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FAZIT - KULTURPRESSESCHAU

KULTURPRESSESCHAU

14.06.2013

Von Paul Stänner

Die WELT gibt Griechenland eine Stimme.

"Die Bürger Deutschlands wählen (…) ihre nächste Regierung. Ich hätte auch gern so eine",

fleht Laertis Vassiliou. Hätte Griechenland schon früher eine deutsche Regierung gehabt, schreibt Vassiliou:

"Wir wären respektiert und für unsere Leistungen in der Welt angesehen. Wir, und nicht Deutsche, wären die besten Kenner unserer eigenen antiken Schriftsteller und Philosophen."

Mal ehrlich: Wer kennt bei uns schon die griechischen Philosophen? Bei unserem ausgehungerten Bildungssystem? Dennoch fühlte man sich unbescheiden von Vassilious Bittgesang fast schon ein wenig am Nationalstolz gerührt, stünde nicht am Ende des Artikels der redaktionelle Hinweis:

"Laertis Vassiliou gilt in Griechenland als Skandalregisseur."

Das war's. Alles nur ein Witz! Wir können unsere Regierung behalten, schwarz-gelb oder rot-grün, und die antiken Schriftsteller werden auch nicht bei uns gelesen, sondern in Hollywood zu Filmen verarbeitet.

Wir blättern weiter: Die Art Basel, die größte Kunstmesse der Welt, hat noch bis Sonntag geöffnet. Schon jetzt baden die Dealer in Champagner.

"Der beste Messeauftakt, den ich hier je erlebt habe",

triumphierte einer, da war die Show erst seit zwei Stunden eröffnet. Ein James-Rosenquist Gemälde ging für zwölf Millionen über den Tisch, Skulpturen von Baselitz sah Tim Ackermann in der WELT für 950.000 Euro das Stück. Es ist wohl noch eine da. Polke macht 4,5 Millionen - das sind Summen, als gelte es, eine Bank zu retten. Ach ja - und dann war da noch die Kunst selbst. Gerrit Gohlke im TAGESSPIEGEL resümiert:

"Die Gegenwart hält sich mit gutem Umsatz in Basel. Die Vergangenheit aber dominiert die Messe."

Wir erlauben uns zu korrigieren: Das Geld dominiert die Messe.

In der Süddeutschen Zeitung dagegen widmet sich Catrin Lorch der Kunst. Sie greift den jüngsten Skandal um gefälschte russische Avantgardisten auf. Die Opfer finden bei Catrin Lorch wenig Mitleid, wenn sie schreibt, es …

"richten die in die Kunst eingeschleusten Bilder mehr an, als dass ein paar Betrogene die Keilrahmen diskret in den Keller schaffen müssen."

Sehr hämisch! Catrin Lorchs Sorge ist, dass infolge der sich häufenden Skandale die Kunst diskreditiert wird - Zitat:

"Eine der schönsten und wichtigsten Perioden der Kunstgeschichte wird zerrieben, wo Kunsthistoriker und Museumsleute nicht mehr unbefangen mit den Werken arbeiten (...) können."

Hier ist das Feuilleton endlich wieder bei der Kunst, nicht mehr beim Geld.

Wir blättern weiter: In der TAZ erinnert der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk daran, dass nach dem Juni-Aufstand 1953 in der DDR beim westdeutschen Geheimdienst einige Zeit lang die abenteuerliche These gehandelt wurde, der Aufstand sei von Walter Ulbricht selbst inszeniert worden, weil er mit der skrupellosen Niederschlagung der Unruhen seine Position festigen wollte. Die These wurde relativ schnell wieder kassiert, aber offenbar war die Qualität unserer Geheimdienste von Anfang an nicht die beste. Wir blättern: In der BERLINER ZEITUNG war Dirk Pilz bei den Autorentheatertagen und nun stöhnt er:

"Nähme man diese beiden Abende wirklich als exemplarische Fälle zeitgenössischer Dramatik, man fände reichlich Anlass, sich aufzuregen. Oder einzuschlafen, je nachdem."

Der TAGESSPIEGEL verabschiedet Tom Buhrow als Tagesthemenmoderator, der

"eine nicht ganz einfache Institution stets sicher auf mittlerer Flughöhe ins Ziel"

gesteuert habe. Wenn das kein Lob ist! Die SZ spekuliert, wer Buhrows Nachfolger werden könnte: Judith Rakers, Markus Lanz oder Ingo Zamperoni, schlägt aber auch die Maus vor. Für sie spricht, dass sie vom WDR kommt, das ist gut für den Proporz, die Quote würde auf jeden Fall stimmen, nur mit der Sprache hapert es ein wenig. Aber wir denken: Die mittlere Flughöhe würde die Maus ganz gewiss halten, bei Markus Lanz wären wir uns da nicht so sicher.

 

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