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14.07.2008
Weimar (Bild: AP Archiv) Weimar (Bild: AP Archiv)

Possenspiel um eine Vertragsverlängerung

Stephan Märkis Intendanz am Nationaltheater Weimar wird womöglich nicht verlängert

Von Ulrike Greim

Nach Ansicht des thüringischen Kultusstaatsekretärs Walter Bauer-Wabnegg (CDU) steht der Intendant des Weimarer Nationaltheaters, Stephan Märki, zur Disposition: Ein Stimmungsbild soll ergeben haben, dass sich nach zwei Legislaturen seiner Intendanz nun ein "Wechselwille" unter den Aufsichtsratsmitgliedern abzeichnet. Von denen vermuten jedoch einige eine Intrige. Der Verdacht wird genährt durch eine Erklärung des abservierten designierten Kultusministers und Weimarer CDU-Chefs Peter Krause.

Im Herbst steht die mögliche Wiederwahl des Generalintendanten des Deutschen Nationaltheaters regulär auf dem Plan des Aufsichtsrates. Das ist der ganz normale Vorgang, so ist es vertraglich geregelt. Stephan Märki, der bereits seine zweite Amtszeit in Weimar tätig ist, kann - aber muss natürlich nicht - um weitere fünf Jahre verlängert werden, wenn der Aufsichtsrat das mehrheitlich will. Jetzt ist die Phase der Sondierung, sagt das Thüringer Kultusministerium, und versteht die Aufregung nicht. 2010 werden es zehn Jahre sein, dass Märki das Deutsche Nationaltheater leitet. Zeit zum Wechsel?

Der Kultusstaatsekretär soll sich vertraulich umgehört haben, dabei hätte sich bei einigen Aufsichtsratsmitgliedern - Details weiß man nicht - ein Wechselwille abgezeichnet. Allerdings ist fraglich, bei wem. Es war sogar von Mehrheiten die Rede. In der lokalen Presse sagen nur etliche Mitglieder, sie seien nicht gefragt worden, und hätten derartiges nicht gesagt. Auch der Aufsichtsratsvorsitzende, nämlich Thüringens Kultusminister Bernward Müller weiß zur Stunde noch nicht, warum er gegen Märki stimmen sollte.

"Ich kenne zurzeit keine Argumente, die dagegen sprechen."

Aber Müller ist auch erst wenige Wochen im Amt, und - so sagt er es selber - nicht in der Materie zuhause. Er wolle nun erst einmal im Aufsichtsrat die Meinung erkunden und diskutieren. Er kenne allerdings die gute Reputation des Nationaltheaters, das nun Staatstheater ist.

"Das ist erfolgreich, Weimar hat einen Bomben-Ruf. Herr Märki hat ja doch über acht Jahre Hervorragendes geleistet, sonst wären wir ja doch nicht im Thema."

Ebenso sieht es der Beirat des Deutschen Nationaltheaters. Dessen Vorsitzender ist Volkhard Knigge, im Hauptberuf Leiter der Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau Dora. Er hält beide Hände über Stephan Märki.

"Er hat immer auch das kulturelle Erbe Weimars sehr ernst genommen. Auch ein Erbe, das einen gewissermaßen auf die Antiprovinzialität verpflichtet. Ihm war immer klar: Das hier ist mehr als ein Stadttheater. Und das ist mehr als eine Unterhaltungsbühne. Und das ist ihm wunderbar gelungen."

Zu seinen Verdiensten gehöre es, das Haus wirtschaftlich und künstlerisch konsolidiert zu haben, in mühsamen Aufbaujahren die hausinternen Strukturen modernisiert und beweglich gemacht zu haben. Das von ihm maßgeblich kreierte Weimarer Modell hat bundesweit Vorbildcharakter.

"Ich hätte hier gesagt: never change a running system. Es läuft gut. Welchen Grund gibt es denn, so dazwischen zu holzen?"

