Wenn wir heute Weihnachten feiern, ist dies ein Fest im Überfluss. Selbst wer arm ist, hat mehr als die Menschen vor 60 Jahren. 1945, beim ersten Weihnachtsfest nach dem Krieg, lagen die Städte in Trümmern, und es fehlte am Notwendigsten: Nahrung und Heizung. Trauer um die Toten mischte sich mit der Erleichterung, dass endlich keine Bomben mehr fielen und der Ungewissheit über die Zukunft.
Nach dem Zweiten Weltkrieg feiern die Deutschen 1945 Weihnachten wieder in Frieden. Doch Deutschland befindet sich in einer Übergangszeit - die Zukunft ist ungewiss. Regiert wird das Land von den vier Siegermächten. Doch allmählich beginnt sich das politische Leben der Deutschen neu zu beleben.
21 führende Männer Hitler-Deutschlands saßen auf der Anklagebank. Das Internationale Militärtribunal hatte die Aufgabe, mit den Mitteln des Rechts Kriegsverbrechen zu sühnen. Insgesamt wurden von 1946 bis 1949 13 Nürnberger Prozesse durchgeführt. Sie sollten wegweisend sein für die internationale Gerichtsbarkeit. Die Verfahren waren jedoch komplizierter als sich vor allem die amerikanischen Ankläger das vorgestellt hatten.
Nachdem die Hauptschuldigen in den Nürnberger Prozessen verurteilt worden waren, mussten sich Angehörige verschiedener Berufsgruppen für Verbrechen im Zweiten Weltkrieg verantworten. Auch Industrielle wie die Chefs des Krupp-Konzerns und vor allem der Vorstand der IG Farben.
Etwa 200 Angeklagte standen bei den Nürnberger Prozessen vor Gericht, einige wurden freigesprochen, andere zum Tode verurteilt, viele erhielten Gefängnisstrafen. Doch nur wenige mussten ihre Strafen voll verbüßen. Denn in der Bundesrepublik wuchs der Druck sie zu begnadigen so stark, dass der amerikanische Hochkommissar nachgab.
Der Nürnberger Prozess bildete den Auftakt für zwölf weitere Verfahren, in denen die Amerikaner Verantwortliche aus allen gesellschaftlichen Bereichen zur Rechenschaft zogen. In ihnen wurde das ganze Ausmaß der NS-Verbrechen aufgedeckt. Die Verfahren hatten aber auch ihre Schwächen.
Einer der wichtigsten Nürnberger Prozesse war der Ärzteprozess, in dem das unvorstellbare Ausmaß von Medizinverbrechen aufgedeckt wurde. Die Mediziner konnten innerhalb der Diktatur ihren zweifelhaften Forscherdrang ausleben - ohne Rücksicht auf ethische Prinzipien.
Führende Vertreter des Hitler-Regimes mussten sich vor dem Internationalen Militärtribunal verantworten. Fast ein Jahr dauerte es, bis die Urteile gesprochen wurden.
Nach dem Hauptkriegsverbrecherprozess dafür sorgten die Amerikaner dafür, dass von 1946 bis 1949 zwölf weitere Prozesse folgten, die das ganze System der nationalsozialistischen Verbrechen offenbarten. In einem der Nachfolgeprozesse waren führende deutsche Juristen angeklagt.
Der britische Richter Lord Geoffrey Lawrence eröffnet am 20. November 1945 das Tribunal. Er fordert die Angeklagten auf, sich der Anklage gegenüber schuldig oder nicht schuldig zu bekennen. Erst neun Monate später ziehen sich die Richter zur Urteilsfindung zurück.
Vor 60 Jahren, am 20. November 1945, begann der erste, der Hauptkriegsverbrecherprozess - ein Meilenstein auf dem Weg zu einer internationalen Gerichtsbarkeit. Denn zum ersten Mal gelang es, die Verantwortlichen eines verbrecherischen Regimes vor einem internationalen Gericht zur Rechenschaft zu ziehen. Rechtsstaatlichkeit siegte über Rachegelüste.
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