Zum Inhalt
Zur Deutschlandradio Kultur-Startseite
 
nach oben
25.11.2008
Hausbau (Bild: AP) Hausbau (Bild: AP)

Club of Rome setzt auf Förderung neuer Technologien

Investitionen in Bildung statt staatliche Hilfe für Autoindustrie gefordert

Max Schön im Gespräch mit Jörg Degenhardt

Der Vorsitzende der deutschen Sektion des Club of Rome, Max Schön, hat sich dafür ausgesprochen, stärker auf neue Technologien zu setzen, die sich mit den Anforderungen des Klimaschutzes vereinen lassen statt auf staatliche Hilfe für die Autoindustrie. Schön sagte, es schaffe auch Arbeitsplätze, Häuser stärker mit Wärmedämmung auszustatten und Heizungen zu modernisieren.

Jörg Degenhardt: Deutschlands Autobauer, die stecken in der Krise, die einen mehr, die anderen weniger. Muss deswegen beim Klimaschutz auf die Bremse getreten werden? Ja sagen etwa die Regierungschefs von Bayern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und dem Saarland. Allesamt sind sie in der Partei von Frau Merkel. Sie befürchten, dass eine überzogene Klimaschutzpolitik Arbeitsplätze vernichtet. Die Bundeskanzlerin und CDU-Chefin sieht das anders. Sie gehört zu denen, die auf dem Parteitag der Christdemokraten am Anfang kommender Woche Ökonomie und Ökologie miteinander versöhnen wollen. Das dürfte beim gegenwärtigen Klima in der Partei keine leichte Aufgabe werden. - Dazu Fragen jetzt an Max Schön, den Vorsitzenden der Deutschen Sektion des Club of Rome. Der Club of Rome wurde 1968 gegründet. Die Organisation versteht sich als ein unabhängiger, weltweit agierender Katalysator für Veränderung. Sie wurde 1972 bekannt durch ihren Bericht über die Grenzen des Wachstums. Guten Morgen, Herr Schön!

Max Schön: Guten Morgen, Herr Degenhardt!

Degenhardt: Sie sind ja auch Unternehmer. Müssen strengere Regeln beim CO2-Ausstoß wie von der EU-Kommission gefordert gerade dann durchgesetzt werden, wenn es der Autobranche nicht wirklicht gut geht?

Schön: Ich glaube, wir sollten wirklich langfristig den Blick für die wichtigen Dinge behalten. Und das bedeutet, wenn wir das Klima stabilisieren wollen und gleichzeitig auch sehen, dass es ja bestimmte Branchen gibt, die da unheimlich profitieren, Deutschland ist Weltmarktführer bei der Windenergie geworden. Wir sind Technologieführer bei der Sonnenenergie geworden, bei der Speichertechnologie machen wir große Fortschritte. Dann wäre es jetzt das falsche Signal zu sagen, wir vertagen mal den Klimaschutz, die nächste Sturmflut interessiert uns nicht und stattdessen bauen wir wieder die alte Technik. Deswegen wäre ich auf jeden Fall dafür, das Ziel im Auge zu behalten und die Industrien wie jetzt Stahl, Aluminium, die besonders hart betroffen sind, auszunehmen. Das macht auch Sinn. Denn das sind energieintensive Branchen, die von selbst schon immer danach schauen, möglichst wenig Energie einzusetzen.

Degenhardt: Lassen Sie mich noch einmal einen Schritt zurückgehen. Laut Medienberichten gibt es bereits einen Kompromiss zwischen den wichtigsten EU-Staaten, wonach Autoflotten eines Herstellers künftig nur noch 120 Gramm Kohlendioxyd pro Kilometer ausstoßen dürfen. Allerdings soll der Grenzwert statt 2012 erst 2015 gelten. Fallen diese drei Jahre wirklich ins Gewicht?

Schön: Natürlich fallen sie ins Gewicht. Dann sollte man alternativ da drüber nachdenken, wenn man meint, man muss jetzt hier bei der Konjunktur die Zügel locker lassen für die Autobauer, wo man an anderer Stelle vielleicht mehr erreichen kann. Und das kann ja sehr sinnvoll sein, dass man die Dinge, die man auch schon eh vorhatte, nämlich dass wir stärker unsere Häuser dämmen, dass wir die Revolution im Heizungskeller machen, dass wir Solarkollektoren auf die Dächer setzen, dass man hier vielleicht dann mehr tut. Das schafft auch Arbeitsplätze, ist konjunkturstimulierend und gleichzeitig bleiben wir am Ziel CO2-Reduktion dran.

Degenhardt: Ich will aber noch mal bei der Autobranche bleiben. Was haben denn konkret die Arbeitnehmer davon, wenn die Klimaschutzziele erreicht werden, sie aber dabei möglicherweise ihre Arbeitsplätze verlieren?

