Sie arbeiten von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang und dennoch ist ihr Auskommen bescheiden. Die Bergbauernfamilie Kastlunger lebt fernab von den touristischen Zentren in Südtirol und ist mit ihrem naturverbundenen Leben zufrieden.
Patrizia: "Die Belohnung ist das Leben selbst. Ich lebe friedlicher, ich habe keinen Stress. Und die Kinder leben wie im Paradies. Deswegen habe ich mich auch dafür entscheiden. Weil die Kinder haben die Möglichkeit, gut aufzuwachsen, weg von diesem ganzen Materialismus - nicht ganz, aber wenigstens alles in Grenzen halten. Das ist eine gute Belohnung, und auch das gute Leben, also gesund leben."
Steil fällt die Wiese vor dem Mezzavilla-Hof der Familie Kastlunger ab. Unten im Tal, vier-, fünfhundert Höhenmeter tiefer, mäandert ein Bach. Sein stetes Rauschen ist das einzige Geräusch, das man hier oben hört. An den grünen Hängen am anderen Ufer klebt ein Dorf, eingerahmt von schroffen Dreitausendern, auf deren Gipfeln noch Schnee liegt.
Berto: "Das ist die Gader. Und da, das ist Verschellen. Dann der Peitlerkofl, Hütlia auf Ladinisch, die Noespitze, Kreuzkofl und dann ist da links Barracchia, dann die Eiserne Gabel, Santa Crosta sagt man. Dann sind dort die Almen, Farnes und Sennes links, wo die Kühe gehen dann später."
Bartolomeo Kastlunger, ein kleiner, drahtiger Mann, schiebt den Filzhut zurecht und streicht sich über den Schnurbart. Ein schüchternes Lächeln huscht über sein Gesicht - Berto, wie alle ihn nennen, ist kein Mann vieler Worte. Er greift sich einen Holzstecken und stapft eine fast senkrechte Wiese hinauf zur Kirche, deren Turm in Licht der aufgehenden Sonne bläulich schimmert.
Berto: "Achtung mit dem Kopf."
Viel Platz ist nicht im Kirchenturm. Eine Stiege mit Handlauf führt hinauf. Auf die erste Ebene mit vier Glocken - "den Kleinen", wie Berto sie nennt - und dann auf die zweite mit der "Großen". Sie wiegt 500 Kilo, sagt Berto. Von hier oben hat man einen schönen Blick auf Plaiken, einen Ort mit sieben Häusern, eine gute Autostunde von Bozen entfernt. Berto zeigt aus dem Fenster auf ein verfallenes Gebäude mit den für Südtirol typischen Giebelverkleidungen aus Holz - dort ist er aufgewachsen. Sein Vater ist Glöckner gewesen, Messner, wie man hier sagt, von ihm hat Berto den Job übernommen. Seitdem beginnt sein Tag immer um kurz vor sechs mit dem Läuten der Gebetsglocke.
Berto': "Früher hat man mehr läuten müssen, auch Wetterläuten. Wenn es donnert oder wenn Granten kommen, muss man laufen und Wetter läuten. Diese Glocken sind extra geweiht fürs Wetter. Von Glocken wird das Wetter weg geschickt, die Wellen schieben die Wolken ein bisschen weg."
Berto löst das Seil aus der Arretierung. Zwei, drei kräftige Züge - und die Glocke setzt sich in Bewegung. Immer kräftiger zieht er am Seil, geschickt weicht er den Schwüngen des Ungetüms aus. Endlich steht die Glocke auf dem Kopf, das Pendel springt aus der Verankerung und schlägt aus.
Eine halbe Stunde später. Bertos Frau Patrizia, das dunkelblonde Kurzhaar schon ergraut, hat den Frühstückstisch gedeckt. Es gibt selbstgebackenes Brot, Marmelade und frische Milch. Noch etwas verschlafen trudeln die Kinder ein, Sohn Jonas und die Töchter Astrid und Maria. Patrizia mahnt sie zur Eile, um zehn nach sieben kommt der Schulbus.
Das Morgengebet: Dank für Essen und Trinken und die Bitte, dass jeder Mensch auf der Welt mindestens eine Scheibe Brot haben möge. Gebetet wird auf Ladinisch. Das Gadertal ist dreisprachig: Italienisch, Deutsch und eben Ladinisch, das zur Familie der rätoromanischen Sprachen gehört.
