Vor zehn Jahren gründete das Bildungsministerium gemeinsam mit der Telekom den Verein "Schulen ans Netz". Damals hatten gerade mal 800 Schulen einen Zugang zum Internet. Mittlerweile sind zwar so gut wie alle deutschen Schulen am Netz. Aber oft mangelt es an gut ausgebildetem Personal.
Pause vorbei, ab in den Computerraum. Hier lernen die Neuntklässler der Hugo-Gaudig-Schule momentan im Informatik-Unterricht, wie man einen kleinen Roboter programmiert. Aber zuerst einmal müssen sie sich den zusammenbauen - aus bunten, unterschiedlich großen Lego-Steinen. Michelle, Efkan und Fabian arbeiten in einer Gruppe zusammen.
"Man baut immer Stück für Stück, erst die Räder, dann den Körper, also das Mittelteil, und dann noch den Kopf, Berührungssensoren… Der Plan ist den Roboter zu programmieren, dass er vorwärts, rückwärts, oder rechts links fährt - oder auch tanzt, oder Geräusche von sich gibt."
Nach etwa 20 Minuten Bauzeit ist Roverbot fertig. Roverbot - so heißt das Roboter-Modell, das sich die drei 15-Jährigen ausgesucht haben. Die Lehrerin Anja Tempelhoff erklärt, was nun zu tun ist.
"So, ihr bekommt erstmal den Tower und steckt ihn hinten in die USB-Schnittstelle in euer Notebook, das könnt ihr jetzt gleich schon mal machen."
Anja Tempelhoff projiziert die Bildschirmoberfläche an die Klassenzimmerwand. So kann sie den Schülern am besten zeigen, was zu tun und wo zu klicken ist. Bevor es mit dem Programmieren losgehen kann, müssen allerdings erst mal einige Hürden übersprungen werden.
"Da kommt jetzt erst mal Lego-Werbung, das könnt ihr überspringen, dann könnt ihr nen Benutzer angeben, dann kommt noch mal Werbung, was man alles mit Robotern machen kann, das interessiert uns aber nicht…"
"Warum?"
"Weil uns das langweilt."
"Iss gar nicht langweilig!"
Nach ein paar Minuten sind dann aber alle angemeldet. Auch Michelle, Efkan und Fabian. Ihr gemeinsamer Benutzername: BIG BRAIN TRIO.
"Es hat den Vorteil, dass es ein Medium ist, was Schüler unheimlich fasziniert, Sie können wirklich sehr konzentriert mit den Schülern arbeiten. Es gibt Software, mit der Sie sehr spielerisch Unterrichtsthemen erarbeiten können, die Schüler haben sehr viel Erfahrung auch in der Internet-Recherche von zu Hause, und sie haben einfach eine hohe Motivation durch diesen Medien-Einsatz."
E-Learning eignet sich nicht nur für den Informatikunterricht. In Biologie gibt es zum Beispiel Reisen durch den menschlichen Körper per Mausklick. In Physik können Schüler auch mal virtuell in einen Motor hineinschauen - so verstehen sie die Funktionsweise gleich viel besser. Und Englisch- oder Französisch-Vokabeln lernt manch einer auch lieber mit Hilfe eines Computerprogramms, das auf die persönliche Lerngeschwindigkeit eingestellt ist. E-Learning ermöglicht es den Lehrern also auch, Schüler individueller zu fördern. Aber: das elektronische Lernen kostet. Vor allem finanzschwache Bundesländer können es sich oft nicht leisten, Schulen hinreichend mit moderner Hard- und Software zu versorgen. Deshalb sponsern immer öfter Großkonzerne die nötige Infrastruktur, weiß Michael Härtel vom Bundesinstitut für berufliche Bildung.
"Diese Unternehmen versprechen sich davon natürlich einen Image-Gewinn, nach dem Motto: die Kinder von heute in den Schulen sind unsere Kunden von morgen. Andererseits muss man sagen, dass die Zeiten nun mal vorbei sind, in denen Bildung relativ entblößt von wirtschaftlichen Zwängen gehandelt wurde. Weil Bildung heutzutage, wenn man auch diese Technologie-Seite nutzen will - und die muss man nutzen - kostet viel Geld, die der Staat, die Kommunen, die Schulen nicht zur Verfügung haben."
Horrende Ausgaben für moderne Hard- und Software, teure Lehrerfortbildungen - warum ist E-Learning eigentlich so unverzichtbar.
"Sie können in Ausbildungsbetriebe schauen, Sie müssen heute einfach grundlegendes Wissen von IT-Strukturen haben, selbständig Problemlösungen erarbeiten, und das muss in der Schule beginnen, dass Schüler souverän mit diesen Medien umgehen können."
Schüler - und vor allem auch Lehrer. Geschultes Personal ist das A und O. Wissen die Pädagogen nicht sinnvoll mit den neuen Medien umzugehen, wird das elektronische Lernen oft zum Desaster. Manche Lehrer haben aber schlichtweg kein Interesse, sich mit E-Learning auseinanderzusetzen. Anja Tempelhoff:
"Wir haben im Kollegium ein Durchschnittsalter von 52, da ist natürlich die Hemmschwelle, neue Medien einzusetzen, sehr groß. Das ist eben auch ein komplett anderes Arbeiten, ob ich die Schüler wirklich vorm Notebook sitzen habe, oder ob ich als Lehrer was an der Tafel präsentiere, ein Unterrichtsgespräch führe, das ist ein ganz anderes Arbeiten."
Michelle, Efkan und Fabian starren auf Roverbot. Er soll jetzt das tun, was sie ihm heute per Mausklick befohlen haben: Er soll sich schütteln, fünf Sekunden vor, drei zurück, und mit den Augen zwinkern. Los geht's.
Roverbot zwinkert - Lernziel erreicht. Michelle, Efkan und Fabian sind begeistert. Sie freuen sich schon auf die nächste Stunde im Computerraum.
"Ich finde, man lernt einfach viel besser, weil's einfach Spaß macht."
"Es macht Spaß und ist gut für die Zukunft, da können wir schon vorarbeiten und brauchen nicht noch extra Schulungen machen."
"Man kriegt mehr Erfahrung mit der Elektronik, und weil der Computer unsere Zukunft ist - deshalb!"
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