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23.01.2008
Filmregisseur Rob Reiner albert mit seinen Hauptdarstellern Jack Nicholson und Morgan Freeman herum. (Bild: AP) Filmregisseur Rob Reiner albert mit seinen Hauptdarstellern Jack Nicholson und Morgan Freeman herum. (Bild: AP)

Rentner im zweiten Frühling

Neu im Kino: "Das Beste kommt zum Schluss" und "Leergut"

Vorgestellt von Hans-Ulrich Pönack

Jack Nicholson und Morgan Freeman wollen es in "Das Beste kommt zum Schluss" noch einmal wissen: Beide sind krebskrank und begeben sich zusammen auf eine Weltreise, um möglichst viel noch zu erleben. Eine Alte-Herren-Show mit begrenztem Spaßfaktor. "Leergut" aus Tschechien hingegen überzeugt mit lakonischer Ironie und zeigt einen quirligen Rentner, der sich nicht zur Ruhe begeben will.

Das Beste kommt zum Schluss
USA 2007. Regie: Rob Reiner. Darsteller: Jack Nicholson, Morgan Freeman, Serena Reeder, Jonathan Mangum u.a. Länge: 97 min.

"Das Beste kommt zum Schluss" von Rob Reiner, einem 62-jährigen Regie-Oldie aus Hollywood, Der sich mit Filmen wie "Stand by me - Das Geheimnis eines Sommers" (1986), "Harry & Sally" (1989), "Misery" (1990/"Oscar" für Kathy Bates)), "Eine Frage der Ehre" (1992/mit Tom Cruise und Jack Nicholson) und zuletzt "Wo die Liebe hinfällt" (2005, eine Art "Die Reifeprüfung"-Fortsetzung mit Jennifer Aniston, Kevin Costner, Shirley MacLaine) einen recht guten Namen gemacht hat.

Hier nun setzt er zwei 70-jährige Alt-Stars des amerikanischen Kinos noch mal in Bewegung: Den dreifachen "Oscar"-King Jack Nicholson (mit insgesamt zwölf "Oscar"-Nominierungen, darunter alleine acht als "Bester Hauptdarsteller", immer noch d e r Preis-Rekordhalter unter den ganz Großen) sowie "Oscar"-Preisträger Morgan Freeman ("Miss Daisy und ihr Chauffeur", "Die Verurteilten", "Sieben", "Million Dollar Baby" von Clint Eastwood = "Oscar" als Bester Nebendarsteller).

Beide sind hier sterbenskrank und treffen im Krankenhaus aufeinander. Doch könnten die sozialen Unterschiede nicht größer sein: Während der (weiße) Großunternehmer und Milliardär Edward Cole zunächst den knurrig-cholerischen alten Arroganz-Bock gibt und genüsslich seinen Betreuungssekretär triezt, hat der eher zurückhaltende, ruhige (schwarze) Automechaniker Carter Chambers ausreichend damit zu tun, seine "Löffel-Liste" zu erstellen: Mit Dingen, die er noch tun will, bevor er endgültig "den Löffel abgibt".

Zudem leidet Chambers darunter, sich im Leben viel zu wenig um seine Familie gekümmert zu haben. Doch wenigstens hat er eine Familie, denn Cole dagegen war zwar vier mal verheiratet, ist aber letztlich alleine. Sein vieles Geld übrigens hat er als Besitzer von Krankenhäusern "mit rigorosem Sparkurs" gemacht, deshalb hat ihn auch sein Privatsekretär davon überzeugt, "aus Gründen der Glaubwürdigkeit" in seinem eigenen Haus ein Zwei-Bett-Zimmer zu akzeptieren.

Und so treffen sie also dort aufeinander und sind sich, natürlich, zunächst alles andere als sympathisch. Doch OP und Chemotherapie schweißen zusammen, notgedrungen kommt man sich näher und freundet sich an. Und: Man beschließt gemeinsam, noch mal draußen "auf den Putz zu hauen".

Cole ergänzt genüsslich die "Löffel-Liste" von Chambers um einige extravagante, teure, luxuriöse Ideen und ab geht die Post. Zwei Todgeweihte auf dem letzten Trip ihres Lebens. Mit Edwards Privatjet düst man rund um den Globus und hakt exotische Reiseziele vom indischen Taj Mahal bis Südafrika, vom Himalaya bis Südfrankreich ab. Übt sich im Fallschirmspringen, fährt Autorennen oder Motorrad auf der chinesischen Mauer. Ohne größere Krankheitssymptome nunmehr bzw. übrigens.

Dabei lautet letztlich die simple wie traditionelle Botschaft des ebenso banalen wie rührseligen Filmchens doch wieder nur: Halte bloß die Werte der guten, alten amerikanischen Familie hoch und alles ist gut.

Ist die "Anfangszeit" im Krankenhaus noch mit einigen lakonisch-originellen Spannungsansätzen versehen, ist einfühlsam-amüsant und intensiv in der Beschreibung der seelischen Zustände hier, wird es danach zunehmend unglaubwürdiger, alberner, oberflächlicher, dümmlicher, langweiliger. Der Weg von Patienten zu touristischen Extremsportlern und Weltenbummlern erscheint grobkörnig wie lächerlich. Auch "technisch" übrigens, mit den offensichtlich digital bearbeiteten Aufnahmen der Sehenswürdigkeiten.

Im Vergleich etwa zu klassischen männlichen Kumpel-Paaren wie Jack Lemmon/Walter Matthau ("Ein seltsames Paar") wirken Nicholson/Freeman hier nur halbherzig bemüht und wirkt die Handlung mehr und mehr konstruiert, ummantelt mit viel zu wenigen zündenden Gags, mit zu vielen Ungereimtheiten und einer viel zu dürftigen, fundamental aufgesetzten wie unangenehm rührseligen Family-Botschaft. Nö, der Spaßfaktor ist bei dieser Alt-Herren-Show arg begrenzt.