Die Dörfer im Gadertal sind so entlegen, dass in jedem zudem ein eigener Dialekt gesprochen wird. Immer noch, obwohl auch hier längst der Tourismus Einzug gehalten hat. Vom Hof der Kastlungers blickt man hinunter auf St.Vigil, den Einstieg ins Skigebiet Kronplatz.
Patrizia kommt aus Colfosco weiter hinten im Tal. Dort hat sie im Tourismus gearbeitet.
Patrizia: "Meine Eltern haben eine Frühstückspension, und ich habe jahrelang diese Pension geführt, mit meiner Schwester zusammen. Obwohl ich immer gesagt habe, das ist nicht mein Leben, das will ich nicht das ganze Leben durch machen, das ist mir wenig. Du verdienst gut Geld mit weniger Arbeit, du schaffst den halben Tag, aber das hat mir zu wenig gegeben. Weil, Tourismus hat auch Konsequenzen."
Zum Beispiel die Zerstörung der Landschaft. Die Lift-Talstation in St.Vigil sieht aus wie notgelandetes UFO, in Colfosco sind die alten Bauernhöfe längst modernen Pensionen gewichen. In Plaiken dagegen gehen die Uhren anders. Auch der Hof neben den Kastlungers wird bewirtschaftet. Touristen verirren sich selten hier her, was auch an der Durchgangsstraße liegt. Die ist einspurig und holperig - Berto kann sich noch gut erinnern, wie sie in den späten 80er Jahren erstmals asphaltiert worden ist. Ein paar Jahre hat er damals als Tischler in St.Vigil gearbeitet, aber glücklich ist er dort nicht geworden. Ein Wink des Schicksals, sagt er, dass dann der Mezzavilla-Hof zum Verkauf gestanden hat.
Die Arbeit geht weiter. Je vierzig Hühner und Truthähne haben die Kastlungers, dazu neun ausgewachsene und sechs Jungkühe, vier Kälber, drei Schweine und zwei Ziegen. Die Tiere wollen versorgt sein. Ausmisten und Füttern - das erledigt Berto. Patrizia melkt derweil die Kühe - maschinell. Die Milch läuft in eine Kühlanlage, wo ihre Temperatur auf sieben Grad abgesenkt wird. Punkt neun Uhr wird sie von der Molkerei abgeholt.
Je zwei Stunden Stallarbeit morgens und abends, tagein, tagaus - an Familienurlaub oder gemeinsames Ausgehen ist nicht zu denken. Letzten Sommer hat Patrizia sich eine Woche an der Riviera gegönnt - mit den Kindern, aber ohne Berto. Und bei der Familienfeier in Colfosco vor ein paar Wochen sind sie schon vor dem Abendessen aufgebrochen.
Berto: "Das ist immer gleich. Das ist schon gut, denn man ist es so gewohnt."
Patrizia: "Es ist nicht einfach, aber ich laufe ja nicht weg vor Schwierigkeiten. Das macht das Leben doch schön, denn wenn du alles auf dem Teller serviert bekommst, wirst du irgendwann stuff."
Patrizia täschelt den Rücken einer fast zwei Meter hohen braunen Kuh. Milka ist die älteste im Stall, und ihre Tage sind gezählt.
Patrizia: "Wir haben gedacht, die ist geschwängert, aber da hat wohl was nicht gepasst. Die ist elf Jahre alt, und das heißt auch, dass sie, wenn sie älter werden, nicht mehr aufnehmen. Jetzt haben wir sie seit zwei Monaten trocken gestellt, sie gibt keine Milch mehr. Und jetzt kann man eine Kuh nicht ein Jahr lang ohne dass sie Milch gibt im Stall halten. Jetzt wird sie weggegeben, zum Metzger, und da wird Wurst draus gemacht. Eine Kuh muss ihr Futter verdienen, das gehört zum Bauernhof. Jedes Tier kommt und geht, das wissen auch unsere Kinder. Wenn wir ein Stück Fleisch essen, dann sagen sie, das ist der Truthahn, das Schwein, die Kuh oder das Kalb."
Berto wirft den Traktor an - den Rest des Vormittags will er im Wald arbeiten. Der Weg führt vorbei am Acker, auf dem die Kastlungers Kartoffeln, Getreide und Gemüse anbauen. Im alten Messnerhaus räuchern sie ihren Speck. Damit sind wir Selbstversorger, erläutert Berto, nur Brot, Nudeln und manchmal etwas Wurst müssen wir kaufen.
