Michael Jackson zieht sich durch die Feuilletons - sein Freispruch vor dem Geschworenengericht im kalifornischen Santa Maria. Der Prozess, meint in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG Andrian Kreye, war so bizarr wie seine Protagonisten. Kein Drehbuchschreiber hätte es gewagt, sich solche Figuren auszudenken und erst recht nicht diese Dramaturgie. Zugleich aber hatte das Verfahren laut Andrian Kreye für den amerikanischen Rassismus … eine Bedeutung wie der Sechstagekrieg für den europäischen Antisemitismus - denn: Da fand sich die Angst einer puritanischen weißen Gesellschaft vor der vermeintlich bedrohlichen schwarzen Sexualität genauso wie der Widerspruch zwischen individueller Freiheit und dem Zwang zum permanenten gesellschaftlichen Konsens.
Für DIE WELT ist der Freigesprochene Als König des Pop nun gestürzt. Michael Pilz zählt auf, was ihm so Unangenehmes zu dem Pyjamapartie-Feierer in den Sinn kommt: Seine edle Einfalt. Seine Weltentrücktheit und sein infantiler Allmachtsrausch. Sein Heile-Welt-Gehampel.
Auch die islamische Welt ist mal wieder ein roter Faden durch die Feuilletons. Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG berichtet ermutigend von Jugend-Projekten des Goethe-Instituts in Kairo - der Hauptstadt eines Landes, in dem siebzig Prozent der Bevölkerung jünger als dreißig Jahre sind: Die Einstellungen, die sie heute entwickeln, werden morgen ihre Länder prägen und die Beziehung dieser Länder zum Westen, meint Rainer Hermann zu Goethen junior in Kairo: Im April haben sich in den Institutsräumen fünfundzwanzig nichtstaatliche Jugendorganisationen zum "Tag der Jugend" getroffen. Damit hatten diese Gruppen erstmals einen Rahmen, um sich auszutauschen und zu vernetzen.
Der Berliner TAGESSPIEGEL berichtet auch aus Kairo - aber darüber, was es heißt, als Auslandskorrespondent in der arabischen Welt zu arbeiten. Nämlich: Der Korrespondent in dieser Krisenregion muss immer wieder die besten Kontakte aus seiner Kartei streichen, Bekannte und Freunde betrauern, schreibt Andrea Nüsse: Weil sie ermordet wurden. Wegen ihrer politischen Ansichten. Andere sitzen im Gefängnis, wieder andere wurden entführt.
Die BERLINER ZEITUNG macht auf Befürchtungen iranischer Künstler aufmerksam, wie es mit den Ansätzen künstlerischer Libertinage nach den Präsidentschaftswahlen am 17. Juni im islamischen Gottesstaat weitergehen könnte: Die Zeit für den Reformer-Präsidenten Mohammed Chatami, der vor allem für Frauen und Jugendliche, Intellektuelle und Künstler eine große Hoffnung war, ist abgelaufen, schreibt Martina Doering: und damit auch, so fürchtet die iranische Künstlerszene, eine Zeit der liberalen Freiheiten, der Experimente, der Grenzauslotung, der Großzügigkeit, des Wagemuts.
Und Islam die Vierte. Etwas abstrus erscheinen Berichte, nach denen die 51. Kunst-Biennale in Venedig ein Werk des Künstlers Gregor Schneider nicht auf dem Markusplatz, also in der besten Stube, aufstellen lassen will: ein 15 Meter hoher schwarzer Würfel, ein Kubus aus Metall, bedeckt von schwarzen Stoffbahnen, wie uns in der WELT Rainer Haubrich neugierig macht, den das Ganze an einen religiösen Ort erinnert - es ist die Kaaba in Mekka, die zentrale Kult- und Pilgerstätte des Islam. Den Behörden in Venedig sei die Sache zu heikel gewesen, wegen einer möglichen Verletzung von Gefühlen muslimischer Betrachter… Die Biennale bemühte sich um einen anderen, weniger prominenten Ausstellungsort, doch auch dazu wurde keine Erlaubnis erteilt.
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE gibt die Meinung des Künstlers wieder, der keineswegs die Kaaba nachgestellt haben will - und nach dessen Ansicht das Werk wunderbar auf den Markusplatz gepasst hätte, weil dort von der arabischen Welt beeinflußte Gebäude auf europäische Bauten träfen.
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Fazit
Netzwerk Recherche Treffen in Hamburg
Sendezeit: 15.06.2013, 23:45
Berlin: Lange Nacht der Autoren - Abschluss der Berliner Autorentheatertage
Sendezeit: 15.06.2013, 23:37
Florentine Klepper inszeniert in Dresden den "Fliegenden Holländer"
Sendezeit: 15.06.2013, 23:05
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