Pilger bewegen sich bei der traditionellen "Springprozession" durch die Altstadt des luxemburgischen Ortes Echternach. (Bild: picture alliance / dpa / Thomas Frey)
In Echternach wird im Springen gebetet. Die Gläubigen, die alljährlich am Dienstag nach Pfingsten zum Grab des Heiligen Willibrord in das luxemburgische Grenzstädtchen pilgern, bewegen sich in einem berühmten Tanzschritt voran. Ein heiteres Brauchtum, das jedes Jahr Tausende von Besuchern anlockt. Und mancher ist dabei schon fromm geworden.
Einmal im Jahr ist hier der Teufel los. Zu Ehren eines Heiligen. Jedes Jahr am Dienstag nach Pfingsten wird er gefeiert. Es geht um Willibrord, den angelsächsischen Missionar aus dem 8. Jahrhundert. In der Klosterkirche von Echternach ist er begraben, der luxemburgischen Kleinstadt an der Grenze zu Deutschland. Mit seinem Namen verbindet sich ein merkwürdiges religiöses Brauchtum: die Echternacher Springprozession. Die Pilger, die schon am frühen Morgen von überall her aus der Region anreisen, singen und beten. Aber sie tun dies im Springen, einem speziellen Tanzschritt, der mehr an eine Polka erinnert, als an eine seriöse Prozession. In Waxweiler, unweit von Echternach auf der deutschen Seite, ist die Verehrung des Heiligen Willibrord entstanden. Die dortige Bevölkerung gehört zu den treuesten Verehrern:
Pilgerin aus Waxweiler: Wir machen hier mit, weil' zum Dorf gehört und die Springprozession der Legende nach aus unserem Heimatort entspringt, und deshalb ist es für mich eine Ehrensache hier mitzumachen.
Woher der Brauch der Springprozession genau kommt, darüber gehen die Meinungen bis heute auseinander. Die jugendlichen Pilger aus Waxweiler haben eine originelle Erklärung parat:
Der Legende nach soll der Willibrord, als er die Eifel reformiert hat, irgendwann nach Waxweiler gekommen sein und in der schönen neuen Kirche war die große Party, und alles hat getanzt, und da hat er die Waxweiler verflucht, dass sie springen sollten, bis sie sich in Echternach hier entschuldigen.
Ganz so wird es wohl nicht gewesen sein. Aber spannend ist sie schon, die Geschichte der Echternacher Wallfahrt. Seit mehr als 1200 Jahren ruht der irische Heilige Willibrord in der Abteikirche in Echternach. Sein Andenken ist aber lebendiger denn je. Die ganze Stadt ist an seinem Gedenktag auf den Beinen:
Einwohnerin aus Echternach: Mit drei Jahren bin ich das erste Mal mitgesprungen, das heißt das sind jetzt 47 Jahre und für mich ist das ein sehr feierlicher Tag.
Mit elf Gefährten begab sich der Heilige Willibrord einst von England aus auf die gefahrvolle Missionsreise nach Friesland, den heutigen Niederlanden. Bald wurde er Bischof von Utrecht und begann, von dort aus Klöster und Bistümer zu gründen. Seine Missionsreisen führten ihn bis nach Dänemark und Thüringen. Abbildungen in den bunten Glasfenstern der Echternacher Abteikirche erzählen die Geschichte seines Wirkens:
Kirchenführer: "Hier sieht man die Begleiter Willibrords: Ewald Albus, den Weißen, und Niger, den Schwarzen, zwei seiner Gefährten, die den Märtyrertod gestorben sind, einer wird in Köln verehrt, der andere in Kaiserwerth in Deutschland."
Willibrord stirbt im Jahr 739 und wird in der von ihm gegründeten Abtei in Echternach bestattet. Die Krypta der heutigen Basilika geht noch auf romanische Zeiten zurück. Bis heute ist sein Grab Ziel der jährlichen Pilgerfahrt:
Kirchenführer:
"Wir sind hier am Grab des heiligen Willibrord. Was sie sehen ist das Monument von 1906 aus Carrara-Marmor im neugotischen Stil, was nicht allen gefällt. Aber im Innern befindet sich der schlicht verzierte Sarkophag aus der Merowingerzeit."
