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Interpretationen  05.09.2010 · 15:05 Uhr
Der ungarisch Komponist und Pianist Bela Bartok (1881 - 1945). (Bild: AP) Der ungarisch Komponist und Pianist Bela Bartok (1881 - 1945). (Bild: AP)

"Solo für alle"

Das "Konzert für Orchester" von Béla Bartók

Gast: Michael Stegemann, Moderation: Olaf Wilhelmer

Wenige Orchesterwerke des 20. Jahrhunderts wurden in Ihrer Bedeutung so schnell erkannt und durchgesetzt wie das "Konzert für Orchester" von Béla Bartók. Seit seiner Uraufführung, 1944 in Boston, ist Bartóks spätes Meisterstück im Repertoire etabliert - und die Mikrofone der Plattenstudios liefen von Anfang an mit.

Béla Bartóks "Konzert für Orchester" ist gewissermaßen ein traditionsloses Werk: Die Gattung eines sinfonischen Konzertes für das gesamte Orchesterkollektiv findet sich vor 1944 nominell nur in einem - allerdings ganz anders gearteten - Werk von Paul Hindemith. Mit seinem fünfsätzigen, streng symmetrischen Zwitter aus Konzert und Sinfonie beschritt Bartók ein Jahr vor seinem Tod neue Wege. Moderne Musik für moderne Zeiten: Schon die Uraufführung des "Konzertes für Orchester" wurde mitgeschnitten, Dutzende weitere Aufnahmen folgten.

1943, zwei Jahre vor seinem Tod, ging es Bartók so schlecht wie noch nie. Der ungarische Komponist hatte dem faschistischen Europa den Rücken gekehrt und war in die USA emigriert - wo er gesundheitlich und finanziell in große Schwierigkeiten geriet. Der 1000-Dollar-Scheck des Dirigenten Sergej Kussewitzky kam da gerade recht - verbunden mit dem Auftrag einer Komposition für das Boston Symphony Orchestra.

Kussewitzky, so wird gelegentlich behauptet, war nur wegen seines Gespürs für neue Musik bedeutend (ihm verdanken wir beispielweise auch die "Psalmensinfonie" von Igor Strawinsky und die "Turangalila-Sinfonie" von Olivier Messiaen). Dirigieren sei eher nicht seine Stärke gewesen. Der Mitschnitt der von Kussewitzky geleiteten Uraufführung des Bartókschen Orchesterkonzerts spricht eine andere Sprache: Noch heute ist diese Interpretation vorbildlich, denn nur wenigen Dirigenten gelang es, im verbindlichen Tonfall des späten Bartók auch den durchaus vorhandenen Sarkasmus und die biografisch-politischen Zwischentöne ahnen zu lassen. Die spannendsten Bartók-Aufnahmen hat unser Studiogast Michael Stegemann im Gepäck, der sich zur Zeit intensiv mit der Erforschung ungarischer Musik befasst.

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