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13.12.2008
Der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch hofft auf eine Neubesinnung. (Bild: AP) Der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch hofft auf eine Neubesinnung. (Bild: AP)

Deutsche Bischofskonferenz: Die Gier hat fast alle erwischt

Vorsitzender Zollitsch sieht in der Bankenfinanzkrise Chance für Neubesinnung

Robert Zollitsch, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, hofft angesichts der Finanzkrise auf einen wirklichen Wandel in der Politik. Wichtig sei nicht nur, dass die Wirtschaft floriere, auch die soziale Seite müsse stets im Blick sein, sagte Zollitsch.

Die Krise sei so groß, dass nun etwas Neues in die Politik komme, sagte Zollitsch im Deutschlandradio Kultur. "Ich muss immer den anderen Menschen mit sehen, wenn ich etwas produziere, wenn ich Geld habe", forderte er. "Und ich muss immer wieder wissen, wem denn das Ganze dienen soll. Und das soll den Menschen dienen."

Man habe nun festgestellt, dass offensichtlich auch im Geschäft mit den Banken Glaube und Vertrauen wichtig seien, sagte Zollitsch: "Denn, wenn eine Bank der anderen nichts mehr ausleiht, dann fehlt tatsächlich das Vertrauen in sie."

Auch habe die Gesellschaft entdecken müssen, dass die Gier fast alle erwischt habe: "Wir waren doch alle in Versuchung zu überlegen, wie kann ich möglichst viel Geld machen. Und es ist schon interessant, wie viele meinten, man könne 15 oder 25 Prozent Rendite haben, ohne zu fragen, ja wer denn das erwirtschaften soll, wer das bezahlen soll, wo das herkommen soll."

Das was im Augenblick an Neubesinnung geschehe, führe hoffentlich auch zu einem wirklichen Wandel auf Weltebene, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. Diese Nachdenklichkeit, die er gerade in Europa erlebe, wünsche er sich auch in den USA und Schwellenländern wie Indien und China.

Politik sei immer die Kunst des Möglichen, aber es gebe auch Ziele, die über den Alltag hinausgingen, so Zollitsch. Daran zu erinnern, sei Aufgabe der Kirchen: "Deswegen sind wir auch immer ein Stück weit das Gewissen dieser Welt."

In der aktuellen Debatte um Sterbehilfe müssten die Kirchen ihre ablehnende Position unmissverständlich vertreten und auf die Grenze hinweisen, sagte Zollitsch. Gleichzeitig aber müsse man auch auf die positiven Möglichkeiten der Palliativmedizin hinweisen. Es sei viel wichtiger, dass ein Mensch an der Hand eines anderen Menschen sterbe, statt durch die Hand eines anderen Menschen. "Wir dürfen uns eben nicht zum Herrn über Leben und Tod machen."

Das vollständige Interview mit Robert Zollitsch können Sie mindestens bis zum 13. Mai 2009 in unserem Audio-on-demand-Angebot nachhören. (MP3-Audio)


 
 

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