Neben der Krypta entspringt die sogenannte Willibrordusquelle, ein Becken, an dem die Gläubigen getauft wurden. Einige der Pilger tauchen ihre Hände ins Wasser.
Kirchenführer
"Eine Besonderheit hat sich in den letzten Jahren entwickelt: einige sind von Hautkrankheiten geheilt worden, nachdem sie ihre Arme in die Quelle gehalten haben."
Die Missionsarbeit des Heiligen Willibrord war nicht nur erfolgreich, sondern in der Wirkung auch nachhaltig. Bis heute ist die Bevölkerung der Region überwiegend katholisch geprägt, wie der Sprecher des Luxemburgischen Bischofs bestätigt:
Theo Peporté: "Die meisten sind sehr katholisch, weil wir eigentlich die Reformation verpasst haben. Also es gibt im ganzen Land nur zwei evangelische Gemeinden, eine reformierte und eine evangelische Gemeinde, und das Land ist halt katholisch geblieben, während diesen Zeiten der Reformation waren die Herrscher katholisch, wie das halt überall so gelaufen ist."
Zehntausende von Pilgern und Touristen zieht die Echternacher Springprozession in jedem Jahr an. Die ersten kommen bereits morgens um sieben in die Stadt: es sind die Pilger aus den umliegenden deutschen Gemeinden. Teilweise waren sie die ganze Nacht unterwegs:
Jugendliche aus Waxweiler:
"Wir sind um halb eins losgegangen, mit einer Meditation haben wir angefangen, und sind dann die ganze Nacht bis hierhin gegangen, alle Jugendlichen, die hinter uns stehen, wir haben nicht geschlafen."
"Wie weit seid ihr denn gelaufen?"
"Zehn bis fünfzehn Kilometer, mit Zwischenstationen, an denen wir verschiedene Themen angesprochen haben."
Auch der Bischof des Nachbarbistums Trier, Stephan Ackermann, hat "seine" Pilger an diesem Morgen ein Stück weit begleitet :
Bischof Ackermann: "Das gehört zur Tradition dazu. Die Pilger, die heute Morgen hier begrüßt werden, aus dem Raum Prüm und Waxweiler, sind im Grund diejenigen, die am längsten diese Tradition auch hochhalten, und von daher ist es für mich als Bischof von Trier keine Frage, hier zu sein, um die Pilger dann auch entsprechend willkommen zu heißen."
Für Bischof Ackermann hat die Wallfahrt zum Heiligen Willibrord vor allem eine Völker verbindende Bedeutung:
"Natürlich ist die ganze Region ein gemeinsamer Kulturraum, grenzüberschreitend auch über die Grenzen der Diözesen, der Bistümer hinweg, aber man merkt eben, es ist auch ein Glaubensraum; der Willibrord war ja Glaubenszeuge in dieser Region und die Leute fühlen sich sprachlich, kulturell und religiös hier ganz eng miteinander verbunden."
Dann gibt es das Zeichen zum Aufbruch. Unter Gebet und Gesang ziehen die auswärtigen Pilger über die Brücke des Grenzflusses in Echternach ein:
Was man über den Heiligen Willibrord weiß, stammt aus einer Biografie des Mönchs Alkuin, entstanden 40 Jahre nach seinem Tod. Pierre Kauten, der mittlerweile 78-jährige Vorsitzende des Willibrordus Bauvereins, ist einer der besten Kenner der geschichtlichen Wurzeln. Die Verehrung des Heiligen Willibrord muss schon sehr früh nach seinem Tode eingesetzt haben ...
