Im Dämmerlicht zwischen Wachen und Schlafen träumen sich Kinder gern in ihr Land der Ferne. Vermutlich hat sich so ziemlich jeder schon einmal in eine andere, fremde Familie hineinfantasiert. Was wäre, wenn ich in einer ganz anderen Familie aufwachsen würde, wenn meine Eltern gar nicht meine Eltern wären?
Ein faszinierendes Fantasiespiel. Es verliert an Reiz, wenn es Realität ist. Dann stellen sich schwierigere Fragen: Woher komme ich, was und wer sind meine Wurzeln? Und warum überhaupt? Wieso bin ich hier und nicht dort? Die scheinbar natürliche Gesetzmäßigkeit vom Hineingeborenwerden in die leibliche Familie ist für Adoptivkinder außerkraft gesetzt.
An ihre Stelle tritt die Lebenslotterie: Adoptierte sind dem Zufall ausgeliefert. Das stellt sie oft beim Heranwachsen, beim Finden der eigenen Identität vor erhebliche Herausforderungen. Denn adoptierte Kinder, annehmende Eltern und abgebende Mütter können diese existenzielle Entscheidung als lebenslange Kränkung erleben. Oder als fast unglaubliches Glück und Chance auf ein Leben in gegenseitiger Liebe und Geborgenheit.
(Wiederholung vom 17./18.07.2010)
Beiträge zum Nachhören
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