Zum Inhalt
Zur Deutschlandradio Kultur-Startseite
 
nach oben
 (Bild: picture alliance / dpa / Patrick Pleul) (Bild: picture alliance / dpa / Patrick Pleul)

Täglich eine Geschenkidee

Bücher für den Gabentisch

Unsere Kulturredakteurinnen und -redakteure versorgen Sie während der Adventszeit mit Geschenketipps. Darunter sind Klassiker und Comics, Sachbücher und Ratgeber, Kinderbücher und Kunstbände. Anregungen für Jung und Alt, seltene Fundstücke ebenso wie ewige Bestseller.

Vom 1. Dezember bis zum 23. Dezember hören Sie den Adventskalender

im Radiofeuilleton, werktags um 16.30 Uhr
sowie täglich in der Sendung Fazit, 23.05 - 24.00 Uhr

Bisher gesendet und zum Nachhören:

22. Dezember
László Végel: "Bekenntnisse eines Zuhälters"
Matthes & Seitz, Berlin 2011, 251 Seiten, 19.90 Euro

Das Leben ist grau, jede Vorstellung vom Glück überholt, aber Amüsement muss sein. Nach Kräften vergnügen sich die Schüler und Studenten im nordjugoslawischen Novi Sad mit Sex und Alkohol, mit fremdem Geld und fremden Autos. Eine geballte Ladung Nihilismus, Depression und Weltekel schlägt einem aus diesen 1968 erstmals erschienenen "Bekenntnissen eines Zuhälters" von László Végel entgegen. Der Sozialismus interessiert niemanden. Die gut gelaunte Düsterkeit dieses Buches lässt heutige Romane wie Kuschelliteratur wirken.

21. Dezember
Sommergäste - Von Arp bis Werefkin
Klassische Moderne in Mecklenburg und Pommern - Ausstellungskatalog, Hirmer Verlag, München 2011, 310 Seiten, 39,50 Euro

Der Ausstellungskatalog ist eine großartige Nachlese zu einer avancierten Ausstellung in Schwerin. Erstmals ist es in einem repräsentativen Überblick gelungen, den Ostseeraum als Kunstraum im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts vorzustellen, der über heutige Landesgrenzen hinausweist. Zwischen Brunshaupten/Kühlungsborn, Fischland-Darß, Rügen, Usedom und Nidden auf der Kurischen Nehrung suchten die Maler der klassischen Moderne ihre Refugien. Die Brücke-Künstler waren hier, der Dadaist George Grosz, Bauhauskünstler Lyonel Feininger, der Impressionist Lovis Corinth oder Edvard Munch, der in Warnemünde die Anregung für sein skandalisiertes Ölbild Badende Männer fand. Vor 100 Jahren sah Alexej Jawlensky in seinem Aufenthalt in Prerow die "Wendung" in seiner Kunst hin zur abstrakten Malerei. Dem einladenden Bildteil sind gut lesbare Essays und ein mit Briefzitaten, Kurzbiographien, Fotos aufbereiteter Anhang beigegeben, den eine Landkarte der Sehnsuchtsorte entlang der Ostseeküste bereichert.

20. Dezember
Richard Stark: "Verbrechen ist Vertrauenssache"
Aus dem Amerikanischen von Dirk van Gunsteren, Zsolnay, Wien, 2011, 256 Seiten, 16,90 Euro

Beruf: Dieb! Richard Stark alias Donald E. Westlake hat gut 20 Thriller über einen Verbrecher namens Parker geschrieben, einen knallharten Profi, der sich mit einer Handvoll Kollegen von Job zu Job hangelt. "Verbrechen ist Vertrauenssache" ist einer der späten Romane, die jetzt zum ersten Mal auf Deutsch erscheinen. Diesmal hat Parker es auf einen Fernsehprediger abgesehen, der seinen Anhängern Unsummen von Geld aus der Tasche zieht. Und zwar Bargeld: "Selbst in einer Welt der elektronischen Transfers, der Kreditkarten und des im Cyberspace schwebenden Geldes gab es da draußen noch echte Beute zu machen." Parker, das ist der schmutzige Engel des Spätkapitalismus. Pünktlich zu Weihnachen hält er seine frohe Botschaft für alle die bereit, die noch darüber nachdenken, wie sie sich die ganzen teuren Weihnachtsgeschenke überhaupt leisten sollen: Nehmen ist seliger denn geben.