Pierre Kauten: ... ja, weil Willibrord sehr populär war. Man sagt, er habe viele Leibeigene befreit, er hat vielen Leuten geholfen, er hat die Kultur im weitesten Sinne, die Landwirtschaft durch die Klöster, die haben das alles gefördert, das hat den Leuten viel geholfen und sein Name der klingt noch überall wieder und das ist meiner Meinung nach ein Zeichen dafür, dass er sehr beliebt war."
Auch über die Herkunft des eigenartigen Tanzschritts der Echternacher Prozession hat Pierre Kauten in alten Dokumenten geforscht:
"Die Historiker, die sich auf das geschriebene Wort beziehen, die haben im Grunde nicht viel aufzuzeigen. Es gibt die Sequenz von Aperno von der Reichenau, der in einer Sequenz für den Hl. Willibrord schreibt, dass man Gott loben soll am Fest des Hl. Willibrord 'magno tripudio', das heißt mit einem großen Dreisprung. Aber man kann das Wort auch im figürlichen Sinn auslegen und sagen: mit großer Freude, mit großer Exsaltation, also ist es nicht unbedingt ein Beweis. Für Echternach haben wir die erste Erwähnung im Jahre 1497, ein Weistum, das sagt, dass der Gerichtsvollzieher, dass der die springenden Heiligen einführen soll, in die Stadt einführen soll, die springenden Heiligen, damit meint man die von Waxweiler".
Dass die Waxweiler Pilger sich so eigenartig fortbewegten, wird von manchen Historikern auf eine Veitstanz-Epidemie zurückgeführt, unter der im Mittelalter ganze Landstriche zu leiden hatten. Es könnte vergiftetes Getreide gewesen sein, sogenanntes Mutterkorn, das zu spastischen Lähmungen und Muskelkrämpfen führte. In ihrer Not wandten sich die Betroffenen an den Heiligen Willibrord in Echternach.
Seither gibt es unterschiedliche Auslegungen, wie genau der Prozessionsschritt aussieht. Eine landläufige Erklärung lautet: drei Schritte vor und zwei zurück. Diese Formel ist mittlerweile zum Sinnbild geworden für eine besonders uneffektive Art der Vorwärtsbewegung. Für Pierre Kauten gehört diese Erklärung aber eher ins Reich der Legende:
"Der Zeitgenosse von Calmais, Bertolet, der hat als erster geschrieben: drei Schritte vorwärts und zwei zurück. Und das wurde immer übernommen, aber es ist nicht historisch bewiesen. Nämlich als nach der Französischen Revolution die Prozession wieder aufgenommen wurde, da war ein Friedensrichter hier in Echternach, der auch einen Bericht darüber geschrieben hat, der hat gesagt: Es wurde nie rückwärts gesprungen. Aber trotzdem gab es immer Leute, die zu der Prozession gestoßen sind, die haben gesagt, wir müssen es richtig machen, weil in den Zeitungen, den Lexika das überall stand. Aber meiner Meinung nach ist es ein heidnischer Tanz, der fortgeführt wurde, da gibt es viele Varianten: drei Schritte, zwei, zwei, ein, fünf, drei und so weiter.
Die Tradition der Echternacher Springprozession reicht bis ins Mittelalter. Aber nicht immer war sie den Herrschenden genehm: Den Reformatoren ist der fromme Tanz in Echternach nicht verborgen geblieben. Sie spotten darüber. Französische Revolutionsgarden werden einige Jahrhunderte später die Mönche aus Echternach vertreiben. Und in der Zeit der Aufklärung versuchen Landesherren und sogar Bischöfe, das Springen und Musizieren der Echternacher Pilger zu verhindern. Doch es gelingt ihnen nicht. Das Brauchtum lässt sich nicht verbieten, erzählt Pierre Kauten:
"Ja, weil die Tradition so stark war. Das war eine Tradition, in der Eifel musste aus jedem Haus einer nach Echternach gehen. Auch im Kriege war es verboten. Es kamen aber Deutsche, auch wenn sie nicht über die Grenze kamen, die haben trotzdem den Weg gemacht. Und im letzten Krieg, 1941, da war die Prozession auch verboten, da haben die Echternacher trotzdem in der Kirche ... auf einmal hat ein Student eine Mundharmonika herausgeholt und die Melodie gespielt und da sind die Leute gesprungen. Und da sind die Musikanten nach Hause gegangen und haben die Instrumente ... und dann haben sie in der Kirche gespielt. Dann wurden einige verhaftet, aber der Wille ist immer da."
