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19.09.2012
Gewinne werden privatisiert und Verluste sozialisiert, kritisiert Ingo Schulze. (Bild: picture alliance / dpa /Karlheinz Schindler) Gewinne werden privatisiert und Verluste sozialisiert, kritisiert Ingo Schulze. (Bild: picture alliance / dpa /Karlheinz Schindler)

"Wir müssen aufwachen"

Schriftsteller Ingo Schulze über die soziale Polarisierung in Deutschland

Moderation: Vladimir Balzer

Die Kluft zwischen Arm und Reich wird in Deutschland immer größer. Das Auseinanderfallen der Gesellschaft, wie es der Armutsbericht widerspiegelt, sei "drastisch", macht Schriftsteller Ingo Schulze deutlich. Die eine Seite werde immer begünstigt, bei der anderen immer weggenommen.

Vladimir Balzer: Ingo Schulze, Sie beklagen ja jetzt schon eine ganze Weile, jetzt nicht nur mit diesem Armutsbericht, der uns vorliegt, sondern schon eine ganze Weile - eine starke Spaltung zwischen Arm und Reich. Kann man das konkret sagen, wer oder was eigentlich schuld ist an dieser Spaltung.

Ingo Schulze: Es ist eine Gesetzgebung würde ich sagen, das liegt ja in unseren Händen, das zu gestalten und wenn man beispielsweise die Unternehmenssteuer in den letzten 15 Jahren regelrecht halbiert, wenn man die Erbschaftssteuer in bestimmten Punkten nachlässt, die Abgeltungssteuer, also das, was man als Steuer zahlen muss, wenn man mit Geld Geld verdient.

Da gebe es eine ganze Menge, das ist das eine, und natürlich sind es auch die Löhne, das ist ja vergleichsweise in Deutschland die Tarifabschlüsse, was man dann immer so Tarifzurückhaltung nennt, ist letztlich ein Lohndumping, eine Auswirkung sieht man dann ja auch europaweit, was das zur Folge hat. Also das sind sehr benennbare Gründe, weshalb es so eine Umverteilung gibt.

Ich war jetzt nur bei diesem Bericht sehr erstaunt, ich dachte immer so circa zehn Prozent der reichsten Haushalte würde 40 - 45 Prozent des Nettovermögens gehören, aber es sind ja 53. Und was mich eigentlich so schockiert hat, ist, dass die sogenannte ärmere Hälfte der deutschen Haushalte, dass die über ein Prozent des, oder gut ein Prozent des Nettovermögens verfügen, also dass es so drastisch ist, das habe ich mir auch nicht vorstellen können.

Balzer: Gibt es denn konkrete Möglichkeiten das auszugleichen? Die Situation aus Ihrer Sicht zu verbessern. Mit Mindestlohn, mit Reichensteuer, mit Finanzmarktsteuer, Stärkung der Sozialkassen, - kann man das mit ganz konkreten Schritten verändern, verbessern, die Situation?

Schulze: Ja, natürlich. Sie haben das ja jetzt aufgezählt, wissen Sie ich bin Schriftsteller, ich kann es nicht im Detail sagen, aber man muss kein Experte sein, dass man merkt, die eine Seite wird immer begünstigt und bei der anderen wird weggenommen. Und, was eben auch interessant ist, dass die Gewinne privatisiert werden und die Verluste werden sozialisiert.

(…)

Das vollständige Gespräch mit Ingo Schulze können Sie mindestens bis zum 18.02.2013 als MP3-Audio in unserem Audio-on-Demand-Player nachhören.

Links bei dradio.de:
"Es soll schon so eine Art von Fortsetzung von 'Neue Leben' sein"
Woran der Schriftsteller Ingo Schulze gerade arbeitet


 
 

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