Jackson Janes von der Johns Hopkins Universität in Washington sieht in der Kür von Barack Obama zum neuen US-Präsidenten eine wichtige Richtungswahl im 21. Jahrhundert. Sein Wahlsieg spiegele die amerikanische Fähigkeit wider, "neu zu denken und neue Wege zu gehen", sagte Janes.
Marcus Pindur: Wir wollen jetzt noch einmal in die USA schalten, und zwar zu Professor Jackson Janes von der Johns Hopkins University. Guten Morgen!
Jackson Janes: Guten Morgen!
Pindur: Der Stand der Dinge ist, dass es doch ein sehr klarer Sieg war, ein recht klarer Sieg für Barack Obama. Die Frage, die dahinter liegt, ist diese Wahl eher ein Reflex auf die Bush-Administration, oder ist da eine tiefe Veränderung in der amerikanischen politischen Landschaft zu sehen?
Janes: Das werden wir wahrscheinlich in den nächsten Tagen besser verstehen, aber ich glaube, eine tiefe Veränderung ist schon da. Vor allen Dingen viele Leute meinen, dass das Land natürlich auf einem falschen Pfad ist, wirtschaftlich gesehen, mit großen Herausforderungen, denen wir gegenüberstehen. Und es gibt den Wunsch, vielleicht eine Sehnsucht, vor allen Dingen aber ein Wunschdenken momentan, dass Obama uns natürlich aus dieser Wüste herausführen könnte. Ich glaube schon, dass es eine gewisse Bereitschaft gab, einen Mann wie Obama zu wählen. Im 21. Jahrhundert ist das wirklich eine ganz wichtige Richtungswahl, für viele politische Maßnahmen, aber es widerspiegelt auch die Fähigkeit in Amerika, neu zu denken und neue Wege zu gehen. Ich glaube, das sollte eine gewisse Anerkennung verdient haben.
Pindur: Ein Kommentator der "Washington Post" hat gestern geschrieben, der sogenannte Bradley-Effekt werde sich nicht materialisieren. Amerika sei bereits eine postrassische Gesellschaft. Hat sich das hiermit bestätigt?
Janes: Ich glaube schon. Ich meine, es gab natürlich und es gibt nach wie vor Leute, die rassistisch eingestellt sind, und das können wir nicht ausradieren und können wir nicht verleugnen. Aber diese Entscheidung mit 330 Wahlmännern und einer deutlichen Mehrheit gewonnen zu haben, ist für einen demokratischen Kandidaten beeindruckend. Diese Mehrheit haben wir seit 76 nicht mehr gesehen, das letzte Mal bei Jimmy Carter. Dieser Mann hat das verdient und ich glaube, insofern sind wir in Stück weiter.
Pindur: Was liegt jetzt vor dem nächsten Präsidenten? Kommen wir mal zu den Mühen der Ebene. Fangen wir bei der Innenpolitik an. Da ist ein Budget, das ziemlich ruiniert ist.
Janes: Ja. Das ist die allererste Aufgabe, die er hat. Er muss ja eigentlich Vertrauen ausbauen, so dass die Leute das Gefühl haben, dass es bergauf geht. Das wird nicht, wie er heute Abend sagte, in der ersten Amtszeit schon möglich sein, aber er muss ja anfangen. Meiner Meinung nach, wenn das angefangen wird, dann heißt das aber auch nicht nur zu Hause, sondern global. In den nächsten Tagen kommen einige europäische führende globale Köpfe hier nach Washington und sollten darüber reden, wie man diese wirtschaftliche Lage anpackt. Das ist eine umfassende Herausforderung, aber jeder erwartet, dass der Präsident, der neue Präsident dieses Problem an erster Stelle stellt. Das ist, glaube ich, für ihn als Präsident unheimlich wichtig in seinen ersten zwei Jahren im Amt.
Pindur: Jetzt haben die Demokraten die Mehrheit in beiden Häusern des Kongresses und in beiden Häusern eine relative komfortable Mehrheit. Aber können sie tatsächlich jetzt durchregieren, angesichts der Größe der Probleme? Müssen sie nicht auch die Republikaner einbeziehen, wenn es um so Dinge geht wie Ausgabenreduzierung, schmerzhafte Einschnitte im Budget machen, um eben den Haushalt wieder zu sanieren?
Janes: Das will ich schwer hoffen, weil ich glaube, dass die Politik der letzten acht Jahre oder auch dann davor gezeigt hat, dass eine Politik der Spaltung nicht funktioniert und auf Dauer nicht funktioniert. Hier brauchen wir grenzüberschreitende politische Zusammenarbeit, weil die Probleme sind viel größer als wir selber sind. Hier, meine ich, sind wir in einer Situation, wo auch die Demokraten, die auch immer wieder nicht in sich einig sind, mit der republikanischen Partei wirklich hart zusammenarbeiten. Das brauchen wir. Und dann sage ich noch mal zum Schluss: Barack Obama hat diese Gabe, wie ich glaube, diese Brücke zu schlagen.
Pindur: Lassen sie uns zum Schluss noch einen Blick auf die außenpolitische Seite werfen. Zwei Kriege gleichzeitig kosten derzeit die USA zehn Milliarden Dollar im Monat. Daran, hat Barack Obama gesagt, will er versuchen, recht schnell, so schnell es geht verantwortbar etwas zu ändern.
Janes: Ja. Die wichtige Phase war, "so schnell es geht". Ich glaube, hier muss er natürlich handeln je nach Ereignis, dort in Irak und vor allen Dingen auch in Afghanistan, wo er selbst eigentlich gesagt hat, da liegt der Schwerpunkt der Bekämpfung gegen den Terrorismus. Das ist eine schwierige Aufgabe, der er gegenübersteht. Das ist das erste Mal seit 40 Jahren, dass wir einen Präsidenten gewählt haben, der einen Krieg erbt. Das letzte Mal war 68. Insofern muss er mit den bestehenden Lagen handeln und so schnell von Irak abzuziehen und so schnell wieder neue Truppen in Afghanistan hineinzuschicken, das wird ein schwerer Balanceakt - notwendig vielleicht, aber unheimlich schwierig.
Pindur: Schwere Probleme, die vor Barack Obama liegen. Professor Jackson Janes, vielen Dank für das Gespräch.
Janes: Gern geschehen.
Das Gespräch mit Jackson Janes können Sie bis zum 5. April 2009 in unserem Audio-on-Demand-Angebot nachhören. MP3-Audio
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