Pierre Kauten war es auch, der sich für eine Anerkennung der Echternacher Springprozession als Teil des sogenannten immateriellen Weltkulturerbes stark gemacht hat. Nun steht das einzigartige religiöse Brauchtum unter dem Schutz der UNESCO, in einer Reihe mit dem argentinischen Tango oder dem peruanischen Scherentanz.
Pierre Kauten: "Aus meiner Sicht war es besonders ein Anliegen, damit die Prozession geschützt ist vor den politischen Umwälzungen, die evtl. entstehen können bei uns hier, Trennung Kirche und Staat. Und unser Anliegen war, dass festgelegt wird, dass der Pfingstdienstag immer schulfrei sein muss, denn es sind viele Kinder, Jugendliche dabei und wenn nicht schulfrei ist, dann kommen die nicht, dann sind die Musikgesellschaften ohne Leute usw."
Mittlerweile haben sich die Pilger und die Mitwirkenden im Hof vor der Abteikirche versammelt und warten auf den Beginn der Prozession. Die jugendlichen Musikanten packen ihre Instrumente aus und sortieren die Noten:
Schüler aus der Blaskapelle:
"Also, wir spielen Musik für die Springprozession und die anderen von den Schulen, die springen mit. Also die Springprozession ist eigentlich so etwas wie pilgern. Also theoretisch, nur halt zur Musik. Ich glaub, wir fangen da hinten auf dem Abteihof an und dann gehen wir durch Echternach durch zum Dom, glaub ich."
"Was spielst du für ein Instrument?"
"Ich spiel Trompete"
"Spielt man da ein bestimmtes Lied oder eine Melodie?"
"Ja, ne Melodie?"
"Ist die schwer?"
"Die Melodie ist eigentlich ziemlich simpel, wenn man das Lied kann, ist die eigentlich ziemlich simpel, das ist eigentlich eine typische Ohrwurmmelodie, deshalb kann man die sich gut behalten, find ich. Mein Freund hier und ich, wir haben das gestern zwei, drei Mal durchgespielt und da konnten wir das fast auswendig.
Natürlich gibt es auch Schaulustige, die das Geschehen vom Straßenrand aus verfolgen. Was gefällt Ihnen hier in Echternach besonders?
Touristin: "Vor allem die Basilika, es ist ein sehr malerischer Ort und ein wunderbares europäisches Reiseziel."
Die Echternacher Prozession ist eine Touristenattraktion, so manch einer hat eine längere Anreise in Kauf genommen und steht nun erwartungsvoll am Straßenrand:
"Ich weiß nicht genau, was passieren wird, aber hier sind ne Menge Leute, die offensichtlich gut drauf sind. Sie kommen von überall in Europa, sogar Afrikaner habe ich gesehen. Sieht so aus, als würde das ein wunderbarer Tag ... "
Und auch eine Besucherin aus London ist angetan:
"Klasse Stimmung überall, alle sind begeistert, voller Erwartung ..."
Jemand aus Berlin ist hier: was sagen Sie denn hierzu?
"Ja, also ganz fantastisch, ich bin schwer beeindruckt von dieser schönen Kathedrale hier, und wir tanzen ja hier auch gleich mit, wir sind gespannt ob wir die Schritte können, wir sind nämlich noch nicht trainiert."
"Sie haben das noch gar nicht geübt und trauen sich das gleich zu?"
"Ja, den Mutigen gehört die Welt! Es geht über 'ne Stunde, aber Gott sei Dank immer so zwei Minuten tanzen und dann wieder Pause, ich freu mich schon".
Aus Würzburg ist auch jemand hier: Was treibt Sie hierher?
