Nach Ansicht des Amsterdamer Ökonomie- und Politikprofessors Michael R. Krätke ist das Modell des Finanzkapitalismus amerikanischer Prägung mit der gegenwärtigen Finanzkrise zusammengebrochen. Krätke sagte, die Reaktion auf den Untergang des Mythos von der Überlegenheit des US-amerikanischen Finanzmarktsystems sei "eine Woge von Staatssozialismus der kuriosesten Art, die bisher niemand für möglich gehalten hätte".
Krätke verwies darauf, dass auch die Weltwirtschaftskrise der 30er-Jahre zunächst nur als Konjunkturkrise wahrgenommen worden sei. Er erwarte als "nächsten Akt in diesem Drama" eine Ausweitung der Krise auf Asien: "Wenn es dort dann die erste große Bankenkrise gibt, wird das sehr viel härter als in Europa, weil ein Großteil der Sicherungssysteme dort nicht existiert und Millionen von Sparern wirklich alles verlieren werden."
Karl Marx wäre über die gegenwärtige Finanzkrise jedenfalls nicht sonderlich überrascht gewesen, sagte Krätke. Marx' zentrale Kategorie für die Finanzmärkte sei die des "fiktiven Kapitals", so der Amsterdamer Professor, "Milliarden, die auf dem Papier stehen oder auf dem Bildschirm, die über Nacht auch wieder verschwinden können." Dabei finde keine reale Wertschöpfung statt. In der Loslösung spekulativer Preisbewegungen von der realen Wertschöpfung liege nach Marx' die zentrale Ursache für die Finanzkrise, so Krätke.
Das Gespräch mit Michael R. Krätke können Sie bis zum 1. März 2009 in unserem Audio-on-Demand-Angebot nachhören. MP3-Audio
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