Zum Inhalt
Zur Deutschlandradio Kultur-Startseite
 
nach oben
12.07.2011
Der ungarische Schriftsteller György Dalos (Bild: Doris Poklekowski) Der ungarische Schriftsteller György Dalos (Bild: Doris Poklekowski)

"Höchste mögliche Kontrolle über die Medien"

Der Schriftsteller György Dalos sieht durch das neue ungarische Mediengesetz das liberale Lager bedroht

Seit dem 1. Juli macht Ungarn ernst und setzt das international umstrittene Mediengesetz um: Das Redaktionsgeheimnis fällt weg, nahezu 1.000 Medien-Mitarbeiter sollen bereits entlassen worden sein. Für György Dalos sind die dafür angegebenen Gründe nicht glaubhaft.

"Das ist eine Art, ich würde sagen, Abschlussakt des Kampfes um die Medien. Jetzt kann man schon sagen, dass die Orban-Regierung, zumindest in diesem Augenblick die höchste mögliche Kontrolle über die Medien hat", sagte Dalos am Dienstag im Deutschlandradio Kultur.

Von den Massen-Entlassungen sei vor allem das "liberale Milieu" betroffen. Die Schockwirkung sei so groß, dass man zuletzt zwei Ärzte in die ungarische Rundfunkanstalt bestellt habe, um den von den Entlassungen betroffenen Mitarbeitern beizustehen.

Es sei nicht richtig, dass Ungarn kein Geld habe und daher in diesem Umfang rationalisieren müsse, sagte Dalos weiter. Auch, dass man die Sendeanstalten verjüngen wolle, sei nicht richtig, denn es würden auch junge Redakteure entlassen. Falsch sei es ebenfalls, wenn die Orban-Regierung beteuere, die Entlassungen, seien nicht rassistisch, denn es würden auch Rundfunk-Programme für Roma eingestellt und die dafür verantwortlichen Mitarbeiter entlassen.

"Ich war Anfang des Monats Juli in Budapest, anlässlich der Vorstellung meines neuen Buches über Michail Gorbatschow. Man hat mit mir drei Interviews gemacht, und alle diese Interviewer sind entlassen. Diese Entlassungen werden selbstverständlich nicht politisch begründet."

Betroffen sei nicht nur der öffentliche Rundfunk, sondern auch der private Rundfunk. So habe der einzige private Sender, der sich regelmäßig gegen die Regierung gewandt habe, bei der Vergabe neuer Sendelizenzen keine Lizenz mehr erhalten.

Dalos glaubt allerdings nicht, dass die Regierung Orban ihre bei den letzten Wahlen errungene Zwei-Drittel-Mehrheit mit Hilfe der Medienpolitik lange verteidigen kann. Die zwei Drittel der abgegebenen Stimmen entsprächen nur einem Drittel der Bevölkerung, weil die Wahlbeteiligung niedrig gewesen sei. Da die Regierung ihre sozialen Versprechen nicht einhalten könne, sei die Unzufriedenheit in der Bevölkerung groß.


Links auf dradio.de:

Hintergrund vom 18.4.2011: Ungarn über alles - Der Verfassungsstreit und die nationalkonservative Wende des Viktor Orbán

Thema vom 18.4.2011: "Das ist keine neutrale Ideologie" - Verfassungsrechtler über die neue Verfassung Ungarns

"Aktuell" vom 18.4.2011: Mit Schwur auf Gott, Krone und Vaterland - Ungarn beschließt umstrittene Verfassung

"Aktuell" vom 19.1.2011: Barroso will Änderungen im ungarischen Mediengesetz - EU-Kommissionspräsident kündigt zeitnahe Detailprüfung an


 
 

JETZT IM RADIO

Deutschlandradio Kultur

Seit 12:07 Uhr
Ortszeit
Nächste Sendung: 13:00 Uhr
Nachrichten

mehr

LIVE-STREAM

Deutschlandradio Kultur

Dokumente und Debatten mehr

AUDIO ON DEMAND

Beiträge zum Nachhören

Fazit

Kulturpresseschau - Aus den Feuilletons

Sendezeit: 18.06.2013, 23:52

Jules Massenets "Cléopâtre" wird in der Kulturhauptstadt Marseille aufgeführt

Sendezeit: 18.06.2013, 23:44

Andrei Marga hat das Rumänische Kulturinstitut nach nur neun Monaten verlassen

Sendezeit: 18.06.2013, 23:34

PODCAST

Radio zum Mitnehmen

Podcast: Sendungen

Podcast: Themen

PLAYER / RECORDER

dradio-Recorder
im Beta-Test:

 

KOOPERATIONSPARTNER

ARD-Logo und Link  ZDF-Logo und Link  Phoenix-Logo und Link