Er passiert einen Weiler, der sich unterhalb der Straße an den Hang schmiegt. Drei, vier, fünf Häuser - das ist Alnei, der Heimatort von Bertos Vater. Bis vor ein paar Jahren hat einer der Bauern dort unten nebenbei ein Sägewerk betrieben. Das ist praktisch gewesen, auf dem Rückweg aus dem Wald hat Berto sein Bauholz gleich dort abgeliefert.
Berto: "Früher waren hier viele Sägewerke. In St.Vigil war eins, und hinter St.Vigil noch zwei, nein drei. In Enneberg waren auch zwei - zwei Bauern, die geschnitten haben, um etwas zu verdienen. Aber da ist auch kein Holz importiert worden, es gab viel Handel und das Holz hat auch einen Wert gehabt. Aber jetzt mit dem Transport aus anderen Ländern, mussten die kleinen Sägewerke alle aufhören."
Immer steiler geht es hinauf. Das Land rechts und links der Straße gehört den Kastlungers. Acht Hektar Wald, eine Wiese und Weide - vom Hof, der auf 1200 Höhenmetern liegt, weitere 200, 300 Meter den Hang hoch. Gemäht wird von Hand, für Maschinen ist es hier zu steil. Und die Weide ist von Rinnsalen durchzogen. - ein zwei Wochen noch, schätzt Berto, dann ist sie abgegrast.
Wie alle Bergbauern erhalten auch die Kastlungers Subventionen nach der Südtiroler Landeshöfekartei. Wie viel, das hängt von Höhen- und Steillage ab und der Entfernung zum nächsten Dorf. Die Zuschüsse sind eine gute Sache, findet Berto. Für den Mezzavilla-Hof, den es sonst wohl nicht mehr gäbe. Und für Südtirol und seine 5000 Bergbauernhöfe, auch wenn die meisten Bauern ihre Höfe nur nebenbei betreiben und viele leben von der Hand in den Mund leben.
Am Rande eines Tannenwaldes hält Berto an. Er packt Kettensäge, Axt und Hacke aus und kraxelt den Hang hinauf. Gestern hat er ein paar Bäume markiert, nun will er sie fällen. Ein prüfender Blick auf einen zwanzig Meter hohen Baum - dann schlägt er den Stamm auf der Talseite an.
Berto: "Der kann sich biegen zu der Seite, wo man zuerst rein schneidet. Wenn man will, dass der Baum geht, muss man vorne schneiden und dann hinten die gleiche Richtung nehmen."
Berto steht im Ausfallschritt am Hang, der Boden ist moosbedeckt. Er geht in die Knie und setzt die Säge an.
Der Baum bewegt sich - allerdings zur Seite. Berto stellt die Säge ab und schlägt auf der Hangseite einen Keil in den Stamm.
Berto: "Wenn sich einer richtig biegt, braucht man keinen Keil, aber wenn er sich anders biegt, muss man einen Keil rein schlagen."
Baum für Baum fällt. Dann schlägt Berto die Äste ab. Die besten Stämme sägt er auf vier Meter Länge und zieht sie mit der Hacke in die Mitte des Hanges - das ist Bauholz. Dünnere oder vermoderte Stämme kommen nach rechts, Äste und Reisig nach links - beides nutzt er als Brennholz. Siebzig Euro bekommt Berto für den Kubikmeter Bauholz. Viel zu wenig, findet er, das Doppelte wäre angemessen. Deshalb fällt er nur noch Bäume für den Eigenbedarf, zum Heizen oder für Anbauten am Stall.
Berto packt Säge, Axt und Hacke zusammen und steigt ab. Von der Straße blickt er noch einmal hinauf.
Berto: "Das sind zwei Kubikmeter. Oder kann man sagen drei."
Nicht viel, und die Arbeit ist längst noch nicht erledigt. Das Holz muss mit der Hacke den Hang hinunter gezogen und verladen werden. Allein ist das nicht zu schaffen. Früher haben die Nachbarn mit Hand angelegt - ein Geschäft auf Gegenseitigkeit. Aber früher sind auch fast alle Nachbarn Bauern gewesen. Heute vermittelt die Bergbauernhilfe, ein gemeinnütziger Verein, freiwillige Arbeiter. Besonders für die Waldarbeit und fürs Heu machen im Sommer wird jede Hand gebraucht.
