1838 beginnt die akribische Arbeit am Deutschen Wörterbuch der Brüder Grimm, bis heute das umfangreichste Wörterbuch der deutschen Sprache. Einen Bruchteil der mehr als 300.000 Stichwörter wollen wir ins Programm nehmen, 175 Jahre nach Beginn des Projekts. Prominente erläutern dabei ihren Bezug zu einzelnen Worten.
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Blinde, unvernünftige liebe besonders der eltern gegen ihre kinder: "meiner eltern grosze affenliebe". Olaf Tschimpke ...
Angst ist nicht blosz mutlosigkeit, sondern quälende sorge, zweifelnder, beengender zustand überhaupt. Gunther Emmerlich ...
elend und dürftig […] gleich dem […] substantiv allen deutschen sprachen gemein. hier liegt einer der seltnen fälle vor, dasz zwei in laut und buchstaben einstimmige wörter ganz verschiednen wurzeln anzugehören scheinen Michael Sommer ...
Eine treffende, lebendige zusammensetzung, "mit lieben ougenblicken einander sâhen an", hat sich die sinnliche bedeutung selten erhalten. Desto häufiger ist die abgezogne anwendung für den enteilenden punct der zeit, "und der mächtigste von allen herschern ist der augenblick." Thomas Quasthoff ...
Ein kraftvoller ausruf bei empfundnem sinnlichen schmerz, fortgebildet aus au oder ach, ähnlich dem ätsch und hutsch für husch. denn man sagte ebenwol ausch. Benjamin Völz ...
Blöde vom gewächs, "die blöd aufgehende gerste", auch von anderen sachen, dünn, gebrechlich, schwach, leicht: "ein leichter und blöder boden" - "blöde (ungesalzne) suppe"; blöde von gesicht und augen: "wiewol er seines blöden gesichts wegen eine brille dazu vonnöthen hatte". Peter-André Alt ...
ein jetzt allgemein gangbares, uns aber erst im 17 jh. aus der fremde zugebrachtes wort. […] Wir gebrauchen brav, von männern im sinne von tüchtig, tapfer, wacker, redlich: "ein braver held" […] von frauen, […] "eine brave hausfrau", die alle pflichten erfüllt Maren Kroymann ...
Ein dem ohr des volks seltsam lautendes wort, für dessen verschiedne bedeutungen wir unsere eignen ausdrücke mahl, bild, zeichen, art, sitte, gepräge hätten heranbilden sollen. Katharina Thalbach ...
unnützes geschwätz. nun ja, machen sie nur nicht so viel paperlapp und dudeldumdei. "heisa, juchheia! dudeldumdei! /das geht ja hoch her. bin auch dabei."
unverständigkeit, albernheit, einfalt, unbesonnenheit, unwissenheit, "mit der dummheit kämpfen götter selbst vergebens". Jean Ziegler ...
"rollende wecker sind wir, die sogleich ausgeschnarret haben, nicht eintagfliegen sondern einaugenblickfliegen." Astrid Meyerfeldt ...
[…] heute verwenden wir eitel, von einem der sich seiner vorzüge freut und ihrer bewust wird, ein gutes, eitles mädchen Gottfried Honnefelder ...
Oft: folge. die sache hat keinen erfolg, einen guten, glücklichen, günstigen, ungewissen erfolg. Peter Altmaier ...
stinkend, verfault, morsch, aus der ersten bedeutung entspringt unmittelbar die heute vorherschende wir sagen einer ist so faul, dasz er stinkt, stinkfaul, und eine grosze und anhaltende faulheit ist stinkend. Michael Sommer ...
feind, das substantivum, steht fast auf allen blättern der bibel und es wäre überflüssig stellen herzuschreiben Wolfgang Huber ...
wie schon gesagt ist das sinnliche laufen für unser fliehen in die abstraction des davon laufens, entrinnens, entweichens, entspringens übergetreten, wobei die art und weise des entkommens meist unbezeichnet bleibt. darauf dasz auch unser fliehen ursprünglich springen ausdrückt führt unser floh, der springende.
der älteste und schönste ausdruck für diesen begrif war der sinnliche freihals, ein hals, der kein joch auf sich trägt. mittelhochdeutsch, geschweige neuhochdeutsch, hört diese benennung auf. freiheit ist uns nun der technische ausdruck geworden. Sigmar Gabriel ...
fressen ist aufessen, verzehren, ganz verschlingen, während essen häufig den partitivbegrif hat und davon essen ausdrückt. David Wagner ...
freude ist frohsein, mehr als vergnügen, etwas weniger als lust, stille, ruhige freude, wahre, innige, unschuldige, eine unmäszige, ausgelassene, ausschweifende freude. die freude ist ihm in den brunnen gefallen, zu wasser, zu nichte geworden, vereitelt, versalzen worden.