19. Dezember
Nadine Brun-Cosme und Olivier Tallec: "Großer Wolf und kleiner Wolf - Das Glück, das nicht vom Baum fallen wollte"
Gerstenberg Verlag, 32 Seiten, 12,90 Euro

Dieses Kinderbuch geht ans Herz: so sehr, dass man es immer wieder lesen möchte. Diese Geschichte vom großen Wolf und kleinen Wolf, die Geschichte über große Freundschaft und deren wunderbare Gesten. Zärtlich erzählt von diesen zwei Franzosen, die mit wenigen Worten und schlichten Strichen große Kunst zaubern. Kinderbuchkunst nannte es ein Kollege. Unwidersprochen recht hat er. Alles beginnt mit einem kleinen Blatt, das ganz oben am Baum hängt. Es leuchtet. So schön, dass der kleine Wolf es unbedingt haben möchte. Der große Wolf vertröstet ihn. "Irgendwann fällt es herab", sagt er. Doch das Blatt fällt nicht. Nicht im Frühling, nicht im Sommer und auch nicht im Herbst. Es ändert nur seine Farbe, ist spiegelnden grün, dann warmbraun und schließlich kohlrabenschwarz. "Ich mach's!", sagt dann im Winter der große Wolf. Er will das Blatt holen. "Einfach so. Ohne Grund. Nur um die Augen des kleinen Wolfes leuchten zu sehen", wie es im Buch heißt. Und je höher der große Wolf klettert, umso mehr geht einem das Herz auf. Einfach so. Wunderbar!

18. Dezember
Günther Ücker: "Word Pictures"
Hg. von Eckhard Hollmann & Jürgen Krieger
Jovis Verlag, Berlin 2011, 216 Seiten, 58 EUR

Am Anfang der "autobiografischen" Bilder Günther Ückers stand 1973 eine Reise nach Laos - mitten hinein in eine fremde, nicht lesbare Kultur und in das Chaos des Krieges. "Laos zum Schweigen der Schrift oder die Sprachlosigkeit" steht - unendlich oft wiederholt - auf einem der entzifferbaren Schreibbilder. Andere sind abstrakte, rhythmisierte, geknotete "optische Partituren". Bilder zum Lesen, zum Meditieren, zum Nachdenken über Wiederholung und Vergeblichkeit, Aussage und Nicht-Wissen. Für jeden, der sich vom Rätsel der Schrift begeistern lässt.

17. Dezember
Robert Louis Stevenson: "St. Ives"
Hg und übers. von Andreas Nohl, Hanser Verlag, München 2011, 520 Seiten, 27,90 Euro

Liebhaber des Abenteuerromans und Freunde der Hochstapelei kommen hier auf ihre Kosten. In England, Frankreich und Italien längst ein Klassiker, liegt die Geschichte des tollkühnen französischen Adligen jetzt zum ersten Mal auf Deutsch vor, elegant übersetzt von Andreas Nohl. Dem Vicomte gelingt nicht nur eine spektakuläre Flucht aus der Felsenburg von Edinburgh, er erobert nebenbei das Herz einer Schottin und besteht jede Bewährungsprobe - mit Blessuren. Ein Geschenk für alle, die Spaß an klassischer Erzählkunst haben und Die Schatzinsel schon kennen.

16. Dezember
Joachim Radkau: "Die Ära der Ökologie. Eine Weltgeschichte"
C. H. Beck 2011, 782 Seiten, 29,95 Euro

Was bleibt nach dem Ende der Utopien, angesichts der Sorge, dass auch die Aufklärung an Kraft verliert? Joachim Radkau, einer der originellsten deutschen Geschichtswissenschaftler, hat darauf eine bemerkenswerte Antwort: die Ökologie. Mit einem zeitlich und räumlich weiten Blick auf frühere Natur- und Umweltbewegungen und auf die Epochenwende um 1970 macht Radkau verständlich, warum er in der Ökologie "eine neue Aufklärung" sieht, mit all ihren Widersprüchen. Eine ungemein erhellende Lektüre!

15. Dezember
Karlheinz Geißler: "Alles hat seine Zeit, nur ich hab keine - Wege in eine neue Zeitkultur"
oekom verlag, München 2011, 256 Seiten, 19,95 Euro

Ein Buch für alle, die meinen, keine Zeit zu haben und mit Hilfe moderner Technik alles jederzeit und überall erledigen zu können. Der renommierte Zeitforscher zeigt uns in seinem Buch anschaulich, nachdenklich und humorvoll, wie wir über die Jahrhunderte zu den Kindern dieser Zeit geworden sind. Zeiterkenntnis wird dabei auch zur Selbsterkenntnis. Um Zeit wieder an die schönen Dinge des Lebens "verlieren" zu können und zu uns selbst zu kommen braucht es Geduld, Verzicht, Langsamkeit und Pausen.

