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03.12.2011
Andreas Dresens Film "Halt auf freier Strecke" wurde auf den Filmfestspielen in Cannes gezeigt. (Bild: picture alliance / dpa / Hubert Boesl) Andreas Dresens Film "Halt auf freier Strecke" wurde auf den Filmfestspielen in Cannes gezeigt. (Bild: picture alliance / dpa / Hubert Boesl)

Sterben und Tod - wie können wir damit umgehen?

Gäste: Dorothea Becker, Leiterin des Ricam Hospiz in Berlin, und Andreas Dresen, Regisseur

Ein Familienvater Mitte 40 erfährt, dass er in wenigen Monaten sterben wird, er hat einen bösartigen Hirntumor. So beginnt der neue Film des Regisseurs Andreas Dresen "Halt auf freier Strecke". Eine Diagnose wie ein Keulenschlag, nicht nur für den Postmitarbeiter Frank Lange, seine Frau Simone und die beiden Kinder.

Ein Schock auch für die Zuschauer. Sie begleiten die Familie durch diese letzten Lebensmonate, mit allen Höhen und Tiefen - bis zum Ende.

"Ich finde, in unserem Alltag sind alle Probleme, die mit Sterben, mit dem Tod zu tun haben, sowieso zu Unrecht ausgegrenzt, weil das ist nun mal ein Teil unserer Lebensreise ist",

sagt Andreas Dresen.

"Was bedeutet das Sterben, das Sterben eines lieben Menschen für alle Beteiligten wirklich und zwar ohne alle dramaturgischen Ausflüchte? Dass wir so viel Angst davor haben, hat ja doch damit zu tun, dass der Tod aus unserem Alltag verschwunden ist. Noch vor nicht mal 100 Jahren haben drei Generationen in einem Haus gelebt, und wenn Opa dann gestorben ist, dann waren die Kinder selbstverständlich auch dabei, sie konnten ihn anfassen, und er lag dann noch eine Nacht meistens dort, war aufgebahrt - das alles gibt eine Vertrautheit und eine Selbstverständlichkeit und auch einen Schutzraum, mit diesen Dingen des Lebens umzugehen, den wir heutzutage ja oft gar nicht mehr haben."

Um dieser letzten Station des Lebens möglichst nahe zu kommen, hat Dresen die Rollen der Ärzte und des Pflegepersonals nicht mit Schauspielern, sondern mit echten Ärzten besetzt. Und er hat dafür - gemeinsam mit den Schauspielern - unter anderem im Ricam Hospiz in Berlin recherchiert.

Das Haus wurde 1998 als erstes Hospiz in Berlin gegründet. Die Leiterin und ehemalige Krankenschwester Dorothea Becker wollte einen Ort schaffen, an dem sterbende Menschen die nötige Ruhe, Geborgenheit, Pflege und vor alle Zeit finden. Den Begriff Sterbe-Hospiz hört sie nicht gern:

"Unser Haus ist ein Ort mit intensivem Leben, an dessen Ende der Tod steht. Und das stimmt noch nicht einmal in jedem Fall. Sieben Prozent unserer Patienten gehen wieder nach Hause. Viele werden von ihren Schmerzen befreit, von Übelkeit. Sie können wieder Leben spüren, dass es gut ist, wach zu werden. Dass die Sonne aufgeht, der Tag anfängt, dass wir gemeinsam schauen können, wie sie den Tag wuppen können."

Gemeinsam mit eigens ausgebildeten Ärzten, Pflegern, Musiktherapeuten, Seelsorgern und vielen ehrenamtlichen Helfern versucht sie, den Patienten die letzte Phase des Lebens so lebenswert wie möglich zu gestalten und auch die Angehörigen zu stützen, unter anderem durch eine intensive ambulante Betreuung. Dazu gehört die schmerzlindernde Palliativmedizin ebenso, wie menschliche Zuwendung - und jede Menge Zeit, um sich würdevoll zu verabschieden.
Ihre Überzeugung: "Leben ist kostbar - bis zum letzten Augenblick."

"Sterben und Tod - wie können wir damit umgehen?"
Darüber diskutiert Gisela Steinhauer heute von 9 Uhr 05 bis 11 Uhr gemeinsam mit Dorothea Becker und Andreas Dresen. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 00800 - 2254 2254 oder per E-Mail unter gespraech@dradio.de.

Informationen im Internet:

Zur Homepage Ricam Hospiz

Zur Homepage Deutscher Hospiz- und PalliativVerband


 
 

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