Nachmittags in der Küche. Berto baut einen Zaun fürs Truthahngehege, später will er die Wiese unterhalb des Stalls mähen. Patrizia wäscht ab, während auf dem Herd ein großer Topf mit Milch köchelt. Am Wochenende kommt Gisela aus Frankfurt, zum sechsten oder siebten Mal, eine Helferin, aus der längst eine Freundin geworden ist. Anfangs ist Berto strikt gegen Helfer gewesen, erzählt Patrizia. Das ist typisch für die Bauern hier: Fremde auf dem Hof sind für viele ein Graus.
Patrizia: "Die Helfer sind nicht wegzudenken, wir haben so zehn Stück. Die machen viel Arbeit, und, was schön ist: Es kommt Lebens ins Haus. Weil jeder Helfer seine eigenen Geschichte hat, er lebt anders und man teilt da was. Wir haben die Tür aufgemacht, und es ist einfach schön, sonst wäre es mir viel zu fad hier. Ohne diese Helfer würde ich es hier, glaube ich, gar nicht aushalten."
Patrizia hat viel von der Welt gesehen, damals, als sie noch die Pension ihrer Eltern in Colfosco geleitet hat. Frankreich, Spanien, Portugal, einmal quer durch Indien ist sie gereist und durch Marokko. Berto dagegen ist nie groß aus Plaiken heraus gekommen. Ein ungleiches Paar.
Patrizia: "Ich habe Berto einfach im richtigen Moment kennengelernt, als ich ein Familiengefühl gespürt habe. Wir haben uns in der Jugendgruppe kennengelernt, also die Jugend vom ganzen Tal trifft sich hin und wieder - so haben wir uns kennengelernt und dann innerhalb eines Jahres geheiratet. Mein Mann war 48, aber der Berto ist ein origineller Typ, der sagt, bis er verheiratet ist, das war damals so der Brauch, gehört er zur Jugend, da kannst du sechzig oder siebzig sein. Er ist noch ein bisschen von dieser Generation. Ich bin ja dreizehn Jahre jünger als mein Mann, ich passte noch rein. Aufgefallen ist er mir durch seine Entscheidungen, und er war schon anders als die anderen Jugendlichen."
Das Leben auf dem Mezzavilla-Hof hat seinen Preis. Berto arbeitet von halb sechs in der Früh bis abends um acht, manchmal noch länger, Patrizia auch. Viel Geld kommt nicht herein. Die Milchpreise in Südtirol sind mit vierzig Cent pro Liter zwar höher als in Deutschland, im Monat summieren sich die Einnahmen der Kastlungers aus der Milchwirtschaft aber nur auf 800 Euro. Hinzu kommt der Verkauf von Vieh, mal ein Kalb, mal ein Truthahn - das macht im Schnitt weitere vier bis 500 Euro. 1200 Euro brutto im Monat für eine fünfköpfige Familie - nach gängiger Definition gilt man damit als arm.
Patrizia: "Ich fühle mich nicht arm, weil wir fast alles, was wir brauchen, selber erzeugen, da brauchen wir wenig einkaufen. Wir haben eigenes Getreide, Milch und Speck, Fleisch, den ganzen Käse und viel Gemüse - wir haben alles, was wir brauchen. Und wir haben alles für nix, und kostet das nicht viel, und wir haben gute Sachen. Man muss nicht das ganze Jahr das gleiche haben, man muss nicht das ganze Jahr Zucchini haben. Wenn sie da sind, sind sie eben das, und wenn nicht, dann nicht. Genau, wie das andere Gemüse."
Patrizia taucht ein Thermometer in den Milchtopf auf dem Herd - 39 Grad. Sie nimmt den Topf vom Herd und fügt Lab hinzu, ein Enzym. Dadurch gerinnt die Milch zu einer fester Masse.
Patrizia: "Und die Masse wird je dreimal nach fünf Minuten aufgeschnitten, immer kleinere Stücke. Und dann löst sich die Molke von der Masse. Und aus der Masse machst Du Käse."
Seit ein paar Jahren produzieren die Kastlungers ihren Käse selbst. Halbfesten, von der Kuh oder der Ziege, pur oder mit Pfeffer oder Knoblauch. Das Know How hat Patrizia sich in Kursen angeeignet. Von Anfang an mit der Idee, daraus eine zusätzliche Einnahmequelle zu machen.