Ein geneigter, gleichgestimmter, gleichgesinnter, anhänglicher mann, der freud und leid mit uns theilt. Johann Kresnik ...
im bewustsein der schwäche in der seele bewegt meiden oder besorgen, bei wirklich oder möglicher weise oder blosz nach einer einbildung bevorstehendem oder übel bringendem Annegret Kramp-Karrenbauer ...
Die bezeichnung sinnlicher begier gewöhnlich vom offnen mund oder schlund. aufs essen oder fressen gerichtet. Jördis Triebel ...
Der begriff ist ursprünglich, viel weiter als heute, eine nutznieszung aller art, besonders in gemeinschaft. Johann Kresnik ...
Das gerechtsein, das mit dem recht, mit gesetz oder billigkeit übereinstimmende verhalten, urtheilen, handeln oder denken, welches jedem das gebührende zutheilt. Jean Ziegler ...
in alter sprache tritt die grundbedeutung des stammes faszbar zutage: gir als seelische grundkraft, ohne das gewicht auf eine besondere stärke des begehrens zu legen als verlangen allgemeinster art, fast so viel wie bedürfnis. das schwergewicht verschiebt sich vom begehren an sich mehr auf die betonung seiner heftigkeit. Lea Rosh ...
aus dem bereich des übernatürlich-religiösen wird glaube im 18. jh. auf das gebiet des natürlich-diesseitigen übertragen und bedeutet hier zumeist ein starkes, gefühlsmäsziges verhältnis zu innerweltlichen werten, idealen, persönlichkeiten, das an innerer kraft und sittlichem gehalt dem religiösen glauben verwandt erscheint. Dieter Kosslick ...
"glatte, klebrige masse, gelee (von eingemachten früchten); in norddeutscher umgangssprache, - in älterer zeit nicht belegt, doch könnte vereinzeltes schwedisches glibber aus dem norddeutschen entlehnt sein. Klaus Staeck ...
in besonderer verwendung: glück bei frauen, fähigkeit, die neigung von frauen sowie die erlangung ihrer gunst zu gewinnen. Peter Altmaier ...
Wütend, zornwütig, ergrimmt. namentlich in jüngerer zeit zuweilen fast gleich "zornig"; ein erst in neuerer zeit sich entwickelnder gebrauch: das adjektiv bezeichnet nicht die ausbrechende, sondern die verhaltene oder versteckte wuth. Maren Kroymann ...
Die ursprüngliche bedeutung feindlich verfolgen, hat ihre ausläufer in dem mundartlichen haten, streiten. häufiger hat hassen sich in abgeblaszterer bedeutung entwickelt, insofern es nicht sowol auf feindliche thaten, sondern rein auf feindselige gesinnung geht: "hassen und neiden". Holger Treutmann ...
hasz habend, feindselig, feindlich. [ ... ] weit gewöhnlicher ist die bedeutung hassenswert, hasz erregend, [ ... ] vielfach in minder scharfer ausprägung des begriffes. [ ... ] ein gefühl des widerwillens erregend, unlieblich, namentlich von körperlicher gestalt eines menschen. Hans Neuenfels ...
heimat, das land oder auch nur der landstrich, in dem man geboren ist oder bleibenden aufenthalt hat. heimat in freierer anwendung. "dem christen ist der himmel die heimat, im gegensatz zur erde, auf der er als gast oder fremdling weilt". David Wagner ...
Zur ermittelung der sinnlichen grundbedeutung von hoffen darf das angelsächsische hoppan, niederdeutsch hoppen, mittelhochdeutsch hupfen und hüpfen wol als nächst verwant herangezogen werden. Alexander Khuon ...
