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21.01.2010
Michael Vesper, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes und ehemaliger stellvertretender Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen (Bild: AP) Michael Vesper, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes und ehemaliger stellvertretender Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen (Bild: AP)

Sportbund rechnet mit deutschen Erfolgen bei Winterolympiade

Generaldirektor Michael Vesper erwartet in Vancouver zugleich stärkere Konkurrenz

Michael Vesper im Gespräch mit Marietta Schwarz

Der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Michael Vesper, ist optimistisch, dass die deutsche Mannschaft bei den Olympischen Spielen in Vancouver den Titel als führende Sportnation verteidigen kann.

Marietta Schwarz: In drei Wochen beginnen die Olympischen Winterspiele in Vancouver, und wer zu den rund 150 Mitgliedern des deutschen Teams gehört, die dann nach Kanada reisen, das wissen wir morgen, da ist nämlich die abschließende Nominierung in Frankfurt am Main. Die Deutschen haben sich als erfolgreiche Wintersportnation einen Namen gemacht. Bei den letzten Spielen in Turin, da waren sie mit 29 Medaillen sogar die erfolgreichste Nation, und das soll nach dem Willen des DOSB, des Deutschen Olympischen Sportbundes, auch so bleiben. In Vancouver geht es aber nicht nur um Medaillen, sondern auch um ein Aushängeschild: München bewirbt sich um die Ausrichtung der Winterspiele 2018, und da werden zumindest auf informeller Ebene die Weichen in den nächsten Wochen in Vancouver gestellt werden. Es geht also um was, und darüber spreche ich mit dem Generaldirektor des DOSB Michael Vesper. Guten Morgen, Herr Vesper!

Michael Vesper: Schönen guten Morgen, Frau Schwarz!

Schwarz: Herr Vesper, der DOSB hat ja die Erwartungen ans deutsche Team noch mal angeheizt. Sie wollen den Titel als führende Nation behalten, und das, obwohl das Gastgeberland Kanada viel besser dasteht mit Medaillenbänken: beim Curling, Eishockey und Eisschnelllaufen - also, eigentlich doch vermessen, diese deutsche Ansage, oder?

Vesper: Na ja, wer den Titel gewonnen hat und also als Titelverteidiger anreist zu den Spielen, der will diesen Titel natürlich verteidigen. Aber Sie haben schon recht, die Konkurrenz ist sehr viel schärfer geworden, sehr viel stärker geworden. Die anderen Nationen haben stark aufgeholt und von daher ist es in der Tat sehr, sehr schwer, diesen Titel zu verteidigen, den es ja offiziell eigentlich gar nicht gibt - die Nationenwertung ist ja eine inoffizielle Messart -, und wir wären schon froh, wenn wir gewissermaßen auf dem Podium stünden, das heißt, ein Platz unter den ersten Dreien wäre auf jeden Fall ein Erfolg. Aber ich sage auch: Unsere Wintersportler sind sehr ehrgeizig und sie reisen nach Vancouver und nach Whistler, um wiederum die erfolgreichste teilnehmende Nation zu werden.

Schwarz: Ehrgeiz, vielleicht, aber sie schwächeln ja derzeit auch ein bisschen, wie man bei den deutschen Biathleten und Langläufern sehen kann. Claudia Pechstein ist wegen Dopings gesperrt, nichts läuft richtig rund, also, wer könnte denn deutsche Medaillen überhaupt holen?

Vesper: Ja, unsere Wintersportler haben auch früher schon gezeigt, dass sie halt das Geheimnis beherrschen, sich auf Wettkämpfe so vorzubereiten, dass sie auf den Punkt topfit sind. Das heißt, auch wenn es in der Tat jetzt in der unmittelbaren Vorbereitung auf Vancouver an manchen Stellen nicht so geklappt hat, wie wir uns das vielleicht gewünscht hätten und wie es eigentlich auch von der Rangfolge her richtig gewesen wäre, sind wir dennoch optimistisch, dass die Vorbereitung so gut funktioniert hat, dass jetzt in den kommenden Wochen bis zum Beginn der Olympischen Spiele, die am 12. Februar eröffnet werden, dass bis dahin die Formkurve weiter ansteigt, und unsere Sportlerinnen und Sportler, wie gesagt, auf den Punkt fit sind und dann ihre volle Leistung abrufen können. Also, ich denke, das sollte uns jetzt nicht nervös machen, dass nicht jeder Wettbewerb jetzt im unmittelbaren Vorfeld mit einem ersten oder zweiten Platz geendet hat.