Patrizia: "Was nicht stimmt, ist nicht der Milchpreis, was nicht stimmt, sind die Maschinenpreise. Weil, wenn die Maschinen nicht so teuer wären, dann wären auch 40 Cent genug Wir haben letztes Jahr eine Mähmaschine gekauft, die hat 13.000 Euro gekostet. Bis man 13.000 Euro von der Milch bekommt ... das können wir unser Leben nicht amortisieren."
Der dritte Aufschnitt ist gemacht. Patrizia füllt die Laibchen in Container, die sie wiederum in einen Topf hängt - so kann die Molke abtropfen. Ein Glück, findet sie, dass die Kastlungers anders als die meisten Bauern in Südtirol nie auf reine Milchwirtschaft gesetzt haben. Unter zwanzig, dreißig Kühen lohnt sich das sowieso nicht, aber ein solch großer Viehbestand erfordert mehr und bessere Maschinen - ein Teufelskreis.
Patrizia hebt die Laibchen aus dem Container, salzt sie und bringt sie in den Keller. Zum Reifen - je nach Käse zwischen zwei Wochen und drei Monaten.
Unten lagern dreißig, vierzig Käsestücke, in einem rundum mit Fliegengitter bespannten Käfig. Patrizia kontrolliert Temperatur und Luftfeuchtigkeit: Zwölf Grad bei achtzig Prozent - das ist optimal. Dann wendet sie die Laibchen und wäscht jedes einzelne mit Salzwasser ab.
Patrizia: "Zwei bis einmal in der Woche, sonst wird der schimmelig."
Der Keller ist ein Provisorium, erklärt Patrizia. Letzten Winter haben die Kastlungers neben dem Stall eine Käserei gebaut. Ein paar Geräte fehlen noch, aber spätestens in einem Monat will Patrizia ihren Käse dort produzieren. Alles ein bisschen geräumiger und professioneller. Verkaufen will sie ihn zunächst auf dem Bauernmarkt, der einmal die Woche in Bruneck stattfindet. Und wenn die Leute sie und ihren Käse erst einmal kennen und schätzen, werden sie auf den Mezzavilla-Hof kommen und direkt bei ihr kaufen.
Patrizia: "Dann geben wir die Milch nicht mehr ab, wir verwerten sie ganz. Wenn wir die Milch nicht mehr verkaufen, dann können wir dreimal so viel verdienen. Du hast auch mehr Arbeit, aber du bis ja auch stolz, dass es gelingt, dass es gut ist. Das ist mein Produkt von A bis Z. Da gibt's keinen dritte oder vierte Partei, die das vermarktet, und dann kannst du das Geld sicher selber behalten."
Halb neun Uhr abends auf dem Mezzavilla-Hof. Die Kastlungers haben gemeinsam gebetet und gegessen und anschließend das Vieh versorgt. Nun spielt Jonas Ziehharmonika. Patrizia und die beiden Mädchen, Astrid und Maria, schunkeln im Takt. Um neun müssen die Kinder ins Bett, dann ist auch für Patrizia Feierabend. Nur Berto ist noch mal draußen.
Die Arbeit am Truthahngehege hat länger gedauert, das Mähen hat er vor dem Abendessen nicht mehr geschafft, also holt er das jetzt nach. Zwei Kiepen randvoll mit frischem Gras hat er schon in den Stall getragen. Das sollte reichen fürs Füttern des Viehs morgen früh. Aber so lange es noch halbwegs hell ist, will er weiter machen.
Berto: "Bene, manchmal tu ich am Sonntag ein bisschen liegen, wenn frei ist, aber manchmal ist am Sonntag doch mehr Arbeit. Stall, Messe und vielleicht mit den anderen im Gasthaus ein bisschen reden. Dann kommt man zum Essen, und nachmittags ist wieder Vesper, dann muss man das Futter bereiten. Aber am Sonntag lege ich mich schon hin und schlafe, eine Stunde, das schon."
Berto holt aus, und die Sense saust durchs Gras. Die Gader unten im Tal ist jetzt nur noch zu hören, in Verschellen auf dem Hang gegenüber sind längst die Lichter angegangen. Und hinten am Horizont leuchten die Berge, Peitlerkof, Noespitze, Kreuzkofl und wie sie alle heißen, im Rot der untergehenden Sonne.
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