Es geht auf die starke begierde nach speise, unterschieden vom appetit, das einen bloszen reiz nach der speise bezeichnen will. [ ... ] der hunger geht vom magen, der appetit vom gaumen aus. Wolfgang Huber ...
der nur in der vorstellung vorhandene begriff einer sache. [ ... ]. das wort geht aus der philosophischen sprache in die gewähltere des gewöhnlichen lebens über. [ ... ] "so würde er meine gestalt doch kennen und kein unerreichbares ideal sich träumen". Uwe Karsten Heye ...
früher hat […] der französische sprachgebrauch des 17. jahrhunderts das wort zu der bedeutung einer gedanklichen vorstellung, eines gedankens, eines begriffes von etwas verflüchtigt Susan Neimann ...
irre (nach dem adjektiv) zustand der verwirrung, des schwankens, der ratlosigkeit. Alexander Khuon ...
persönliches jammern, schmerz, herzeleid in klagenden worten oder auch tönen äuszern ist der alten sprache nicht unbekannt, tritt aber gegen unpersönliches sehr zurück und ist erst in der späteren sprache, in verschiedenen fügungen, sehr verbreitet. jammern auch von der stummen äuszerung des mitleides. Dilek Kolat ...
Zustand und zeit des jungseins. in bezug auf menschen, und sowol den zustand als kind wie als jüngling oder jungfrau umfassend. in gehobener sprache von dingen: "lebten wir in der blühenden jugend der welt". selten von sachen, in der sprache des gemeinen lebens: "die jugend des bieres". Heinrich von Berenberg ...
Ursprünglich vom zweikampf, namentlich vom kunstfertigen, nachher von streit aller art, vom kampf in der schlacht. Tilman Brück ...
Komisch (nach frz. comique), das jetzt so fest und verbreitet ist, sogar gleich närrisch, wunderlich (ein komischer mensch, komisches betragen), scheint erst spät im 18. jh. Aufgekommen. "kaum hatte noch des schneiders hand/ ein buntes komisches gewand/ dem muntern affen umgehangen." Ralf König ...
von körperkraft und ihrer äuszerung: "mit kräftiger hand das ruder führen". von einem thun und streben, zum Beispiel: kräftige führung eines amts, geschäfts. thatkräftig. doch hat da, wie in vielen fällen, jetzt das griechisch-französischdeutsche energisch die gunst der gelehrten und gebildeten. Tankred Stöbe ...
Eine sumpffläche, zusammenhängendes, ausgebreitetes sumpfland , sumpf als stoff, kot aus dem die sumpffläche besteht. Holger Treutmann ...
werk, das mit dem munde gemacht wird, worte, rede. das werk, das im munde liegt, und zwar in bezug auf seine sprechfähigkeit; redegabe. Gunther Emmerlich ...
Die alte sprache hat das lateinische wort (musica) nur ausnahmsweise verdeutscht. gewöhnlich als kunstwort und als bezeichnung einer der sieben freien künste in der lateinischen form herüber genommen. Ludwig Güttler ...
im […] westgermanischen […] hat das wort den allgemeinen sinn des menschlichen innern als sitz des fühlens, denkens, begehrens, strebens Gesine Schwan ...
"bei herannahender guter witterung gedachte ich nach wunsch und neigung die schönen tage des vorigen jahrs im mutterlande abermals zu genieszen." Ruprecht Polenz ...
ein kraft- und bewusztloser, dem tode ähnlicher zustand. es heiszt in ohnmacht fallen, sinken, liegen, aus der ohnmacht kommen, erwachen u. s. w. statt unmacht (im gedanken an ohne macht): "will der schwache geachtet sein, so mag er seiner ohnmacht durch würde aufhelfen."
"aus diesen gründen ists meine ewige unüberwindliche meinung geworden, dasz eine deutsche Ilias in hexametern das fatalste geschleppe, die unangenehmste ohrenfolter sein würde." Til Schweiger ...
vermis auricularius, forficula auricularia (Brehms Thierleben). vergleichend und bildlich: "er ist wie ein ohrwürmchen, sehr freundlich, gefällig, diensteifrig, wol auch etwas kriecherisch".