Leergut
Tschechien/Großbritannien 2007. Regie: Jan Sverák. Darsteller: Zdenek Sverák, Daniela Kolárová, Tatiana Vilhelmová, Jirí Machácek, Pavel Landovský, Jan Budar u.a. Länge: 103 min.

"Leergut" von Jan Svérák, der als der erfolgreichste tschechische Regisseur gilt. Der heute 42-Jährige ist der Sohn des Zuhause sehr berühmten Drehbuchautors und Schauspielers Zdenék Svérák. Seine Filme gewannen mehrere international renommierte Preise: 1989 wurde "Die Ölfresser" mit dem Studenten-"Oscar" ausgezeichnet. 1992 wurde "Die Volksschule" für den "Oscar" in der Kategorie "Bester fremdsprachiger Film" nominiert. 1997 erhielt "Kolya" den "Oscar" in dieser Kategorie.

"Leergut", eine 1,2 Millionen Euro teure Produktion, wurde im Frühjahr 2006 in Prag und Umgebung gedreht. Sie ist quasi als Abschluss der "Lebensalter-Trilogie" von Jan Svérák zu betrachten, nach "Die Volksschule", der sich mit dem Thema Kindheit beschäftigte, und "Kolya", der von der Verantwortung im Erwachsenen-Alter handelte.

Hier nun geht es um das Alter im Alter: Josef, ein Charmeur alten Schlages, hat die Schnauze als Vertretungslehrer gründlich voll, mit 66 beansprucht er nun die "endgültige Auszeit", die Pension. Doch schon nach wenigen Rentnertagen fällt ihm Zuhause die Decke auf den Kopf, erscheint ihm der Daueralltag mit seiner Frau viel zu langweilig. Sie möchte "gemütlich altersgemäß kuscheln", er wird von ständiger innerlicher Unruhe getrieben und hat zudem nun auch genügend Zeit für "feuchte (Alte-Kerle-)Träume".

Nach einem kurzen, aber schmerzhaften Zwischenstopp als Fahrradkurier landet er schließlich in der Flaschen-Leergut-Annahmestelle eines Supermarkts. Argwöhnisch von seiner Frau begleitet. Doch Josef blüht hier sichtlich auf. Motto: Die vielen neuen sozialen Kontakte, die Möglichkeiten, bei seinen Mitmenschen "etwas in Bewegung zu bringen" in Sachen "glücklicheres Beziehungsleben". Doch dann soll die Getränkeannahme wegrationalisiert und durch einen Automaten ersetzt werden...

Sohn inszeniert einmal mehr Papa. Denn der 71-jährige Zdenék Svérák ist hier der temperamentvolle Zampano-Charmeur Josef, der keine Lust auf das öde nur einfach alt sein verspürt und sich für sein Altersdasein einfach eine neue Aufgabe sucht. Sehr zum Leidwesen seiner überforderten, genervten Ehefrau, die sich dabei zu sehr benachteiligt fühlt.

Aber: Er braucht "Luft zum Weiter-Atmen" und sucht nach "Sauerstoff". Was ihn nicht unbedingt immer als Sympath durchgehen lässt, keineswegs. Eine warmherzige, menschelnde und dabei fein augenzwinkernde "schwejksche" Schelmen-Komödie über einen unruhigen Alten, den immer noch die "Lebens-Hummeln" pieken, der aber weder ein Ehemann-Scheusal noch ein Lebe-Blödmann ist, sondern nur eben weiterhin die pure Lebenslust verspürt und dies auch auszuleben versucht, mit allen emotionalen wie seelischen Problemen.

Das Kino entdeckt nun auch die Alten. Ob neulich "Die Herbstzeitlosen" (Schweiz) oder kürzlich "An ihrer Seite" (Kanada/"Golden Globe" für Julie Christie) oder jetzt auch Hollywood (s. oben/mit Star-Lock-Appeal), die sich am Schnellsten vermehrende Generation XXL wird nun von Innen wie Außen thematisch "abgetastet", wie hier, mit einem lächelnden wie auch mit einem ernsten Auge: Sowohl als charmante wie auch als überkandidelte Zeitgenossen. Wie hier: "Leergut" ist eine atmosphärische Prag- wie spielerische Menschen-Komödie über einen selbstbewussten Ego-Kauz und seine Ganz-Schön-Macken, in der unaufdringlich fein-lakonischen Ironie-Mischung aus Frechheit, Melancholie und Denkanregung. Mit Tupfern aus kesser Situationskomik, weisem Humor und sanftem Spott.

Dabei trifft der "wunderbare Narr" Zdenék Svérák genau den richtigen Ton. Ihm zuzusehen ist köstlich-vergnüglich. Das haben seine Landsleute im übrigen ähnlich gesehen, denn mit über einer Million Zuschauern (bei gerade einmal 10 Millionen Einwohnern) hat sich "Leergut" inzwischen zum erfolgreichsten tschechischen Kinofilm aller Zeiten gemausert. Man bedenke: Mit solch einem Oldie-Thema...

Weitere Festival-Erfolge sind noch zu vermelden - "Publikumspreis Cottbus 2007", "Publikumspreis Karlovy Vary 2007", Publikumspreis beim Filmfest Hamburg 2007"! Das filmende Tschechien jedenfalls schlägt in dieser Premieren-Woche das Star-Kino aus Hollywood um Längen!


 
 

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