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13.06.2013 · 19:07 Uhr
Nicht echt: In sechs Bundesländern wurden Bilder sichergestellt. (Bild: picture alliance / dpa / Fredrik Von Erichsen) Nicht echt: In sechs Bundesländern wurden Bilder sichergestellt. (Bild: picture alliance / dpa / Fredrik Von Erichsen)

"Die Kunstwelt hat nichts gelernt"

Stefan Koldehoff über neue Gemäldefälschungen

Ein neuer Kunstskandal macht Schlagzeilen: Das BKA hat einen Fälscherring hochgehen lassen, der Maler der russischen Avantgarde kopierte. Mehr als 400 Gemälde kamen in Umlauf. Der Fachjournalist Stefan Koldehoff meint: Die Ereignisse der letzten Jahre hätten offenbar nichts bewirkt.

Mehr als 28 Galerien, Wohnungen und Geschäftsräume in Wiesbaden, Hamburg, Köln und anderen Städten wurden von der Polizei durchsucht, Beweismaterial sichergestellt und zwei Verdächtige verhaftet. Über den Verbleib von vier weiteren mutmaßlichen Komplizen machten die Ermittler keine Angaben.

Nach den Kunstskandalen der letzten Jahre habe es "viele Lippenbekenntnisse und auch Ankündigungen" gegeben, "was man denn jetzt alles am Kunstmarkt verändern wolle", meint unser Fachredakteur Stefan Koldehoff:

"Man wollte die Expertise auf unabhängigere Beine stellen, man wollte Institute gründen, in denen die Echtheit von Bildern überprüft wird, man wollte materialtechnische Überprüfungen verpflichtend einführen - all das hat nicht stattgefunden."

Aus diesem Grund sei es "auch gar nicht verwunderlich, dass wir zwei Jahre nach Beltracchi den nächsten großen Skandal haben", sagte Koldehoff. Er spielte dabei auf den Fälscher Wolfgang Beltracchi an, der jahrelang Bilder als Werke von Künstlern wie Max Ernst, Max Pechstein und Heinrich Campendonk in den Markt schleuste.

Fälschungen gingen offenbar nicht "an seriöse Sammler"

Durch die 400 Fälschungen sei nach Angaben der Polizei ein Schaden von zwei Millionen Euro entstanden. Gemessen an der Menge der Bilder müsse es also Sammler gegeben haben, "die allen Ernstes der Meinung waren, ein echter Kandinski oder ein echter Jawlensky sei für 10.000 oder 15.000 Euro zu haben", so Koldehoff. "Schon da hätte man merken müssen, dass da was nicht in Ordnung ist." Teilweise würden für einzelne Werke solcher Künstler Beträge von bis zu 40 Millionen Euro gezahlt.

Koldehoff vermutet, dass die gefälschten Bilder nicht von "an seriöse Sammler" verkauft wurden. "Die wissen, wie sie mit so etwas umgehen." Es gebe vielmehr "eine zunehmend große Gruppe von Menschen, die der Meinung ist, über Kunst können wir investieren, mit Kunst können wir sehr viel Geld verdienen".

Sie können das vollständige Gespräch mit Stefan Koldehoff mindestens bis zum 13.11.2013 in unserem Audio-on-Demand-Angebot hören. MP3-Audio

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Interview mit Stefan Koldehoff

Sendezeit: 13.06.2013 19:08

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