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15.12.2009
Welche Ergebnisse gibt es beim Klimagipfel für die Erde? (Bild: AP) Welche Ergebnisse gibt es beim Klimagipfel für die Erde? (Bild: AP)

"Jetzt kommen die richtig starken Spieler aufs Feld"

Dänemarks Energieministerin Friis zieht Halbzeitbilanz beim UNO-Klimagipfel in Kopenhagen

Lykke Friis im Gespräch mit Hanns Ostermann

Dänemarks Energieministerin Lykke Friis erwartet nicht, dass beim UNO-Klimagipfel in Kopenhagen ein rechtlich verbindliches Abkommen erzielt wird. "Das kann man einfach nicht schaffen", sagte Friis - und rechnet trotzdem mit Erfolgschancen.

Hanns Ostermann: Im Sport wäre das undenkbar. Da werden die Plätze eins bis drei nicht vergeben, weil die Teilnehmer nicht gut genug sind. Platz vier ist also die Spitze, und über die darf sich Brasilien freuen, gefolgt von Schweden, Großbritannien und Deutschland. Zu diesem Ergebnis kommt Germanwatch beim Klimaschutz-Index 2010. 57 Industrie- und Schwellenländer wurden da untersucht. Erfasst wurden dabei die Höhe der Emissionen, der Emissionstrend und die Klimapolitik.

Die Experten mögen darüber streiten, ob einzelne Platzierungen berechtigt sind; Fakt ist: Die Zeit drängt, will man den Klimagipfel in Kopenhagen einigermaßen erfolgreich beenden. Zäh bislang die Verhandlungen, auch wenn seit gestern die Umweltminister neuen Schwung in die Gespräche bringen wollen. Zu denen gehört auch die dänische Klima- und Energieministerin Lykke Friis. Guten Morgen, Frau Friis, oder good day!

Lykke Friis: Good day, guten Morgen!

Ostermann: Guten Morgen! Lassen Sie uns kurz, bevor wir auf die inhaltlichen Probleme zu sprechen kommen, über die heftigen Auseinandersetzungen auf den Straßen sprechen. Hätten Sie mit denen gerechnet?

Friis: Gerechnet und gerechnet. Aber es ist ja halt immer so, leider, muss man sagen jetzt, Randalierer suchen ja auch, ich meine, verschiedene Schaufenster, wo sie dann Aufmerksamkeit bekommen können, und das scheint ja hier leider auch der Fall zu sein. Aber ich muss sagen, wir hatten Samstag eine sehr, sehr große Demonstration, die sehr friedlich war, und deshalb würde ich auch sagen, bis jetzt, muss man sagen, hat die Polizei das im Griff.

Ostermann: Bei den politischen Gesprächen haben wir inzwischen die zweite Halbzeit. Sind Sie denn nun, was die Ergebnisse Kopenhagens betrifft, optimistisch oder eher pessimistisch?

Friis: Sie haben Recht, jetzt beginnt die zweite Halbzeit und das ist ja dann eine andere Sportart als Fußball, weil hier wechselt man die ganze Mannschaft aus. Jetzt kommen ja die richtig starken Spieler aufs Feld, das heißt die Staats- und Regierungschefs. Heute ist es so, dass fast 60 und morgen auch dann eintreffen in Kopenhagen, und dann fangen die Verhandlungen jetzt erst richtig an. Man kann sagen, die erste Halbzeit, das war halt der Anfang, und da kann man nicht erwarten, dass dort große Ergebnisse erreicht werden.

Ostermann: Aber wurden denn da nicht die entsprechenden Vorarbeiten geleistet? Dann hätte man auf diese erste Halbzeit verzichten können.

Friis: Nein. So ist es halt bei diesen internationalen Verhandlungen. Das braucht man. Man braucht natürlich auch, dass man jetzt auf Expertenebene sich da jetzt auseinandersetzt mit den ganz, ganz spezifischen Fragen. Das sehen wir ja auch. Und man braucht auch das Drama.

Man braucht das Drama auch zwischen den Entwicklungsländern und den USA, Europa und so weiter. Aber jetzt ist doch die Erwartung, jetzt spitzt sich alles zu und man wartet jetzt darauf. Heute fängt ja das High-Level-Segment an, wie man es so schön sagt. Das heißt, jetzt kommen die Minister, und dann geht es also erst richtig los.

Ostermann: Frau Friis, vieles spricht doch dafür, dass man sich auf ein rechtlich verbindliches Abkommen doch nicht einigen kann und will, denkt man an die USA und China, an Schwellenländer. Warum könnte die Klimakonferenz trotzdem möglicherweise zu einem Durchbruch führen?