Die Weimarer CDU lässt heute mitteilen, man müsse nun über die künstlerische Qualität des Staatstheaters reden, Substanzverlust vermeiden, das Programm fortentwickeln, Verkrustungen vermeiden. Die Diskussion darüber sei überfällig.

Gezeichnet: Krause und Illert. Peter Krause ist der ex-designierte Kultusminister, der auch Weimarer CDU-Chef ist. Ein potenter Mann. Und ein angeschossener. Einer, der erbost ist allen gegenüber, die sich kritisch zu seiner Ernennung geäußert hatten. Märki zum Beispiel.

Knigge: "Deswegen hat man doch hier den Eindruck, es ist alles an den Haaren herbeigezogen, und man fragt sich dann: Ist das der erste Schritt in die Nacht der langen Messer nach Krause? Ist es sozusagen der erste Racheakt? Denn Märki hat sich auch hier sehr deutlich im Sinne der Wahrung demokratischer Substanz ausgesprochen."

Oder ist es der für Weimar leider schon gut trainierte Reflex gegen Modernes, fragt sich Volkhard Knigge?

Das Deutsche Nationaltheater, so sagen es heute mehrere Kommentatoren, auch Politiker aus SPD und Linkspartei, steht für den sehr mutigen und kräftezehrenden Kampf um Eigenständigkeit. Das Haus hätte jetzt mit Erfurt fusioniert sein können. Es könnte ein nettes Mainstream-Programm bieten und viele Kleingeister beruhigen. Aber es ist eigenständig geblieben, sogar Staatstheater geworden - in einem zehn Jahre währenden Kraftakt.

Gestern Abend ging ein exzellenter Ring zu Ende. Das Schauspiel hat mit Hausregisseur Tilmann Köhler bundesweit ein hervorragendes Echo. Die Staatskapelle genießt weltweiten Ruf. Es gab Pleiten, jüngst den Faust II, der vom Spielplan genommen wurde, aber auch viele herausragende Inszenierungen. Das alles ist maßgeblich, nicht allein, aber maßgeblich Märkis Verdienst.

Außerdem ist er der einzige Thüringer Intendant, der einen gesellschaftspolitischen Anspruch an sein Stadt- und nun Staatstheater formuliert hat und ihn lebt. Das Theater ist der Mittelpunkt Weimars. Und nun soll - laut Weimarer CDU - womöglich sogar eine Mehrheit gegen ihn sein? Was sollte das für ein Signal sein, fragt sich Volkhard Knigge:

"Man vermittelt ja auch: Leistung in Thüringen lohnt sich offenbar nicht. Man strengt sich an über alle Maßen, man ist erfinderisch im Wirtschaftlichen, im Institutionell-Juristischen, und dann auch noch im Künstlerischen. Und dann steht das Ganze. Und dann sagt man: Ja, nun können Sie gehen. Auf Wiedersehen."

Der Kultusminister Bernward Müller gibt sich betont sachlich:

"Also, ich sag mal: Peter Krause hat eine Stimme und hat Argumente, und er muss seine Position vortragen und das ist auch seine Verantwortung im Aufsichtsrat. Ja und dann werden wir sehen, wie sich das entwickelt. Ich kann das heute hier nicht sagen."

Peter Krause genießt in der CDU Thüringens einen "Status besonderen Respekts", so formulierte es kürzlich der CDU-Fraktionsvorsitzende im Thüringer Landtag. Wenn er sich explizit äußern wird - noch hält er sich offiziell zurück, allerdings nur offiziell - dann hat er eine gewichtige Stimme. Und er hat beim Land was gut. Das Land - heute auch in Gestalt des Ministerpräsidenten - zeigt sich Stephan Märki betreffend sehr defensiv. Märki stünden alle Türen offen, sagte er. Falls sich Dieter Althaus nicht ausdrücklicher für ihn verwenden wird, und Märki am Ende geht, muss man davon ausgehen, dass Althaus ihn geopfert hat.


 
 

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