Am 7. Dezember beginnt der Klimagipfel in Kopenhagen. Bis 2050 müssten die globalen CO2-Emissionen um 50 Prozent gesenkt werden, fordern Klimaschützer, damit die Erderwärmung aufgehalten werden kann. Doch dass dies in der internationalen Realpolitik wirklich umgesetzt wird, erscheint utopisch.
Aber was wäre, wenn doch? Was wäre, wenn der Klimagipfel in Kopenhagen tatsächlich generalstabsmäßig zentrale Maßnahmen zum Klimaschutz beschließen würde? Welche konkreten Folgen hätte das für jeden Einzelnen und für die Gesellschaft? Inwiefern müssten wir selber umdenken, wie würden sich unser Alltag, unsere Arbeitswelt verändern?
In dieser Woche haben wir im "Radiofeuilleton" täglich mit Experten Zukunftsszenarien besprochen:
• Was wäre, wenn jeder Weltbürger eine CO2-Quote zugewiesen bekäme?
• Wenn Privatautos verboten würden?
• Wenn alle Produkte nur noch aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden dürfen?
Bei "Im Gespräch" können unsere Hörerinnen und Hörer heute mit zwei ausgewiesenen Klima- und Energieexperten weiterdiskutieren - live und unmittelbar:
Der Journalist Franz Alt - vielen sicherlich noch bekannt als engagierter Moderator des Fernsehmagazins "Report - reist seit Jahren unermüdlich durch die Welt, um für den Klimaschutz und besonders für die Sonnenenergie zu werben.
"Die Sonne schickt täglich 15.000 Mal mehr Energie als zurzeit alle sechs Milliarden Menschen verbrauchen."
Seine Überzeugung: "Es gibt kein Energieproblem, nur eine falsche Energienutzung."
Man schaue beim Klimaschutz immer auf die Industrie und die Wirtschaft und denke zu wenig an die Privatverbraucher. Das müsse man aber, wenn man konsequent etwas ändern wolle.
"40 Prozent des privaten Energieverbrauchs entfallen allein auf die Heizung, sie ist der größte Brocken. Die Leute wissen auf ein Zehntel, was ein Liter Benzin kostet, aber fragen Sie sie mal nach dem Preis für Heizöl. Das wissen die nicht, dabei sind die Heizkosten bald die zweite Miete."
Sein Ziel:
"Ich will eine CO2-freie Gesellschaft, und wir werden zu 100 Prozent von erneuerbaren Energien leben."
Die Hoffnung des optimistischen Realisten Alt:
"Ich hoffe, dass wir es schaffen, bis 2050 umzustellen, vielleicht sogar schon 2030."
Der Energieexperte Peter Hennicke blickt mit Interesse, aber auch mit Skepsis auf die UN-Klimakonferenz.
"Ich bin seit 20 Jahren aktiv, habe in drei Enquetekommissionen gesessen. Ich bin zunehmend ungehalten geworden, ja richtig ungeduldig. Wir haben nur noch zwei bis drei Jahre Zeit, etwas zu ändern!"
Der ehemalige Präsident des Präsident des Wuppertal-Instituts für Klima, Umwelt, Energie ist überzeugt, dass wir unser Konsumverhalten auf allen Ebenen ändern müssen:
"Ich glaube, wir müssen uns an den Gedanken gewöhnen, dass wir tatsächlich das Ende der Welt haben, wie wir sie bisher kennen. Es reicht nicht mehr aus, zu sagen, 'wir sollten'. Es muss einen neuen Qualitätsanspruch geben, der die Lebensqualität vom Verbrauch entkoppelt. Und das muss jeder im Auge behalten, das ist nicht eine Spielwiese für Ökopaxe. Das ist eine gravierende Aufgabe für die ganze Gesellschaft."
Ein umweltschonendes Verhalten müsse nicht mit Verzicht einhergehen - ganz im Gegenteil:
"Wir müssen den Menschen die Angst nehmen, dass sie zu Dingen gezwungen werden, die unangenehm sind, sonst haben wir verloren. Es wird sich vieles ändern, vieles wird neu sein. Aber wir haben doch auch schon vieles geändert in den letzten Jahrzehnten: Wir haben vollere Straßen, den Flächenfraß, die problematischen Lebensmittel. Und das können wir wieder positiv ändern. Was ist es denn, was wir wollen? Wir wollen gutes Leben, eine Lebensqualität, die sich nicht nur eine kleine Gruppe leisten kann. Darüber brauchen wir eine Diskussion."
Diese Diskussion müsse weltweit geführt werden; Klimaschutz berge auch große Chancen für die boomenden Staaten wie China und Indien. Auch die Chance, nicht dieselben Klimasünden zu begehen wie die westlichen Industriestaaten.
Um eine möglichst breite Öffentlichkeit zu erreichen, engagiert sich Peter Hennicke gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern - aber auch Prominenten - bei "Utopia.de", der "Internetplattform für strategischen Konsum":
"Das ist keine Verbraucherberatung, die gibt es schon zuhauf. Wir versuchen, über Dialog und Kampagnen die Nachfrage anzuheizen, für sauberen Strom, den öffentlichen Nahverkehr, neue Formen des Konsums."
Sein Credo:
"Wohlverstandener Klimaschutz ist bestes Konjunkturprogramm. Was wir uns leisten können, ist kein Opfer, sondern eine Chance auf neue Pfade: auf neue Jobs, neue Arbeitsfelder, auf qualitatives Wachstum."
"Ökotopia - Wie wird der Kampf gegen den Klimawandel unser Leben verändern?"
Darüber diskutiert Gisela Steinhauer heute von 9.05 Uhr bis 11 Uhr gemeinsam mit Franz Alt und Peter Hennicke. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der kostenlosen Telefonnummer 00800 / 2254 2254 oder per E-Mail unter gespraech@dradio.de.
Informationen im Internet:
Über Franz Alt
Über Prof. Dr. Peter Hennicke
Beiträge zum Nachhören
Radiofeuilleton - Im Gespräch
RF Im Gespräch: Alzheimer - Wie sollen wir damit umgehen? Teil 2
Sendezeit: 11.02.2012, 10:05
RF Im Gespräch: Alzheimer - Wie sollen wir damit umgehen? Teil 1
Sendezeit: 11.02.2012, 09:05
Radiofeuilleton Im Gespräch, Faszination Berlinale - Faszination Kino (2)
Sendezeit: 04.02.2012, 10:05
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