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09.06.2013 · 11:05 Uhr
Der britische Regisseur Peter Strickland auf dem 65. Filmfestival von Locarno (Bild: picture alliance / dpa / Urs Flueeler) Der britische Regisseur Peter Strickland auf dem 65. Filmfestival von Locarno (Bild: picture alliance / dpa / Urs Flueeler)

Liebeserklärung an das analoge Tonstudio

Der Psychothriller "Berberian Sound Studio"

Von Anke Leweke

Es ist ein Film voller Grauen, Gewalt, Ekel, Horror und Erotik. Aber die Zuschauer sehen all das nicht. Sie hören es nur. "The Berberian Soundstudio" ist ein Psychothriller, der den Zuschauer mit in die Wahnvorstellungen eines Tontechnikers im Italien der 70er-Jahre nimmt.

Ein langer, nicht enden wollender Flur. Ein Mann mit zwei Koffern. Eine seltsame Spannung liegt in der Luft. Es ist der Sound, der diese Spannung erzeugt. Die Schritte klingen fast überdeutlich. Dann ist doch noch diese Musik, die eigentlich nicht passen will, deshalb einen befremdlichen Effekt hat.

Es ist kein brutaler Mord passiert. Vielmehr befinden wir uns in einem italienischen Tonstudio in den 70er-Jahren. Hier soll der britische Toningenieur Gilderoy den passenden Sound für einen Horrorfilm erstellen.

Wir sehen eine Frau vor dem Mikrofon mit weit geöffnetem Mund, aus dem mehr als bedrohliche Geräusche kommen. Wir sehen Männer, die mit Messern Wassermelonen bearbeiten und sofort kommen einem blutige Bilder in den Sinn.

"The Berbarian Sound Studio" ist zunächst eine Hommage an die gute, alte analoge Technik. Als die Geräusche nicht aus der Konserve kamen, sondern noch mit viel Sorgfalt, Fantasie und Witz selbst produziert wurden. Die Kamera kann sich gar nicht satt sehen. An den Knöpfen, Reglern und Tonbändern.

Hommage an den italienischen Horrorfilm

Peter Stricklands Film ist aber auch eine Hommage an die italienischen Horrorschocker der 60er- und 70er-Jahre. Jedes noch so grausige Mittel war Regisseuren wie Mario Bava oder Dario Argento recht, um den Zuschauer in einen permanenten Gruselzustand zu versetzen. Auch wegen ihrer hyperrealistischen, auf Schock ausgerichteten Soundeffekte genießen deren Werke mittlerweile Kultstatus.

Hier muss jedoch kein Blut fließen, er lehrt uns auch so das Fürchten. Es sind die Töne, die hier einen eigenen - ziemlich unheimlichen, beklemmenden, spannenden - Film in unseren Köpfen entstehen lassen. Auch der Tontechniker fühlt sich in seinem Studio seines Lebens nicht mehr sicher. Was ist, wenn sich hinter den Geräuschen tatsächlich eine reale Gefahr verbirgt? Wenn hinter der Tür wirklich das Böse wartet? Fiktion und Wirklichkeit sind nicht mehr zu unterscheiden.

"The Berberian Soundstudio" ist ein Psychothriller, der den Zuschauer mit in die Wahnvorstellungen seines Helden nimmt.

Hören Sie hier das Interview mit den Regisseur Peter Strickland


Mehr zum Thema:

Horror im Kopf
Peter Stricklands Film "Berberian Sound Studio" (DLF)


 
 

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Liebeserklärung an das analoge Tonstudio

Sendezeit: 09.06.2013 11:08

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