantwortlich war.

"Er muss getötet werden, und seine Reue wird nicht akzeptiert",

meinte Magid. Abdel-Samads Verlag Droemer Knaur drängte den Autor islamkritischer Bücher wie "Der Untergang der islamischen Welt" und "Krieg oder Frieden!" unterzutauchen,

"zu deutlich waren die Drohungen, als dass er sie auf die leichte Schulter nehmen könnte."

Präsident Mursi schwieg bisher zu dem Vorfall, die Staatsanwaltschaft wurde nicht aktiv. Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning, sagte,

"der öffentliche Mordaufruf sei durch nichts zu rechtfertigen. Er erwarte, dass sich die ägyptische Regierung deutlich und unmissverständlich davon distanziert".

Die ägyptische Regierung sei aufgefordert,

"Meinungs- und Religionsfreiheit zu garantieren und die Sicherheit von Herrn Samad zu gewährleisten."

Die Drohungen gegen Samad zeigen zugleich,

"dass es immer gefährlicher wird, sich der in Ägypten ausbreitenden Islamisierung entgegenzustellen",

warnt die FAZ.

Ähnlich rigides Vorgehen gegen Andersdenkende wird aus der Türkei gemeldet. Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG berichtet:

"Die Bilanz des abermaligen Angriffs auf den Taksim-Platz und den Gezi-Park ist verheerend: Hunderte Demonstranten wurden verletzt, Dutzende festgenommen."

In der Wochenzeitung DIE ZEIT kommentiert Jens Jessen die Ereignisse:

"Auf dem Taksim-Platz in Istanbul geht es um Freiheit - auch gegen die Mehrheit des Volkes. Das ist das Dilemma der türkischen Demokratie."

Es sei der Kern von Erdogans Botschaft,

"dass es jetzt Atatürks Erbe an den Kragen geht, dass die ganze, seinerzeit autoritär verordnete Modernisierung der Türkei rückgängig gemacht werden soll."

Es sei die Tragik der Türkei, dass diese Modernisierung damals nicht anders als autoritär ins Werk gesetzt werden konnte, so Jessen. Es sei tragisch,

"dass die Demokratie nicht ihrerseits demokratisch eingeführt wurde. An diesem historischen Legitimationsdefizit krankt der Staat noch immer - es macht Erdogans Stärke aus und die Schwäche der Demonstranten."

 

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