Sie ist ein Abgesang auf das Zeitalter der Romantik und ein Auftakt der musikalischen Moderne. Gustav Mahlers neunte Sinfonie ist ein Werk des Abschieds und ein Werk des Aufbruchs. Kurz vor seinem Tod sagte Mahler hier seiner Welt und seiner Musik Lebewohl - und stieß die Tür zu einer neuen (Klang-)Welt weit auf.
Irdische Tragik und überirdische Entrückung - beide Elemente sind in Gustav Mahlers neunter Sinfonie unauflöslich miteinander verbunden. Das letzte vollendete Werk des österreichischen Komponisten (dessen Uraufführung er nicht mehr erleben konnte) wurde und wird von vielen Dirigenten als besondere Herausforderung empfunden. Und je nach Charakter und Interesse der Interpreten wird mal mehr die irdische, mal mehr die sphärische Seite betont, wird eher das Traditionelle oder mehr das Moderne unterstrichen.
In der Interpretationsgeschichte von Mahlers neunter Sinfonie tritt der seltene Fall der Entschleunigung ein: Frühe Aufnahmen dokumentieren feuriges, drängendes Musizieren; auf vielen neueren Aufnahmen neigt die Werkauffassung zum Getragenen, ja Weihevollen. Dauerte das Final-Adagio 1938 bei Bruno Walter in Wien noch 18 Minuten, so benötigte James Levine 1999 in München für den identischen Notentext ganze 31 Minuten. Berufen können sich alle Exzentriker der Langsamkeit auf Leonard Bernstein, dessen glühende Interpretationen Mahlers Musik populär machten. Der RIAS-Mitschnitt von Bernsteins einzigem Konzert mit den Berliner Philharmonikern - Mahlers Neunte im Oktober 1979 - ist das hinreißende Dokument einer enthemmten und doch ernsthaften Interpretation.
Die Aufnahmegeschichte der neunten Sinfonie Gustav Mahlers erstreckt sich über sieben Jahrzehnte: 1938 wurde sie erst mals mitgeschnitten in einem Konzert der Wiener Philharmoniker unter Bruno Walter, der bereits 1912 die posthume Uraufführung dirigiert hatte. 2008 entstand die zur Zeit aktuellste Aufnahme mit den Bamberger Symphonikern unter Jonathan Nott - dazwischen liegen viele weitere, zum Teil herausragende Einspielungen.
Eine Auswahl fällt also nicht leicht, aber einige Favoriten kann man kaum umgehen: Bruno Walter (1938): Das bewegende Zeugnis des Musikers, der Mahler gekannt haben dürfte wie niemand sonst. Hans Rosbaud (1954): Ein idealer Diener am Werk, dessen Sachlichkeit niemals in fromme Langeweile umschlug. John Barbirolli (1964): Der Meister des großen Atems und unvergleichlichen Wohlklangs. Bruno Maderna (1971): Eine so intuitive wie klar strukturierte Deutung und eine der überraschendsten Mahler-Aufnahmen überhaupt. Claudio Abbado (1999): Kein Dirigent hat sein Musikerdasein so mit dieser Sinfonie verbunden, keiner hat die Stille "zwischen den Notenzeilen" so sensibel zum Klingen gebracht wie er.
Beiträge zum Nachhören
Deutschlandradio Kultur
Feuilletonpressegespräch: TAZ
Sendezeit: 13.02.2012, 10:08
Kulturtipps - Montag, 13.02.2012 - 09.40 Uhr
Sendezeit: 13.02.2012, 09:40
"Meine Mutter, die Gräfin" von Yvonne Hirdman, Ü: Nina Hoyer / Insel Verlag
Sendezeit: 13.02.2012, 09:33
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