"Ich glaube, es ist ein Zeugnis von großer Volksfrömmigkeit. Was mich beeindruckt, ist auch, dass die Pilger aus den umliegenden Landschaften kommen, die schon sehr lange unterwegs sind und sehr früh hier ankommen. Ich war vor zwölf Jahren schon mal hier aber ich denke, man sollte öfters kommen".
Tausende von Pilgern und Schaulustigen füllen mittlerweile die Plätze und Gassen der malerischen Kleinstadt rund um die Basilika. Kein freier Platz ist mehr zu finden in den Restaurants und Cafés, und auch die Verkäuferin im Andenken-Shop hat jetzt alle Hände voll zu tun:
"Wir haben hier Erklärungen und die Bücher über die Springprozession, Pilgerbüchlein, Melodie von der Springprozession, DVD, das ist ne neue mit Kultur dabei, 10 Euro, 15 Euro, wir haben dann noch die Dreieckstücher, für drei Euro, man nimmt die zum Springen."
In Reihen zu je fünf Personen nimmt die Prozession Aufstellung. Die Teilnehmer halten sich gegenseitig an Taschentüchern fest:
Andenkenverkäuferin: "Man kann sich nicht an der Hand nehmen. Das wär ja für manche zu warm, und so nimmt man - normal nimmt man ein weißes Taschentuch - und das wird zum Dreieck gefaltet und da macht man zu beiden Seiten einen Knoten rein, hier macht man das jetzt auch, und dann fasst man sich damit an zum Springen. Und dann sind die Reihen auch immer schön gleich. Und die werden jetzt auch zum Springen genommen oder die Leute machen sie um den Hals, das ist wie man das möchte. Sind ja viele Leute, die dann so kommen und die möchten dann mitspringen und die haben dann kein Taschentuch dabei und so nehmen sie dann die Tücher".
Für den geordneten Ablauf der Prozession sorgen ehrenamtliche Helfer, die hier Kommissare genannt werden:
Ordner: Die Pilgergruppen haben verschiedene Schilder mit verschiedenen Buchstaben, a bis g, das sind die Betergruppen, die Sängergruppen, das sind die Messdiener von Echternach, das sind die Feuerwehrleute mit dem Reliquiar des Willibrord, und dann stehen die Springergruppen hier, von 1 bis 17, sind sie in dieser Ecke aufgestellt, nachher werden sie abgezählt, und dann werden sie geteilt, das heißt, eine Musikgruppe pro Nummer, und je nach Stärke der Musikkapelle werden dann 10, 20, 25 Reihen Springer vorher und dahinter aufgestellt.
Das muss streng organisiert sein, denn mit 9000, 9500 Springern, die heute erwartet werden, ist man ja wirklich gefordert, um das zu organisieren. Und das ganze zieht sich ja bis ein, zwei Uhr heute Nachmittag hin, das heißt das muss streng organisiert sein, sind ja auch 10.000, 15.0000 Zuschauer hier, das heißt die versuchen auch manchmal in die Springprozession hineinzukommen, und da muss man auch für Ordnung sorgen, damit eben das Rituelle nicht verloren geht".
Und dann geht's endlich los. Der Erzbischof von Luxemburg, Jean Claude Hollerich, hält eine kurze Ansprache und gibt das Starsignal:
"Liebe Pilger, dear pilgrims, eine besondere Freude ist es, seine Eminenz Kardinal Adrianus Simonis, Nachfolger Wilibrords auf dem Bischofsstuhl von Utrecht zu begrüßen. In großer Treue kommen sie jedes Jahr hierher nach Echternach um an der Springprozession zu Ehren des Hl. Willibrord teilzunehmen. Ihnen sei daher von ganzem Herzen gedankt. Wir spüren mehr als so mancher Politiker, was Europa ist, und wie wichtig es ist, über die Grenzen hinauszugehen."
