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26.01.2010
Gesine Lötzsch und Klaus Ernst gelten als die Favoriten.  (Bild: AP) Gesine Lötzsch und Klaus Ernst gelten als die Favoriten. (Bild: AP)

Die linke Flucht nach vorn

Partei "Die Linke" plant neue Doppelspitze

Von Günter Hellmich, Landeskorrespondent Berlin

Es ist schon eine große Lücke, die Lafontaine in die Parteiführung der Linken gerissen hat. Die Dimension des Personalpakets, das über Nacht geschnürt werden musste, um das entstandene Loch zu stopfen, ist der letzte Beweis dafür, wie existenziell die Partei getroffen wurde.

Es ging bei der schnellen Nachfolgeregelung allerdings nicht nur darum, Leute zu finden, die künftig Oskar Lafontaines, Lothar Biskys und Dietmar Bartschs Arbeit machen. Viel wichtiger war für Gysi jetzt schnell ein Personaltableau aufzustellen, das von allen Flügeln akzeptiert wird. Bevor das entstandene "Vakuum", so hat er es ja heute selbst beschrieben, einen unbeherrschbaren Sog entfaltet. Dass die letzte Nacht von Landesfürsten und sonstigen Führungskräften ausgehandelte Kompromisslösung nun aber tatsächlich bis zum Parteitag Mitte Mai Bestand haben wird, ist noch nicht so sicher.

Gerade durch den Zuwachs im Westen, geht die Parteibasis sehr viel kritischer um, mit solchen von Führungskadern im Karl-Liebknecht-Haus beschlossenen Wegweisungen , als das in PDS-Zeiten üblich war. Auch wenn vorgeblich alle Strömungsinteressen getreu dem sozialistischen Pluralismus berücksichtigt wurden. Allein jene Satzungsänderungen, die nötig sind, um Gysis neues "Dreamteam" zu installieren, bieten wegen der erforderlichen Zweidrittelmehrheit auch Minderheiten einen Ansatzpunkt noch auf dem Parteitag Änderungen durchzusetzen.

Auch in ihrer Außenwirkung ist die heute verkündete Personalentscheidung ein Signal dafür , dass die LINKE ohne Lafontaine auf dem absteigenden Ast ist. Gerade weil Klaus Ernst und Gesine Lötzsch dem interessierten Publikum durchaus bekannt sind - könnten sie einem Vergleich mit ihren Vorgängern weder standhalten noch sind Entwicklungspotenziale sichtbar - wie etwa bei Dietmar Bartsch oder Bodo Ramelow.

Überhaupt ist das außerplanmäßige Festhalten an einer Doppelspitze, die jetzt noch auf die Position der Bundesgeschäftsführer ausgedehnt wurde ein Zeichen dafür das die Partei von ihrer beschworenen Einheit jetzt weiter entfernt ist, als bisher mit Oscar als Galionsfigur. Wenn die heute präsentierte Führungscrew der Linken im Mai vom Rostocker Parteitag tatsächlich so akzeptiert wird, dürfte es sich dabei um eine Übergangslösung handeln. Da werden Erinnerungen wach an die glücklose Amtszeit der PDS-Vorsitzenden Gabi Zimmer. Ach ja, mit der alten SED-Devise, "Vorwärts immer, rückwärts nimmer!" hat es ja schon bei Erich Honecker nicht geklappt.



 
 

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