Friis: Ja, da haben Sie ganz Recht. Das führt hier zu keinem juristisch verbindlichen Vertrag. Das kann man einfach nicht schaffen. Das hat man auch schon vor ein paar Wochen gesagt. Das heißt, man arbeitet jetzt ganz, ganz hart, dass man ein politisches Abkommen bekommt, aber ein politisches Abkommen, das ins Detail geht - das ist wichtig -, mit den Zahlen, mit den verschiedenen Reduktionszielen, mit Geld, mit Technologietransfer und halt auch einem Zeitrahmen dafür, wann man dann diesen politischen Vertrag in einen juristischen Vertrag umwandelt.

Das heißt, da muss man ganz, ganz scharf darauf schauen, wie das dann alles formuliert wird, und da muss man sagen, das wird ein riesiger Erfolg sein, wenn es gelingen sollte - und ich sage bewusst hier wenn -, die ganzen Staaten bei einem Klimavertrag mit ins Boot zu bekommen. Das hat man ja noch nie gehabt in der Welt. Das ist auch deshalb so, weil das so kompliziert ist, wenn jetzt auch die Amerikaner, die Chinesen, die Inder und so weiter dabei sind. Das wird dann halt die ganz große Herausforderung sein, ob das dann klappt am Schluss.

Ostermann: Weil es so kompliziert ist, ist es denkbar, dass es zwei Protokolle gibt? Für das eine könnten Europa, Russland, Australien stehen; die stehen dann für die Nachfolge des Kyoto-Abkommens. Und parallel gibt es dann etwas Neues, so etwas wie ein Kopenhagen-Protokoll.

Friis: Das ist noch ganz, ganz offen, würde ich sagen. Das kann man einfach noch nicht sagen. Das ist eines von den Themen, wo jetzt ordentlich verhandelt wird. Aber es ist ganz klar - das weiß man ja auch von Europa -, keiner möchte ja jetzt alleine dastehen und als einzige Region sich dann gebunden haben mit den Reduktionszielen.

Das muss man ja auch so sehen, dass heute schon die Amerikaner und die Chinesen stehen ja für 40 Prozent von den ganzen Emissionen. Das heißt, wir brauchen also ein globales Abkommen, dass auch die Welt das Ziel erreichen kann, also mit den zwei Grad. Das ist das ganz, ganz wichtige Ziel.

Ostermann: Und da scheint die Supermacht China einen Schritt nach vorne zu gehen. Aber andererseits lässt sich das Riesenreich nicht in die Karten schauen, weil Peking ankündigt, wir reduzieren zwar unsere CO2-Emissionen, überprüfen lassen werden wir das aber nicht. Ist das nicht in gewisser Weise so was wie eine Mogelpackung, oder ist der Begriff zu scharf?

Friis: Schauen wir mal, muss man da sagen. Da warten wir auch noch auf das Endspiel sozusagen. Aber es ist klar: Die ganze Debatte wird sich ja auch jetzt auch bald darum drehen, was macht Europa. Europa hat ja immer eine Vorreiterrolle gehabt bei Kyoto und Klimawandel, natürlich auch die Bundeskanzlerin hat eine ganz große Rolle gespielt, und jetzt muss man darauf schauen, wird Europa jetzt sich darauf einigen können, von 20 auf 30 Prozent zu gehen mit den Reduktionszielen. Da kommt es natürlich darauf an, was macht China, und ist man da sicher, dass China das dann auch so macht, dass man das überprüfen kann. Das ist auch ein Teil der Verhandlungen.

Ostermann: Und dann geht es natürlich auch ums Geld. Die Europäische Union hat sich darauf verständigt, auf 2,4 Milliarden Euro pro Jahr. Das kritisieren wiederum die Schwellenländer und weisen darauf hin, das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Dagegen lassen sich doch wohl kaum Argumente finden?

Friis: Ja. Da muss man sagen, die Herausforderung ist sehr riesig. Das ist klar. Ich meine, da könnte man immer mehr Geld gebrauchen. Ich habe jedenfalls gesehen, das war neulich beim Commonwealth-Gipfel, und da hat man sich eigentlich darauf geeinigt, dass die Europäer müssen 30 Prozent zahlen, die Amerikaner 30 Prozent und der Rest der Welt 30 Prozent, und das klappt dann einigermaßen mit dem Geld, worauf die Europäer sich geeinigt haben. Es ist aber klar: Diese Debatte ist auch ein Teil des Endspiels, es muss noch mehr Geld kommen. Aber ich muss ehrlich sagen, da haben die Europäer sich jedenfalls drauf geeinigt und haben jetzt das Geld auf den Tisch gelegt. Das, glaube ich, wird auch das Endspiel dann in Gang bringen können.

Ostermann: Die dänische Klima- und Energieministerin Lykke Friis. Frau Friis, ich wünsche Ihnen und den anderen eine gute Kondition und danke für das Gespräch.

Friis: Danke sehr. Gerne geschehen.


 
 

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