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Konzert  09.06.2012 · 19:05 Uhr
Roter Vorhang in einem Theater (Bild: Stock.XCHNG / Nihan Aydin) Roter Vorhang in einem Theater (Bild: Stock.XCHNG / Nihan Aydin)

Zwischen Liebe und Luxus

Massenets "Manon" aus der Opéra Bastille Paris

Was soll man als junger Mann - selbst den irdischen Freuden zugetan - schon machen, wenn die hübsche Cousine, anstatt ins Kloster zu gehen, einem Studenten, der auf dem Wege zu seinem Vater ist, auf den ersten Blick verfällt. Beide vergessen Pflicht und Gehorsam, fliehen nach Paris und sind sich zunächst selbst genug, bis der Alltag sie einholt. Das junge lebenshungrige Mädchen merkt, dass der Geliebte ihre maßlosen Wünsche nicht erfüllen kann.

Der Student heißt Des Grieux und seine Geliebte Manon. Lange bleiben sie nicht ungestört. Manons Vater taucht mit dem reichen Brétigny auf, den er für Manon vorgesehen hat. Grieux wird kurzerhand wegen Fluchthilfe eingesperrt. Manon entwickelt sich schnell zu einer begehrten Figur des Pariser Nachtlebens. Brétigny und der alte Lebemann Morfontaine treten in Konkurrenz um sie. Manon erfährt, dass Grieux in den Priesterstand treten wolle. Sie besucht ihn im Kloster und beide fliehen erneut nach Paris. Hier wird er beim Spiel mit Morfontaine des Betrugs bezichtigt. Grieux kommt davon, aber Manon wird als Komplizin abgeführt. Bevor sie nach Amerika deportiert werden soll, ist ihre Lebenskraft aufgezehrt. Des Grieux kommt zu spät. Manon stirbt in seinen Armen.

Eine unangenehme Situation, wenn man seinem Librettisten ein Textbuch zurückgeben muss. So ging es Jules Massenet mit Henri Meilhac. Zugute kam ihm dabei, dass er in dessen Bibliothek den berühmten Roman von Abbé Prévost entdeckte und Meilhac im Nu dafür begeistern konnte. Schon zwei Tage später war der Text für die ersten beiden Akte von "Manon" fertig.

Massenet hatte eine enge Beziehung zu der Figur Manon, engagierte sich sehr bei der weiteren Gestaltung des Handlungsablaufs und feilte lange an der musikalischen Umsetzung. Das Stück sollte an der Pariser Opéra Comique herauskommen. Der Direktor des Hauses Léon Carvalho war bekannt für seine rücksichtslosen Eingriffe bei den Inszenierungen. Als Massenet ihn gleich beim ersten Vorspiel seiner Oper in die Schranken weisen wollte, beruhigte ihn Carvalho: "Mein Freund, Ihr Werk wird so aufgeführt, als wären Sie bereits tot!".

Der Manon-Stoff war bereits 1856 von Auber vertont worden. Massenet, und zehn Jahre später dann Puccini, drängten mit ihren Versionen dessen Oper völlig in den Hintergrund. Jules Massenets "Manon" wurde an der Opéra Comique zum Dauerbrenner und gehört mit Bizets "Carmen" und Gounods "Faust" bis heute zu den meistgespielten französischen Opern.



Euroradio-Opernsaison 20011/12
Opéra Bastille Paris
Aufzeichnung vom 28.1.12

Jules Massenet
"Manon"
Opéra comique in fünf Akten
Libretto: Henri Meilhac / Philippe Gilles

Manon Lescaut - Natalie Dessay, Sopran
Le Chevalier des Grieux - Giuseppe Filianoti, Tenor
Lescaut, Manons Cousin - Franck Ferrari, Bariton
Graf des Grieux, Vater des Chevalier - Paul Gay, Bass
Guillot de Morfontaine - Luca Lombardo, Tenor
Monsieur de Brétigny - André Heyboer, Bariton
Pousette, eine Schauspielerin - Olivia Doray, Sopran
Javotte, eine Schauspielerin - Carol Garcia, Mezzosopran
Rosette, eine Schauspielerin - Alisa Kolosova, Mezzosopran
Wirt - Christian Tréguier, Bass
Wachen - Alexandre Duhamel, Ugo Rabec
Chor und Orchester der Opéra Bastille Paris
Leitung: Evelino Pidò

nach dem 3. Akt ca. 21:00 Uhr Pause mit Nachrichten

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