14. Dezember
Barbara Robinson: "Hilfe, die Herdmans kommen"
Aus dem Amerikanischen von Nele und Paul Maar, illustriert von Wilhelm Schlote
Oetinger Verlag, Hamburg 1974, 96 Seiten, 9.90 Euro

Ein Buch für alle, die Lust haben sich von der Weihnachtsgeschichte auf humorvolle Weise neu verzaubern zu lassen. Ausgerechnet sechs verwahrloste Herdmannskinder eröffnen dem Leser einen neuen Blick auf die Weihnachtsgeschichte. Eine Geschichte von einer hochschwangeren Frau und ihrem Mann, die in großen Schwierigkeiten stecken und in ihrer Not das Kind in einem Stall zur Welt bringen. Auch 30 Jahre nach dem ersten Erscheinen noch immer eine erfrischend junge, unsentimentale Weihnachtsgeschichte. Vielleicht der moderne Weihnachtsklassiker für Kinder und Erwachsene.

13. Dezember
Gudrun Bucher: "Die Spur des Abendsterns. Die abenteuerliche Erforschung des Venustransits"
WBG, Darmstadt 2011, 215 Seiten, 29,90 Euro

Die Ethnologin und Geologin Gudrun Bucher hat sich auf die "Spur des Abendsterns" begeben. Im Mittelpunkt ihres Buches steht die Faszination eines sehr, sehr seltenen astronomischen Ereignisses: Der Venustransit, der zweimal in acht Jahren stattfindet, und dann 100 Jahre nicht mehr. Die Geschichte und Bedeutung der Erforschung dieses Phänomens wird spannend und anschaulich erzählt. Ein Wissensbuch für alle, die sich vom Blick in den Sternenhimmel fesseln lassen können.

12. Dezember
Neil MacGregor: "Eine Geschichte der Welt in 100 Objekten"
C.H. Beck Verlag, München 2011, 816 Seiten

Auf den ersten Blick unscheinbare Objekte enthalten erstaunliche Geschichten: Der Direktor des Britischen Museums, Neil MacGregor, präsentiert Menschheitsgeschichte anhand von Objekten, die in seinem Londoner Museum ausgestellt sind. Die erste Begegnung von Europäern mit australischen Ureinwohnern aus der Perspektive eines australischen Borkenschildes, der von einer europäischen Kugel durchbohrt ist: Auf faszinierende Weise gelingen MacGregor Perspektivenwechsel, indem er Fundstücke zum Ausgangspunkt seiner Geschichtserzählungen macht. Eine gedankliche, sprachliche und bibliophile Kostbarkeit, eine Entdeckungsreise für die Leser.

11. Dezember
Michele Mari: "Mr. Pink Floyd"
Aus dem Italienischen von Birte Völker, Edition Elke Heidenreich bei C.Bertelsmann, 299 Seiten, 19,95 Euro

Die Geschichte der Mega-Rockband Pink Floyd als Roman: Der italienische Schriftsteller Michele Mari entwirft anhand der Biographie des Pink Floyd-Gründers Syd Barrett ein zauberhaftes musikalisches Potpourri aus Fakten und Fiktion. In kurzen Kapiteln kommen Weggefährten, Band-Mitglieder und tote Rockhelden wie Brian Jones und Jimi Hendrix zu Wort, mit überraschenden Einsichten und Antworten auf die Frage: Was waren, was sind Pink Floyd, mit und ohne Syd Barrett. Und wie wurden sie zu einer der erfolgreichsten Bands dieses Planeten? Ein Fest, ein Riesenspaß für jeden Floyd-Fan und alle, denen "The Dark Side of the Moon" auch gefällt.

10. Dezember:
Craig Thompson: "Blankets"
Aus dem Englischen von Claudia Fliege, Carlssen Verlag, Hamburg 2009, 592 Seiten, 38 Euro

Eine Geschichte vom Schnee, von der Kindheit und von einer ersten Liebe. In poetischen, eleganten, ungemein erfindungsreichen Schwarz-Weiß-Zeichnungen treibt Craig Thompson einem diese Geschichte unter die Haut, so intensiv und anrührend wie in kaum einer anderen Graphic Novel. Ein Buch für alle, die den Rausch des ersten großen Verliebtseins noch immer spüren, oder die gerade mittendrin stecken.

