In New York sorgt ein Plan des Landschaftsarchitekten James Corner für Aufregung. Der Wettbewerbssieger soll die ehemalige Müllkippe der Millionenstadt in einen Volkspark umwandeln. Mit Grünflächen, Wanderwegen und Restaurants. Ein Mammutunterfangen, das 30 Jahre dauern und New York mehrere Millionen Dollar kosten soll.
Vier riesige Hügel ragen über den Staten Island Expressway. Das ist Fresh Kills, die größte Müllkippe der Welt. Fünfzig Jahre lang litten die Anwohner unter ihrem Gestank. Vor vier Jahren wurde Fresh Kills geschlossen.
James Corner: Heute findet man diese surrealen Hügel in einer wunderschönen Moorlandschaft, durch die sich wunderschöne Flüsschen schlängeln, auf denen sich das Sonnenlicht spiegelt. Es ist niemand da. Es ist totenstill. Alles scheint zu schlummern.
James Corner ist ein Landschaftsarchitekt in Manhattan. Der 44-Jährige mit den kurzen Borstenhaaren hat den Zuschlag bekommen, Fresh Kills in eine blühende Landschaft umzuwandeln. Wo sich Berge von Müll stapeln, sollen Schmetterlinge flattern und Kinder spielen. Ihre Spielstätte wird dreimal so groß wie der berühmte Central Park in Manhattan.
James Corner: Es soll Restaurants und Märkte und Feste und kulturelle Annehmlichkeiten und Kunstateliers geben. Da würden sich die meisten Leute treffen und parken. Das ist im Herzen der Sehenswürdigkeit.
Wer mit dem Fahrrad über Fresh Kills fahren will, muss Geduld haben. Die ersten Gebiete sollen zwar in einigen Jahren fertig sein - doch Landschaftsarchitekt Corner braucht 30 Jahre, um die gesamte Müllhalde in einen freundlichen Volkspark mit Wanderwegen und Fußballplätzen zu verwandeln.
James Corner: Es ist bei weitem das größte und komplizierteste Projekt, das wir im Büro haben.
1948 wurde Fresh Kills, übersetzt heißt das etwa neue Quellen, eröffnet. Täglich lieferte die Müllabfuhr hier den New Yorker Dreck ab. In fest verschlossenen Plastikkammern verrotten heute insgesamt zwei Milliarden Tonnen Müll. Als die Kippe im März 2001 stillgelegt wurde, waren 70 Meter hohe Müllberge entstanden. Sechs Monate später war sie wieder offen - denn nach dem Terror-Anschlag auf das World Trade Center wurden 1,3 Millionen Tonnen Schutt und Asche nach Fresh Kills geschafft.
Peter Reed: Schutt und menschliche Überreste findet man auf dem Gipfel eines der Berge. Jetzt hat der Ort noch eine weitere Bedeutung. Die Bedeutung einer Gedenkstätte. Es ist fast ein geweihter Boden.
Sagt Peter Reed, ein Kurator beim Museum of Modern Art in Manhattan. Er hat Fresh Kills als eine von 23 zeitgenössischen Landschaften ausgewählt, die zurzeit im MoMa ausgestellt werden. Im nächsten Jahr kommt die Ausstellung zur Zeche Zollverein in Essen.
Peter Reed: Wir leben in einer Welt, in der viele Orte, egal ob Stahlwerke, Militärflughäfen oder Müllkippen, neu gestaltet werden.
Beeinflusst wurde Corner von dem deutschen Landschaftsarchitekten Peter Latz, der ein Stahlwerk in den Landschaftspark Duisburg Nord umgewandelt hat. Die beiden Männer kennen sich gut: Latz unterrichtet an der Universität von Pennsylvania in Philadelphia, wo Corner die Landschaftsarchitekturabteilung leitet.
Peter Reed: Man könnte sagen, dass alles im Ruhrgebiet angefangen hat. Duisburg Nord ist wahrscheinliche eines der wichtigsten Landschaftsprojekte der letzten zwanzig Jahre.
Oft sind die geschundenen Orte nur noch als Parks zu gebrauchen. Fresh Kills ist so labil, dass seine Berge in den nächsten Jahren um 15 Prozent schrumpfen könnten. Schwere Gebäude könnten im Müll versinken. Verursacht wird das Schrumpfen hauptsächlich durch Methan-Gas, das aus dem faulenden Abfall entweicht.
Davon lässt sich Corner nicht stören. Lieber denkt er darüber nach, wie er der Landschaft neues Leben einhauchen kann. Zum Beispiel mit mehr Erde über den riesigen Plastikbehältern, damit Hecken und Büsche auf ihnen wachsen können. Seine Lösung kostet nicht viel und sieht obendrein noch gut aus.
James Corner: Traktoren umkreisen die Berge, bestellen die Erde und säen schnell wachsende Feldfrüchte wie Senf und Gerste und Braunkohl. Alle drei Monate wird die Ernte mit der Erde vermischt. So wird sie in organisches Material umgewandelt.
Eine Gedenkstätte für die Opfer des 11. September hat er auch schon geplant. Zu Ehren der Toten schneidet Corner die Fassaden der beiden Türme in den Berg, auf dem die menschlichen Überreste liegen.
James Corner: Es ist ein Erlebnis, durch die Türme zu gehen. Es dauert zehn bis fünfzehn Minuten, einen Turm hinaufzusteigen. Dann den anderen. Wenn man oben ist, sieht man die Südspitze Manhattans.
Dort haben die zerstörten Türme früher gestanden. Corner will Park-Besucher an ihre enormen Ausmaße erinnern. Fresh Kills ist eine der wenigen Gegenden, die so gigantisch ist, dass er das kann.
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