Preis geht mit preisen zunächst auf den innern wert und vorzug, sowie auf die öffentliche anerkennung und verkündigung desselben; oft verbunden mit den sinnverwandten lob, ehre, ruhm. (auch) die in geld ausgedrückte forderung, anbietung oder bezahlung für eine waare. Rudolf Hickel ...
unnützes leeres geschwätz, faselei, unzuverlässiges thun und wesen, leichtsinnige tändelei, wertloses dummes zeug, mischmasch u. dgl. "der henker hol dich samt deiner kwackelei!". Katharina Thalbach …
Einer der unbefugt die heilkunde ausübt, ein kurpfuscher, eigentlich ein marktschreierischer, seine geschicklichkeit und heilmittel öffentlich anpreisender arzt. Ralf König ...
richten […] bedeutet […] zunächst 'recht machen'. […] sehr verbreitet und reich entfaltet ist die verwendung […] im juristischen sinne Lutz Rathenow ...
ruhe ist zunächst das nachlassen, aufhören von anstrengung, mühe, arbeit und die damit verbundene erholung. so wird es gebraucht von der pause im kampfe, von der rast des streiters auch vom wegemüden wanderer: "da streckt' ich mich ins gras zur ruh / und sah dem spiel der blätter zu." Egon Bahr ...
"grosze ähnlichkeit mit rein. die grundbedeutung ist 'frei von fremden, äuszerlich anhaftenden oder innerlich beigemischten bestandtheilen'. Hans Well ...
als ursprüngliche bedeutung hat man sich wol 'beschädigung' im allgemeinen zu denken; […] aber die einschränkung auf die bedeutung 'ehrverminderung' ist bereits vor beginn der überlieferung vollzogen. Lutz Rathenow ...
als schmutzig und schmotzig seit dem 15. jahrhundert nachzuweisen. schmutzig als fett im alemannischen sprachgebiete erhalten. schwäbisch schmotzig, fett, schmierig. Jaroslav Rudis ...
ein hoher grad eines heftigen und oft schmerzlichen verlangens nach etwas, besonders wenn man keine hoffnung hat das verlangte zu erlangen, oder wenn die erlangung ungewisz, noch entfernt ist Heinrich von Berenberg ...
die grundbedeutung von spielen ist die einer lebhaften, muntern hin- und herbewegung, […] Dieter Kosslick ...
ausdruck von gedanken in worten. [ ... ] sprache bezeichnet im allgemeinen die thätigkeit des sprechens und das vermögen dazu. Christian Ude ...
Im ältern neuhochdeutschen bezeichnet sprachlos gewöhnlich einen, der nicht sprechen kann, dem das vermögen der sprache fehlt. Lutz Hachmeister ...
Als eigenschaft lebender wesen - in eigentlicher bedeutung auf körperliches, physisches vermögen gehend. Bernd Wagner ...
die eigentliche bedeutung des wortes ist seit alters der (vom kehlkopf erzeugte) ton, gesprochen oder gesungen, so wie er gehört wird Thomas Quasthoff ...
leeres, wortreiches, einfältiges geschwätz. norddeutsches wort, dem […] snicksnack entsprechend Jaroslav Rudis ...
die kunst- oder gewerbsthätigkeit und der inbegriff der erfahrungen, regeln, grundsätze und handgriffe, nach denen bei ausübung einer kunst oder eines gewerbes verfahren wird. "wer die technik nicht versteht, kann über poetische produkte nicht schreiben".
Im 16. jh. entlehnt aus lateinisch tolerantia, duldsamkeit. "toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende gesinnung sein; sie musz zur anerkennung führen." Dilek Kolat ...
Land (ist) ursprünglich der zu bebauende acker, vaterland ist vielleicht in erster bedeutung der vom vater besessene acker, der als väterliches erbe mir zufällt. gern wird das vaterland persönlich gefaszt, so z. b. ruft, winkt das vaterland u. s. w. Ludwig Güttler ...
Ursprüngliche bedeutung "falschen rat geben, falsche unterstützung geben, irre leiten", im neuhochdeutschen ist die bedeutung etwas verschoben, verraten heiszt zunächst "einen einem andern durch falschen rat bekannt machen und in die hände liefern" und hat durchaus eine schlimme nebenbedeutung. Kornelia Boje ...
Bezeichnet zunächst den wirklichen sachverhalt selbst, wie er in der menschlichen rede oder auffassung zum ausdruck gelangt, z. b. die wahrheit sagen, etwas sagen, das der wirklichkeit entspricht. Tilman Brück ...
Im vorstellungsbereich des wert seins, der werthaftigkeit und werthaltigkeit tritt würde in deutliche konkurrenz zum worte wert selber, würde benennt hier vor allem personale werte. Til Schweiger ...
zustand des […] leiblich-seelischen auszersichseins. die ursprünglich dämonistische auffassung der grundsituation als einwirkung übermenschlicher mächte auf eine bestimmte person Bernd Wagner ...
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Sendezeit: 14.06.2013, 06:55
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