Zum Inhalt
Zur Deutschlandradio Kultur-Startseite
 
nach oben
13.03.2006
Die südafrikanischen Schauspieler Terry Pheto und Presley Chweneyagae sowie der Regisseur des Films "Tsotsi", Gavin Hood, vor der 78. Oscar-Verleihung in Los Angeles. (Bild: AP Archiv) Die südafrikanischen Schauspieler Terry Pheto und Presley Chweneyagae sowie der Regisseur des Films "Tsotsi", Gavin Hood, vor der 78. Oscar-Verleihung in Los Angeles. (Bild: AP Archiv)

Filmbranche am Kap hofft auf den Erfolg

Nach dem Oscar für "Tsotsi"

Von Leonie March

Südafrikas Filmindustrie boomt seit mehreren Jahren. Allerdings überwiegend durch ausländische Produktionen, einheimische Filmemacher haben es noch schwer. Mit dem Oscar für den südafrikanischen Film "Tsotsi" könnte sich das nun ändern.

Der Rhythmus des Films ist Kwaito-Musik, der Puls der südafrikanischen Großstädte, Schauspieler, die man im Ausland nicht kennt, eine Sprache, die man dort nicht versteht. Und dennoch: "Tsotsi" ist nicht nur in Südafrika ein Kassenschlager, heimst weltweit auf Filmfestivals Preise ein, gewinnt zur Krönung einen Oscar.

Regisseur Gavin Hood erzählt die Geschichte eines jungen Kriminellen in Soweto. Tsotsi - das bedeutet Gangster im Slang der Straße, in dem auch der Film gedreht ist. Grundlage des Drehbuchs ist der gleichnamige Roman des südafrikanischen Autors Athol Fugard. Regisseur und Schauspieler sind Südafrikaner, wie fast alle im Team - nur einer der Produzenten ist Brite. Noch sind derartige Produktionen selten. Regisseur Gavin Hood hofft, dass sich das mit Erfolg von "Tsotsi" ändert.

"Eine Menge ausländischer Filme sind in den vergangenen 20 Jahren in Südafrika gedreht worden. Es gibt also ein gutes Fundament an Infrastruktur. Und das nutzen wir nun, um unsere eigenen Geschichten zu erzählen. Früher waren wir froh, wenn ein bis zwei südafrikanische Spielfilme im Jahr produziert wurden, heute sind es schon zehn bis zwölf, hoffentlich geht das so weiter. Und vielleicht macht "Tsotsi" jungen südafrikanischen Filmemachern ja auch Mut, ihre Geschichten zu erzählen. Das würde mich sehr stolz machen."

Nur eine Handvoll südafrikanischer Filme schaffte es in den vergangenen Jahren in die internationalen Kinos: die Adaption der Oper Carmen "U Carmen e Kahyelitsha", Berlinale Gewinner 2005, oder das Aids-Drama "Yesterday", nominiert für den Oscar im vergangen Jahr. Die Gründe dafür sind einfach:

"Filme kosten Geld. "Tsotsi" hat drei Millionen Dollar gekostet - für Hollywood nicht viel, für Südafrika schon. Wir haben dort nur einen verhältnismäßig kleinen Markt. Unsere Filme müssen also auch im Ausland erfolgreich sein. Wir haben großartige Schauspieler und Autoren, aber Film ist eben ein teures Medium und man braucht dazu viele talentierte Menschen, die alle in ihrem Bereich sehr gut sein müssen."

Inzwischen gibt es eine ganze Reihe von Filmhochschulen in Südafrika, staatliche Zuschüsse und Stipendien. Mit Europa ist die Nachwuchsförderung allerdings noch nicht vergleichbar. In Kapstadt haben Regionalregierung und Filmschaffende eine gemeinsame Initiative gestartet, erzählt Bianca Mphalaza von der dort ansässigen Filmkommission.

"Wir bauen gerade einen Entwicklungsfonds auf - er nennt sich Bank der Möglichkeiten. Statt finanzieller Unterstützung bieten wir dem Nachwuchs praktische Hilfe. Eine Produktionsfirma stellt also zum Beispiel ihre Schneideräume zur Verfügung, ein Produzent wird zum Mentor, ein Drehbuchautor hilft bei der Entwicklung der Geschichte. Auf diese Weise können wir unsere einheimischen Produkte noch besser fördern."

Einer der Produzenten, die dieses Projekt unterstützen, ist Philipp Key. Vor 16 Jahren gründete er die Firma Moonlighting Film Production Services - produziert werden Werbefilme aber auch Spielfilme, meistens für ausländische Auftraggeber. Gerade dreht er einen Film mit Leonardo di Caprio. Auch Key wünscht sich mehr südafrikanische Filme, hofft auf einen Boom des einheimischen Marktes - doch dazu gehören auch volle Kinosäle.

"Unsere größte Herausforderung ist es, ein Publikum aufzubauen. 80 Prozent der Bevölkerung wurden in den vergangenen 50 Jahren komplett vernachlässigt. Deshalb haben viele entweder gar kein Kino in der Nähe, oder sie können sich die Eintrittskarte nicht leisten. Das Problem lässt sich also nicht so einfach lösen. Ein Ansatz ist das so genannte Koffer-Kino. Man packt einen Videorekorder und einen Fernseher in sein Auto, fährt auf's Land und zeigt den Leuten die Filme vor Ort, für ein paar Cent, je nachdem, wie viel sie sich leisten können."

Auch "Tsotsi" wird auf diese Weise gezeigt, läuft aber auch in den südafrikanischen Kinos und ist dort momentan erfolgreicher als die Konkurrenz aus Hollywood. Das nährt die Hoffnung der Branche.


 
 

Mehr zur Sendung:

JETZT IM RADIO

Deutschlandradio Kultur

Seit 22:30 Uhr
Ortszeit
Nächste Sendung: 23:00 Uhr
Nachrichten

mehr

LIVE-STREAM

Deutschlandradio Kultur

Dokumente und Debatten mehr

AUDIO ON DEMAND

Beiträge zum Nachhören

Fazit

Kulturpresseschau - Aus den Feuilletons 10.02.2012

Sendezeit: 10.02.2012, 23:53

Stuttgarter Staatsgalerie: Turner - Monet - Twombly. Later Paintings

Sendezeit: 10.02.2012, 23:46

Stuttgart: UA "Das Fräulein von S." Ballett nach Novelle E.T.A. Hoffmanns

Sendezeit: 10.02.2012, 23:39

PODCAST

Radio zum Mitnehmen

Podcast: Sendungen

Podcast: Themen

PLAYER / RECORDER

dradio-Recorder
im Beta-Test:

 

KOOPERATIONSPARTNER

ARD-Logo und Link  ZDF-Logo und Link  Phoenix-Logo und Link