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07.11.2007
Matthias Wüllenweber bei der Präsentation von "Ludwig" (Bild: ChessBase) Matthias Wüllenweber bei der Präsentation von "Ludwig" (Bild: ChessBase)

Beethoven für Jedermann

Komponieren am Computer

Von Marko Pauli

Matthias Wüllenweber wurde durch ein Schachprogramm bekannt. "Fritz" schlug sogar den Weltmeister Vladimir Kramnik. Nun hat der Softwaretüftler ein neues Programm vorgelegt: Mit "Ludwig" kann man am Computer komponieren und arrangieren.

Beethoven komponierte dieses Stück wahrscheinlich für eine von ihm verehrte Dame, die seine Liebe nicht erwiderte. Das Stück gehört sicher zu den bekanntesten und beliebtesten Werken bei Klavierschülern. Mit etwas Übung kommt schon der Anfänger zu schnellem Erfolg.

Hilfreich hierbei kann die nach Beethoven benannte Software "Ludwig" sein. Das Programm komponiert, arrangiert und musiziert auf Knopfdruck. Und so funktioniert es: Zunächst kann man die Stilrichtung des Songs vorgeben - zum Liebeslied passend wählt man vielleicht die Pop-Ballade. Für die Melodie stehen englische Begriffe zur Auswahl. Happy oder funny scheiden für ein tragisches Liebeslied schon mal aus ... losing klingt gut!

In einer langen Liste sucht man schließlich ein Substantiv, das die Akkordverbindung bestimmt. Wir wählen das Wort "Kisses" und klicken auf Okay. Ein Partiturblatt mit Noten für verschiedene Instrumente erscheint auf dem Bildschirm. Oben steht schon der Songtitel: "Losing Kisses".

Nach ein paar Sekunden Rechenzeit legt "Ludwig" los: Diese verlorenen Küsse schmecken ein bisschen nach TV-Vorabendserie. Matthias Wüllenweber, Physiker, Entwickler von Fritz, dem erfolgreichen Schachcomputerprogramm und nun Erfinder von "Ludwig", ist selbst immer wieder überrascht von den Kompositionen:

"Also, das Programm kann ja viele Hunderttausende, eigentlich theoretisch Millionen von verschiedenen Lösungen anbieten, erstmal muss man hinnehmen, dass nicht jede dieser Lösungen ein perfekter, Chart reifer Song ist. Aber in dieser riesigen Zahl von Variationen gibt es sehr Spannendes und Schönes zu entdecken."

Ein weiterer Versuch beweist es: Stil: "Rock-Hymne" und ein paar neue Begriffe, schon präsentiert sich der Song "Leaving Mars". Der klingt schon spannender: Vom Schachprogramm Fritz zur Kompositionssoftware "Ludwig" - der Schritt war gar nicht so weit:

"Das melodische Komponieren funktioniert so ähnlich wie ein Schachprogramm Varianten berechnet, um den besten Zug in einer Stellung zu finden. 'Ludwig' geht auch so vor, dass er eine Art Variantenbaum von Melodien berechnet.
Und wenn die Melodieabschnitte lang genug sind, dass man sagt, jetzt ist ein Ende erreicht - bei 'Ludwig' sind es typischerweise vier Takte - dann bewertet man die Lösungen. Und da steckt die musikalische Sache drin, dass 'Ludwig' die berechneten Melodien nach Prinzipien von melodischer Schönheit bewertet und sagt, das ist die beste Lösung, die biete ich dem Nutzer an."


Schachzüge können natürlich viel objektiver bewertet werden als Tonfolgen in der Musik. Dennoch klingt bei "Ludwig" nichts völlig schräg. Die Software, die in den vergangenen drei Jahren entstand, besteht aus 400.000 Zeilen Wissen über Komposition, Arrangement und das Spielen von Musik. Neben dem Arrangeur Jan-Peter Klöpfel halfen diverse musiktheoretische Standardwerke. Als besonders gewinnbringend erwiesen sich dabei alte Klassiker, wie zum Beispiel die 1902 erschienene Harmonielehre von Hugo Riemann:

"Vielleicht auch, weil Komposition einen anderen Rang hatte vor 100 Jahren als heute, es gibt viel Gebrauchsmusik und Songwriting, aber es gibt vielleicht nicht mehr in dem Sinne diesen Typus des genialen Komponisten, den es früher gab."

Nachdem "Fritz" den Weltmeister Vladimir Kramnik in der Bonner Kunsthalle schlagen konnte, betrat sein Erfinder Matthias Wüllenweber die Bühne und präsentierte die erste "Ludwig"-Version. Er startete einen Song und begleitete ihn selbst mit der Querflöte.

Und das ist auch die eigentliche Hauptfunktion von "Ludwig": Eine neuartige Begleitung und Übungshilfe für den Musikschüler. Das wird sofort ausprobiert: Ich wähle als zu übendes Instrument die Rhythmusgitarre, als zu lernenden Song das schon für interessant befundene "Leaving Mars", hänge mir meine Gitarre um und los geht's.

Die Gitarre von "Ludwig" ist stumm geschaltet, nur meine ist zu hören. In einem Bildschirmfenster wird angezeigt, wie ich die Akkorde zu greifen habe und durch einen mitlaufenden Balken sehe ich, an welcher Stelle im Song ich mich gerade befinde.

"Leider ist es ja so, dass viele Kinder keine Lust haben zu üben, dass es einen ständigen Kampf gibt mit den Eltern, die halt viel Geld ausgeben für den Unterricht, für die Instrumente und alles.
Und da ist es ganz klasse, wenn es manchmal eine Abwechslung gibt.
Wenn man sagt, na gut, du hast jetzt keine Lust, dieses Menuett zu üben, kuck mal, wir probieren mal was ganz anderes: Geh mal mit deiner Altblockflöte in eine Rockband. Siehste mal, da kann dieses Instrument auch Spaß machen und dann hast du auch wieder Lust, die anderen Sachen zu üben, dann bleiben die Kinder dabei."


 
 

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