Erzbischof Hollerich erläutert das besondere Gebetsanliegen der Prozession, es gilt diesmal den Familien und deren Wohlergehen. Schließlich macht der Bischof klar, dass Christsein ein Lebensstil ist, der nicht mit Humorlosigkeit und Lebensverachtung verwechselt werden darf:
Bischof Jean Claude Hollerich: "Und die Springprozession ist ein Ausdruck der Freude des Glaubens, und das bedeutet ja nicht, dass es nicht manchmal mühsam ist, auch diese Mühe gehört zu der Freude des Christen. Und so wollen wir wirklich in Freude das Evangelium Jesu Christi weitergeben."
Und dann beginnen die Musikgruppen mit dem berühmten Echternacher Prozessionsmarsch, der immer die gleiche Melodie hat und immer denselben Rhythmus, auch wenn er von den verschiedensten Instrumenten gespielt wird. Die Blechbläser spielen ihn eher militärisch, ganz anders dagegen die Streicher, die Flöten oder die Akkordeongruppen. Mehrere Stunden dauert die Prozession durch die Straßen und malerischen Gassen rund um die Abteikirche. Die ganze Stadt ist ein nicht abreißendes Musikbett getaucht, dem keiner entkommen kann, aber irgendwie auch keiner entkommen will. Selbst die Besucherin aus Berlin, die nicht religiös verwurzelt ist, kann dem Geschehen etwas abgewinnen:
"Also erst mal beobachte ich, dass die Menschen alle sehr glücklich sind, dass es für sie offenbar ein ganz großes Ereignis ist, es sind auch nicht nur die Echternacher Bürger sondern viele Deutsche hört man hier, die wahrscheinlich aus der Umgebung kommen, und das ist glaube ich eine Sache, die auch die Nachbarn alle verbindet, und die einfach so zum Jahr dazugehört und das finde ich eigentlich sehr schön und ich beneide die Menschen, die vielleicht auch aus Glaubensgründen so etwas machen können und die etwas mitnehmen können für den Alltag und das wirkt dann vielleicht nach".
Pierre Kauten: "Ich glaube, dass der Mensch, besonders weil der Individualismus so ausgeprägt ist heute, hat er trotzdem das Bedürfnis, zusammenzustehen, besonders in einer großen Gemeinschaft. Und ich glaube, das spielt heute auch eine große Rolle, die Leute gehen nicht mehr jeden Sonntag zur Kirche, aber bei großen Gelegenheiten sind sie dabei, sie sind trotzdem noch ihres Glaubens bewusst, glaube ich. Und es sind viele Jugendliche da, und die Jugendlichen schätzen es, dass sie mit dem ganzen Körper ihren religiösen Gefühlen Ausdruck geben können".
Bischof Ackermann: "Das Interessante ist ja, dass hier wirklich die verschiedenen Generationen zusammenfinden, jung und alt, also die Tradition spricht die Älteren an, spricht aber auch junge Leute an, das hängt mit der Ganzheitlichkeit zusammen, also diese tanzende Prozession zu haben, das ist ja für uns hier in Westeuropa eher etwas Ungewöhnliches. Also ich glaube, pastoral ist die Chance, jung und alt zusammenzuführen, wirklich auch die Geschwisterlichkeit unter den Bistümern zu pflegen und auch wirklich etwas von der Heiterkeit des Glaubens zu spüren, das ist immer ganz deutlich hier in Echternach."
Nach fast fünf Stunden ist die Prozession zu Ende, die Musik aber will mir nicht mehr aus dem Kopf gehen. Noch Tage später bemerke ich, wie ich sie vor mich hin summe. Und ich denke immer wieder an die wundersame Echternacher Legende von dem Mann, der die Prozessionsteilnehmer einst verlachte und sagte, er würde lieber zum Tanz mit einem jungen Mädchen gehen. Da begann er plötzlich am ganzen Leib zu zittern und warf sich hin und her und konnte sich nicht mehr auf den Beinen halten. Sein Leiden nahm erst ein Ende, als er, auf zwei Springer gestützt, selbst an der Prozession teilnahm.
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