Muss ja nicht immer echt sein: Auch Puppen passen auf eine Theaterbühne. (Bild: Stock.XCHNG / Daniel Wildman)
Es war eine ungewöhnliche Premiere am Münchner Residenztheater: Erstmals inszenierte die Handspring Puppet Company aus Kapstadt an einer deutschen Bühne ein Stück - mit Puppen und Schauspielern. Wer steckt eigentlich hinter dem Ensemble? Ein Porträt.
Sie atmen. Man sieht es - auch wenn es offensichtlich ein Akkordeon ist, das die Geräusche macht. Sie bewegen sich schwer oder grazil, sie hüpfen, springen, galoppieren: Die Puppen der südafrikanischen Handspring Puppet Company sind meist lebensgroß. Und obwohl sie aus Holz, Stoff und Metall gefertigt sind, und ganz offensichtlich mechanisch bewegt werden, übersieht man schnell die Puppenspieler, die die Körper im wahrsten Sinne des Wortes lebendig werden lassen.
Los ging es ganz klassisch mit Puppentheater, vor 30 Jahren war das. Später wurden immer öfter aus den Menschen Tiere. Die Handspring Puppet Company steht für ungewöhnliche Stoffe, für Grenzgänge zum Schauspiel und hat mit Produktionen wie "Woyzeck", entstanden mit William Kentridge, im Bereich des Puppenspiels Maßstäbe gesetzt. Man konnte sie auf der Documenta erleben oder im Berliner HAU mit einem afrikanischen Faust - und natürlich mehrfach bei der Verleihung der amerikanischen Tony-Awards.
"Puppets always have to try to be alive..."
... fasst Adrian Kohler von der Handspring Puppet Company den Anspruch der Truppe zusammen. Die Puppen müssen lebendig wirken.
Faszinierend gelingt das mit den lebensgroßen Pferdefiguren in "War Horse", mit dem die Company 2007 weltweite Erfolge feierte. In Deutschland ist die Geschichte um den Farmerssohn Albert und sein Pferd Joey, das an die Armee verkauft wird, unter dem Titel "Gefährten" zu sehen. Auch wenn die Handlung rührselig daherkommt - die Faszination für die lebensgroßen, sich täuschend echt bewegenden Pferde-Figuren die aus einem kunstvollem Geflecht von Bambus, Leder und Metall bestehen, teilt fast jeder, der das Stück gesehen hat.
Jetzt also "Stiller", inszeniert für das Münchner Residenztheater. Der Mann, der am Schweizer Zoll festgenommen wird, weil man ihn für Anatol Ludwig Stiller hält. Jener verschollen geglaubten Bildhauer, der sich als jemand anderes ausgibt. Eine schöne Vorlage für das Spiel mit Identitäten, mit den verschiedenen Möglichkeiten des Seins und mit "künstlichen" und echten Menschen - also Puppen und Schauspielern.