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10.03.2010
Regisseur Alejandro Amenabar die britische Schauspielerin Rachel Weisz bei der Vorstellung von "Agora" bei den 62. Filmfestspielen in Cannes. (Bild: AP) Regisseur Alejandro Amenabar die britische Schauspielerin Rachel Weisz bei der Vorstellung von "Agora" bei den 62. Filmfestspielen in Cannes. (Bild: AP)

"Agora - Die Säulen des Himmels"

Hannelore Heider über ein Historiendrama mit aktuellen Bezügen

Der spanische Erfolgsregisseur Alejandro Amenábar erzählt uns die Geschichte vom Ende einer aufgeklärten, multikulturellen Gesellschaft im antiken Alexandria des 4. Jahrhunderts als packendes, visuell modernes Drama, das deutlich auf heutige Konfliktlinien zielt.

Im Mittelpunkt steht die Philosophin Hypatia, gespielt von Rachel Weisz. Als Tochter des Hüters der auch damals schon weltberühmten Bibliothek unterrichtet sie die männliche Jugend der reichen Stadtbürger in Mathematik, Philosophie und Astronomie, wobei größter Wert auf vorurteilsloses Denken in jeder Beziehung gelegt wird. Das betrifft sowohl die Wissenschaft als auch das tolerante Zusammenleben dieser multireligösen Gemeinde.

Doch längst gefährden Religionskämpfe diesen Tempel der Aufklärung. Christliche Fanatiker, zu denen sich bald auch ihr intelligenter, junger Sklave Davus (Max Minghella) gesellt, verüben Pogrome an den Juden und den hellenistischen Freigeistern, denen schon bald die alte Elite, darunter ihr Vater Theon (Michael Lonsdale), zum Opfer fallen.

In diesem Klima der Gewalt widersteht die junge Frau allen Anfeindungen. Weder das Liebeswerben ihres zur Macht gekommenen ehemaligen Schülers Orestes (Oscar Isaac) und ihres fanatisierten Sklaven, noch die Drohungen der Christenclique können sie von ihren wissenschaftlichen Forderungen abbringen. Hartnäckig sucht Hypatia, die Bewegungen der Himmelskörper zu ergründen, und erschüttert damit das auf der Erde als Mittelpunkt des Universums gegründete Weltbild. So wird Hypatia zum Kristallisationspunkt eines erbarmungslosen Religionskrieges, als Frau, als Vorreiterin von Vernunft und Toleranz, als hartnäckige Wissenschaftlerin.

Ohne die von einem Historienfilm nun mal erwarteten Qualitäten wie wunderschöne Bilder und dramatische Liebesgeschichten zu vernachlässigen, gelingt der Inszenierung mit ihrer leidenschaftlichen Hauptdarstellerin etwas, woran vergleichbare Historiendramen wie "Die Päpstin" oder gar "Henri 4" scheiterten: Eine historische Figur wird nicht nur wirklich lebendig, sondern in ihrer Bedeutung für ihre Zeit und weit darüber hinaus erfasst, was ja eigentlich immer Anliegen eines solch aufwendig inszenierten, historischen Dramas sein sollte!

USA, Spanien 2009. Regie: Alejandro Amenábar. Darsteller: Rachel Weisz, Max Minghella, Oscar Isaac, Michael Lonsdale; 127 Minuten, ab 12 Jahren

Filmhomepage "Agora"


 
 

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