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24.02.2006
Der SPD-Politiker Wolfgang Wodarg (Bild: spdfraktion.de) Der SPD-Politiker Wolfgang Wodarg (Bild: spdfraktion.de)

"Ich bin entsetzt darüber, dass man hier Geld für Blödsinn ausgibt"

SPD-Politiker Wodarg kritisiert geplante Bevorratung mit Medikamenten gegen Grippe-Epidemie

Der SPD-Gesundheitsexperte Wolfgang Wodarg hat die Vorsorge gegen eine Grippe-Epidemie in Folge der Vogelgrippe als übertrieben kritisiert. Da es die Krankheit noch nicht gebe, könne man auch nicht wissen, welche Tabletten dagegen im Ernstfall helfen würden, sagte Wodarg.

Der SPD-Gesundheitsexperte im Bundestag, Wolfgang Wodarg, warnte nach den Vogelgrippe-Fällen der vergangenen Tage vor einer Hysterie. Er sei auch von den jüngsten Funden toter Vögel in Süddeutschland nicht beunruhigt, sagte Wodarg im Deutschlandradio Kultur.

Bei der Vogelgrippe handele sich um eine Krankheit von Vögeln, die nur unter bestimmten Bedingungen auf den Menschen überspringe: "Es hat mit einer menschlichen Gefährdung der Allgemeinheit und mit einer Seuche für Menschen nichts zu tun." Die derzeitigen Maßnahmen gegen eine Ausbreitung der Krankheit halte er für übertrieben.

Zu dem Ziel der Politik, einen Medikamentenvorrat für 20 Prozent der Bevölkerung anzulegen, sagte Wodarg: "Ich bin entsetzt darüber, dass man hier Geld für Blödsinn ausgibt. Denn es ist wirklich so, dass man sich hier auf eine Krankheit mit Tabletten vorbereitet, und man weiß, dass es diese Krankheit für Menschen noch gar nicht gibt und man bei der Krankheit, die man noch gar nicht kennt, noch nicht weiß, ob diese Tabletten dann wirksam sein könnten." Es werde hier Geld für eine sehr fragwürdige Maßnahme ausgegeben. "Ich halte es für Wahnsinn und überzogen."

Wodarg vermutet im Hintergrund Machenschaften bei Pharma-Unternehmen, um am Verkauf patentgeschützter Mittel zu verdienen. Man müsse sehr genau Prüfen, ob hier aus wirtschaftlichen Gründen bewusst Panik geschürt werde und ob in die Vorgänge auch Politiker verstrickt seien: "Wenn es so ist, dass hier wirtschaftliche Interessen planmäßig dafür sorgen, dass Panik entsteht und dass hier Geld fließt, dann ist das ein Skandal sondergleichen."

Gleichzeitig forderte der Gesundheitsexperte, den Einsatz von Forschungsgeldern künftig sehr genau zu prüfen: "Ich hoffe, dass nicht diejenigen, die jetzt am lautesten schreien, jetzt große Institute bekommen, die man nachher nicht braucht." Es müsse in Ruhe diskutiert werden, wie die Gelder eingesetzt werden und was sinnvoll sei.


 
 

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