9. Dezember
Ulfrid Kleinert / Rolf Kühn: "Und sie zogen aus in ein wüstes Land..."
Auf den Spuren der Bibel durch den Sinai, Primus Verlag, Darmstadt 2011, 144 Seiten, 24,90 Euro

Für Menschen, denen biblische Geschichten etwas sagen und die Lust haben, nach ihren Spuren heute zu suchen. Es ist eben kein kitschiger Bibelspruch-vor-Sonnenuntergang-Bildband - theologische Forschungsergebnisse, der Tourismus, das Leben der muslimischen Beduinen und der orthodoxen Mönche im Katharinenkloster sind auch im Blick. Ein wenig Sinn für Besinnliches ist zumindest für den Text über die Wüste als Ort der Selbsterkenntnis oder der Läuterung schon nötig. Wer den mitbringt, kann sich mit dem sehr schön gestalteten Buch auf eine spannende Reise begeben.

8. Dezember
Tomas Tranströmer: "Jugendgedichte"
Aus dem Schwedischen von Hanns Grössel, 5 Aquarelle von Peter Frie, Kleinheinrich Verlag, Münster 2011, 40 Seiten, mit dem 2. Band 50,00 Euro

Tranströmer, Tomas (Bild: picture alliance / dpa / Jurek Holzer)

Tranströmer, Tomas (Bild: picture alliance / dpa / Jurek Holzer)

Versehen mit Aquarellen zeigen die beiden zusammengehörenden Ausgaben den diesjährigen Literaturnobelpreisträger Tomas Tranströmer als Entomologen und als jungen Dichter. Für jeden, der in der Weihnachtszeit lieber an der Peripherie dem Trubel beiwohnen will. Er kann sich auf zwei unterschiedliche Lektüren einlassen und sieht die Welt aus einer anderen Perspektive.
Außerdem für alle Entomologen unter den Lesern und solche, die sich für Insekten aller Art interessieren.

7. Dezember
Ivo Andrić: "Die Brücke über die Drina"
Übersetzung von Ernst E. Jonas, überarbeitet von Katharina Wolf-Grießhaber, Zsolnay Verlag 2011, 496 Seiten, 25,90 Euro

Der Roman führt 400 Jahre balkanischer Geschichte durch das Nadelöhr der Višegrader Drina-Brücke - und man kann ihn vielen schenken: Liebhabern des historischen Romans, die sich gern von gediegenen Erzählern in fremde, zeitenferne Welten versetzen lassen, Menschen, die sich für die tief wurzelnden Hintergründe im "Kampf der Kulturen" zwischen Orient und Okzident, Islam und Christentum interessieren, wie auch anspruchsvollen Literaturfreunden, die Spaß an ungewöhnlichen Erzählformen und der Mischung von detailgenauem Realismus und Legendenton haben.

6. Dezember
Eric Karpeles: "Marcel Proust und die Gemälde aus der Verlorenen Zeit"
Aus dem Amerikanischen von Volker Ellerbeck. DuMont , Köln 2010, 352 Seiten, 34,95 Euro

Auf den ersten Blick ist das ziemlich einschüchternd: Marcels Prousts "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit", das sind sieben Bände und deutlich mehr als 5000 Seiten. Als Geschenk zu Weihnachten? Lieber nicht.
Die gute Nachricht: Der amerikanische Maler Eric Karpeles hat aus diesem monströsen Roman ein Bilderbuch gemacht. "Marcel Proust und die Gemälde aus der Verlorenen Zeit" versammelt sämtliche Kunstwerke, die in der "Recherche" eine Rolle spielen: Bilder von Botticelli, Whistler und Vermeer, Brueghel und Watteau - und daneben die passenden Stellen aus dem Roman.
Aber Vorsicht: Dieser Bildband ist die ideale Einstiegsdroge. Im nächsten Jahr steht dann der Schuber mit den sieben Bänden auf dem Wunschzettel!

5. Dezember
Charles Dickens: Eine Weihnachtsgeschichte
Aus dem Englischen von Curt Noch, Dressler Klassiker 2002, 144 Seiten, 7,50 Euro

Statue des englischen Schriftstellers Charles Dickens in Sydney (Bild: picture alliance / dpa / Dean Lewins)

Statue des englischen Schriftstellers Charles Dickens in Sydney (Bild: picture alliance / dpa / Dean Lewins)

Vielleicht das schönste Weihnachtsmärchen der europäischen Literatur.

Dem hartherzigen Geizkragen Ebenezer Scrooge wird von drei Geistern vor Augen geführt, wie böse er zu seinen Mitmenschen ist. Der Schock darüber macht ihn zukünftig zu einem Freund seiner Mitmenschen.

Dickens' Klassiker ist eine Ode an den Humanismus.

