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10.03.2010
Szene aus "Ajami" (Bild: trigon-film) Szene aus "Ajami" (Bild: trigon-film)

"Ajami"

Anke Leweke über eine Tragödie aus Israel

Das jüdisch-arabische Regieduo Scandar Copti und Yaron Shani taucht mit "Ajami" ein in die Welt des gleichnamigen Stadtteils von Jaffa. Hier leben Juden und Araber Tür an Tür. Gedreht mit Laiendarstellern an Originalschauplätzen entwickelt der Film eine authentische Wucht.

Zunächst glaubt man sich in einem Film über Jugendgangs. Schüsse fallen, Unschuldige werden umgebracht, Täter tauchen unter, und es herrscht das Gesetz der Strasse. Doch wir befinden uns hier nicht in einem afro-amerikanischen Viertel irgendwo in den Staaten, sondern in Ajami, einem Stadtteil von Jaffa, in dem Juden, Araber und Drusen Tür an Tür leben. Der Nahostkonflikt findet hier sozusagen auf engstem Raum stand.

Man lernt den jungen Araber Omar kennen, dessen Familie in ein mörderisches Verbrechen verwickelt ist, und nun Geld zur Entschädigung errichten soll. Der junge Malek hat hingegen nichts ausgefressen. Ganz im Gegenteil. Er ist ein arabischer Muslim aus den Palästinensergebieten, der illegal in Ajami arbeitet, um Geld für die Operation seiner schwerkranken Mutter aufzutreiben.

Die agile Kamera heftet sich an die Fersen weiterer - meist jugendlicher - Bewohner von Ajami. Konsequent wird hier nicht ein Handlungsstrang verfolgt, sondern ein Panorama unterschiedlicher Biografien und Schicksale aufgeblättert. Die authentische Wucht von "Ajami" entsteht unter anderem durch das Drehen an Originalschauplätzen. Die vorgefundene Spannung, die den Alltag in dem gleichnamigen Viertel bestimmt, bildet den realen Hintergrund.

Zudem haben die Regisseure Scandar Copti und Yaron Shani mit Laiendarstellern gearbeitet. In Workshops wurden die meist jugendlichen Darsteller auf ihre Rollen vorbereitet. Doch die einzelnen Wendepunkte und Spannungsmomente des Films wurden ihnen nicht verraten. Deshalb wirken ihre Ängste und Reaktionen in extremen Situationen niemals gestellt. So entwickelt "Ajami" seine ganz eigene Wirklichkeit, die den Zuschauer in einen harten, nervenzehrenden Alltag mitnimmt.

Deutschland, Israel 2009. Regie: Yaron Shani und Scandar Copti, Darsteller: Fouad Habash, Nisrine Rihan, Elias Saba, 112 Minuten

Filmhomepage "Ajami"


 
 

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