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20.01.2013
Dustin Hoffman (Bild: picture alliance / dpa / Hubert Boesl) Dustin Hoffman (Bild: picture alliance / dpa / Hubert Boesl)

Bevor der Vorhang fällt

Dustin Hoffmans "Quartett" ist eine liebevoll altmodisch erzählte Komödie

Von Christian Berndt

Schauplatz des Films "Quartett" ist ein englisches Seniorenheim für Sänger und Musiker - Künstler, die in den Opernhäusern nicht mehr gebraucht werden. Ein Gefühl, das Regisseur Dustin Hoffman, der schon lange keine Hauptrollen mehr bekommt, gut kennt.

[Gesangsduo: "Have a little fun"]

George und Harry proben für den jährlichen Galaabend im "Beecham House", einem Alterssitz für ehemalige Opernsänger und Orchestermusiker. Das Konzert bringt Spenden zum Erhalt der Residenz ein. Für die Bewohner ist Musik immer noch Lebensinhalt, überall im Haus wird gesungen und musiziert. Und der einst gefeierte Operntenor Reggie engagiert sich, um Jugendlichen die Welt der Oper nahezubringen:

"Wenn ihr mich fragt, dann sage ich euch, dass die Oper schlicht und ergreifend der Ausdruck von all den Gefühlen ist, die wir in uns tragen, jeder von uns. Und jetzt, Joey, jetzt bist du dran. (Lachen) - Ja, zeig ihm, was du drauf hast."

Dann rappt der 16-jährige Joey los, und Reggie ist begeistert. Die Arbeit mit den Jugendlichen gibt ihm viel, er ist zufrieden - bis zu jenem Tag, an dem der frühere Opernstar Jean Horton einzieht.

"Die meisten unserer Bewohner sind im oberen Stockwerk. Das ist Sir Thomas Beecham, er war einer unserer größten Dirigenten. - Ja, ich weiß, wer er war. Er hat ein Vermögen geerbt, sein Großvater hatte Abführmittel hergestellt. Es passt wirklich erschreckend gut, ein Seniorenheim nach diesem Herrn zu benennen."

Jean Horton ist verbittert, aus finanzieller Not musste sie hier einziehen. Das Auftauchen der einstigen Diva verursacht ziemliche Aufregung in Beecham House. Vor allem bei Reggie, der früher kurze Zeit mit ihr verheiratet war und immer noch traumatisiert ist von der Trennung. Er will ihr aus dem Weg gehen, doch Cedric, der Regisseur der jährlichen Spenden-Gala, hat eine Idee: Für das Konzert will er beide zum gemeinsamen Auftritt überreden.

"Denken Sie mal an die Publicity. Wir haben vier der besten Sänger der englischen Operngeschichte hier. - Nein, nein, ich glaube nicht, dass ich wieder mit Jean singen will. - Reggie, ich weiß, Sie halten nicht viel von mir, doch wir könnten unser Überleben sichern mit diesem Konzert. - Das stimmt. - Sie könnten helfen, Beecham House zu retten, Reginald."

[Musik aus "La Traviata"]

Auch für Jean weckt der Gedanke schmerzliche Erinnerungen an bessere Tage. Dustin Hoffmans Regiedebüt "Quartett" ist eine liebevoll altmodisch inszenierte Komödie mit sehr melancholischem Unterton. Manchmal harmonieselig, dann wieder mit bewegenden Momenten, in denen spürbar wird, was Musik auslösen kann - sowohl bei jugendlichen Rappern als auch hoch betagten Sängern, für die jeder Auftritt der letzte sein kann.

Weiterer Beitrag auf dradio.de

Interview mit Alexander Soyez bzw. Dustin Hoffman: "Er ist einfach mit einer unfassbaren Neugier ausgestattet"


 
 

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