4. Dezember
Edmund de Waal: Der Hase mit den Bernsteinaugen
Aus dem Englischen von Brigitte Hilzensauer, Hanser Verlag, München 2011, 352 Seiten, 19,90 Euro

Edmund de Waal begibt sich auf die Suche nach einer verlorenen Zeit - nach seiner jüdische Familiengeschichte, deren erzählerischer Ausgangspunkt und roter Faden die Kunst ist. Zeitgeist, Literatur, Kunst und Biografisches werden so poetisch und sinnlich miteinander verknüpft, dass der Leser in jeder Sekunde das Gefühl hat, ein Teil der Familie Ephrussi zu sein.

3. Dezember
Friedrich Kittler: Das Nahen der Götter vorbereiten
Wilhelm Fink Verlag, Paderborn/München 2011, 87 Seiten, 16,90 Euro

Kittler, Friedrich (Bild: picture alliance / dpa / Karlheinz Schindler)

Kittler, Friedrich (Bild: picture alliance / dpa / Karlheinz Schindler)

Der Kulturhistoriker Friedrich Kittler schlägt Volten wie sonst niemand: Richard Wagner, Jimi Hendrix, Pink Floyd - dieselbe Musik. Hier werden Popstars zu Göttern, Groupies zu Nymphen, Menschen zu Singvögeln. Berühmt wurde Kittler einst, weil er vor allen anderen sah, dass Medien unsere Lage bestimmen. Später verlegte er sich aufs Treiben der griechischen Götter. Ob er, der im Oktober starb, ahnte, dass er das Erscheinen dieses feinen Büchleins nicht mehr erleben würde? Wie es bei Pink Floyd heißt: Shine on you crazy diamond.

2. Dezember
Jacob und Wilhelm Grimm/ Bejamin Lacombe: Schneewittchen
Jacoby&Stuart, Berlin 2011, 48 Seiten, 16,95 Euro

Ein Klassiker zum Verzaubern: Man sitzt förmlich auf dem Schoß der Gebrüder Grimm, lauscht dem Hall ihrer Worte. Grandios auch die Bilder von Benjamin Lacombe. Sie machen das Buch zum Kunstgenuss. Die mit klaren Strichen gezeichneten Gesichter werden beherrscht von großen ausdrucksstarken Augen und kleinen kirschroten Mündern. Schneewittchens schwarze Haare fließen förmlich über eines der Bilder, wenn sie mit Tauben im Fluss badet, und unterstreichen so ihre Unschuld und Schönheit. Der Pfauenkörper der Stiefmutter hingegen erzählt wahrhaft bildlich von ihrer Eitelkeit. Das ganze erinnert an Tim Burtons Filmfiguren: düster, verschroben, etwas abseitig und allein schon daher perfekte Märchengestalten.

1. Dezember
Michail Schischkin: Venushaar
aus dem Russischen von Andreas Tretner, DVA, München 2011, 555 Seiten, 24,99 Euro

Für diejenigen, die in der Literatur nicht nach einem Plot suchen, die sich langweilen beim realistischen Gang von A nach B. Wer auf Überraschungen aus ist - sprachliche und thematische - , kann einen rasanten und wortmächtigen, einen durch und durch heutigen Autor entdecken: Zeuge unserer Zeit, mit einem Blick, der alle möglichen Grenzen (auch die des Genres) überschreitet, nüchtern und verspielt, voller Humor, zugleich auch erinnerungsbesessen, genau und belesen.


 
 

Mehr zur Sendung:

JETZT IM RADIO

Deutschlandradio Kultur

Seit 13:00 Uhr
Nachrichten
Nächste Sendung: 13:07 Uhr
Länderreport

mehr

LIVE-STREAM

Deutschlandradio Kultur

Dokumente und Debatten mehr

AUDIO ON DEMAND

Beiträge zum Nachhören

Deutschlandradio Kultur

internat. Presse : Trauer im Jemen - Entwicklung Syrien / Libanon

Sendezeit: 22.05.2012, 12:50

Duma debattiert neues Demonstrationsgesetz mit hohen Geldstrafen

Sendezeit: 22.05.2012, 12:44

Porträt Alexis Tsipras - heute in Berlin

Sendezeit: 22.05.2012, 12:41

PODCAST

Radio zum Mitnehmen

Podcast: Sendungen

Podcast: Themen

PLAYER / RECORDER

dradio-Recorder
im Beta-Test:

 

KOOPERATIONSPARTNER

ARD-Logo und Link  ZDF-Logo und Link  Phoenix-Logo und Link