Schwarz: Sie setzen also auf die Überraschung. Es gibt ja auch Sportler, Herr Vesper, die die Misserfolge auch auf mangelnde Förderung in den Disziplinen zurückführen. Die fragen sich, warum ein Jens Weißflog oder ein Sven Hannawald nie eine Antwort auf ihr Angebot bekommen haben, die deutschen Skispringer zu trainieren, und manch ein Biathlet aus dem Sauerland und Harz würde vielleicht groß rauskommen, wenn er noch eine Trainingsmöglichkeit vor der Haustür hätte. Also, werden da die sportlichen Potenziale vollends ausgeschöpft hierzulande?

Vesper: Doch, das würde ich schon sagen. Gerade im Wintersport ist die Vorbereitungsmöglichkeit ausgezeichnet. Anders als im Sommersport sind die Sportlerinnen und Sportler in den Wintersportdisziplinen enger konzentriert, sie trainieren sehr viel mehr zusammen, die Trainingsmöglichkeiten sind ja nicht so stark verteilt, wie das beim Sommersport der Fall ist. Und ich muss auch sagen, dass die Athleten, die in den Sportfördergruppen der Bundeswehr und der Bundespolizei sind, im Wintersport nun ganz besonders erfolgreich sind. In Turin waren etwa zwei Drittel aller Medaillengewinner Soldaten, Sportsoldaten, oder Sportpolizisten. Und das zahlt sich aus: Diese Vorbereitung, gerade mithilfe der Bundeswehr und der Bundespolizei, ist im Wintersport hervorragend.

Schwarz: Doping ist natürlich bei den Winterspielen auch ein großes Thema. Der DOSB lässt die Athleten eine Verpflichtungserklärung unterzeichnen. Aber was kann denn so ein Papier eigentlich, außer dem Verband ein gutes Gewissen verschaffen?

Vesper: Wir haben ein sehr detailliertes Anti-Doping-Management jetzt auch vor Vancouver wieder beschlossen. Ein Bestandteil ist, dass jeder nominierte Athlet, jede nominierte Athletin vor Vancouver noch einmal, mindestens einmal unangekündigt von der NADA kontrolliert wird. Wir haben Athletenvereinbarungen in der Tat geschlossen, nicht nur im Hinblick auf Doping, auch auf andere Dinge, aber natürlich auch auf Doping, wo die Athleten die Grundsätze noch einmal ausdrücklich anerkennen und akzeptieren, dass jeder Verstoß gegen diese Bestimmung zum sofortigen Ausschluss aus der Olympiamannschaft führt und dazu, dass Sanktionen verhängt werden, deren geringste die Rückzahlung der Entsendekosten ist.

Schwarz: Herr Vesper, kommen wir zum Schluss noch kurz auf München, es bewirbt sich ja für die Winterspiele 2018. Womit kann München punkten?

Vesper: München kann vor allem damit punkten, dass es mitten in einer ganz traditionellen Wintersportregion liegt, dass die Anlagen, auf denen die Wettbewerbe stattfinden sollen im Jahr 2018 - und sowohl die Eiswettbewerbe, also etwa Eishockey, Eisschnelllauf und Eiskunstlauf, als auch die Schneewettbewerbe, also der alpine Bereich - praktisch alle schon da sind, schon alle existieren und deswegen in München besonders wenig neu gebaut werden muss, besonders wenig Eingriffe in die Natur notwendig sind und dennoch kompakte Spiele möglich sind. Schauen Sie, das hat es noch nie gegeben, dass ein Olympiastadion gewissermaßen zum zweiten Mal genutzt wird für Eröffnungs- und Schlussfeier, dass die ganze Anlage, der ganze Olympiapark in München wiederverwendet wird für Wettbewerbe. Die Schwimmhalle wird die Halle fürs Curling, andere Hallen werden dann für den Eisschnelllauf genutzt. Und das ist, glaube ich, unser größtes Pfund, dass wir nicht neu Anlagen errichten müssen, dass wir nicht neu in die Berge hineinschneiden müssen, sondern dass wir auf Vorhandenem aufbauen können. Das ist das große Plus dieser Münchenbewerbung.

Schwarz: Michael Vesper, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes. Vielen Dank, Herr Vesper!

Vesper: Gerne!


 
 

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