Schön: Wenn wir nur pro Branche denken, werden die Probleme überhaupt nicht lösen. Ich glaube, dass zum Beispiel eine Branche, die noch viel mehr betroffen ist als die Autobauer, nämlich die Stahlindustrie und der Stahlhandel, genauso danach schreien könnten, sie möchten jetzt Konjunkturhilfen haben. Ich bin letzte Woche in Frankfurt, wo die meisten Banken stationiert sind, mit einem Taxifahrer gefahren. Der hat gesagt, unsere Branche hat jetzt schon 40 Prozent weniger Umsatz. Das gilt natürlich für den Standort Frankfurt. An anderen mag es mit den Taxen anders sein. Das macht die Sache ja so schwierig. An verschiedenen Standorten und auch an verschiedenen Branchen sind die Effekte unterschiedlich groß und die Politik möchte jetzt am liebsten, wie die Kanzlerin es sagte, punktgenau steuern. Ich glaube nicht da dran, dass das gelingen wird. Sondern wir müssen eigentlich langfristig das Richtige tun, kurzfristig hier und da stimulieren, können wir gerne machen, da bin ich gar kein Gegner von. Aber wir müssen die großen Ziele im Auge behalten, weil ansonsten die große Gefahr besteht, dass wir jetzt Aktionismus heraus zwar vielleicht kurzfristig die richtigen Dinge tun, aber langfristig die Ziele aus den Augen bleiben. Es gibt ja noch einen zweiten, ganz große Bereich, von dem ich glaube, da könnte man auch investieren und man könnte nichts falsch machen. Und dieser Bereich heißt Bildung. Der Bundespräsident hat sogar mal gesagt, die drei wichtigsten Bereiche heißen alle drei Bildung. Wenn wir jetzt in die Modernisierung von Schulen gehen, mehr Lehrer einstellen, die pfiffigen Köpfe unseres Landes jetzt in den Bereich mehr Bildung stecken, statt Produktion, machen wir langfristig sicherlich auch nichts falsch.

Degenhardt: Herr Schön, ich möchte noch mal auf das von Ihnen genannte Stichwort stimulieren zu sprechen kommen. Die Regierung des künftigen US-Präsidenten Obama plant ein Konjunkturpaket in Höhe von bis zu 700 Milliarden Dollar. Er will die US-Bürger in den kommenden zwei Jahren mit der Erneuerung von Brücken und Straßen, der Modernisierung von Schulen, aber auch mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien wieder in Arbeit bringen. Wäre eine ähnliche Ansage auch für Deutschland wünschenswert in dieser Größenordnung?

Schön: Ich finde das sehr wünschenswert. Ich meine, im Bereich Infrastruktur sind die USA sicherlich viel stärker hinterher, als wir das in Deutschland sind. Aber jetzt einfach zu sagen, wir haben bestimmte Dinge ohnehin vor, dann ziehen wir sie jetzt in das nächste Jahr vor, wo immer wir können, und schaffen damit eben einen Impuls für die Konjunktur. Das halte ich für richtig. Jetzt kurzfristig überall nur auf die Branchen zu gucken, heute ist es Opel, morgen sind es die Taxifahrer, übermorgen ein Stahlwerk, dann kommt die Aluminiumindustrie. Und so wird es ja immer, immer weitergehen. Das wird die Politik schlicht und ergreifend nicht leisten können. Wir nehmen uns da viel zu viel vor und werden anschließend die Leute doch enttäuschen müssen, wenn es dann in der 25. Branche auch die Sicherung durchknallt und wir sagen, ja tut mir leid, Container, das schaffen wir jetzt nicht mehr.

Degenhardt: Max Schön war das, der Vorsitzende der Deutschen Sektion des Club of Rome. Vielen Dank, Herr Schön, für das Gespräch!


Das Gespräch mit Max Schön können Sie bis zum 25. April 2009 in unserem Audio-on-Demand-Angebot nachhören. MP3-Audio


 
 

Mehr zur Sendung:

JETZT IM RADIO

Deutschlandradio Kultur

Seit 22:30 Uhr
Ortszeit
Nächste Sendung: 23:00 Uhr
Nachrichten

mehr

LIVE-STREAM

Deutschlandradio Kultur

Dokumente und Debatten mehr

AUDIO ON DEMAND

Beiträge zum Nachhören

Interview

ACTA-Abkommen - Interview mit Daniel Caspary (CDU)

Sendezeit: 11.02.2012, 07:49

Der Fall Chantal - wie können Pflegekinder besser geschützt werden ?

Sendezeit: 11.02.2012, 06:48

Die Zeit läuft ab: Wie kann der Atommüll in der Asse gesichert werden?

Sendezeit: 10.02.2012, 07:49

PODCAST

Radio zum Mitnehmen

Podcast: Sendungen

Podcast: Themen

PLAYER / RECORDER

dradio-Recorder
im Beta-Test:

 

KOOPERATIONSPARTNER

ARD-Logo und Link  ZDF-Logo und Link  Phoenix-Logo und Link