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27.07.2010
Lukasz Borowicz (Bild: Piotr Sobkowicz) Lukasz Borowicz (Bild: Piotr Sobkowicz)

Singende Schwalbe und verliebter Löwe

Lukasz Borowicz dirigiert Warschauer Wiederentdeckung

Es ist und bleibt ein großes Rätsel, wieso der Komponist Szymon Laks sich ausgerechnet mit einer kurzen Opera Buffa aus dem Musikleben verabschiedete. Laks wurde 1901 in Warschau geboren, ging nach Paris, wurde von dort nach Auschwitz deportiert und überlebte das Vernichtungslager als musizierendes und komponierendes Mitglied der Lagerkapelle.

Nach der Befreiung aus dem KZ Dachau ging Laks zurück nach Paris, wo er ein unspektakuläres Leben als Schriftsteller und Komponist führte. Er schrieb viele verschiedene Werke, darunter 1965 die unterhaltsame Kurzoper "L'Hirondelle inattendue" (Die unerwartete Schwalbe - auf Polnisch heißt das Werk allerdings Die obdachlose Schwalbe). Im Jahr 1968 verstummte Laks musikalisch für immer - vor allem der Sechstage-Krieg in Nahost und die darauffolgende antisemitische Hetzkampagne in seiner polnischen Heimat schockierten Laks nachhaltig.

Seine Opera bouffe wurde nie aufgeführt, erst letztes Jahr entdeckte man sie in Marseille beim Festival Musiques Interdites wieder. Nun gab es am 13. Juni die polnische Erstaufführung dieses bunten, kurzweiligen und zugleich tiefsinnigen kleinen Musikdramas um eine Schwalbe, die eigentlich eine Prostituierte ist, und ihr Eindringen in das Paradies der berühmten Tiere. Die Schwalbe kann nichts anderes als ihr Lied, das Chanson "l'hirondelle du Faubourg", singen. Bei den echten Tieren erntet sie damit nur Unverständnis. Doch am Ende singen alle dieses Chanson. Szymon Laks feiert in dieser Kurzoper den Triumph der Musik, den Triumph seines Überlebens.

Das Warschauer Radiosinfonieorchester ergänzt diese denkwürdige Wiederentdeckung durch zwei weitere Stücke eines anderen emigrierten polnischen Komponisten, durch das späte Präludium für Orchester und die Ballettsuite "Der verliebte Löwe" von Karol Rathaus. Rathaus wurde 1895 in Tarnopol geboren, studierte in Wien und in Berlin bei Franz Schreker und floh vor den Deutschen in die USA. Auch er konnte nach 1945 an seine Erfolge in den 30er Jahren nicht mehr anknüpfen. Mit seinem sinfonischen Stil konnte Rathaus ebenso wenig wie Laks, Aleksandar Tansman oder Erich Wolfgang Korngold die musikalische Vorherrschaft der Nachkriegsavantgarde brechen. Nun ist es Zeit, der wertvollen Musik von Karol Rathaus und Szymon Laks Gehör zu verschaffen.

Im Verlauf der Konzertsendung geben der Dirigent Lukasz Borowicz und der Laks-Experte Frank Harders-Wuthenow Auskunft zu Leben und Werk der beiden Komponisten.



Lutosławski Studio des Polnischen Rundfunks
Aufzeichnung vom 13.6.10


Karol Rathaus
Prelude for Orchestra
Suite aus dem Ballett "Le lion amoureux"

ca. 20:45 Uhr Konzertpause mit Nachrichten

Simon Laks
"L'Hirondelle inattendue" (Die unerwartete Schwalbe)
Opéra-bouffe in einem Akt

Le Journaliste - Kévin Amiel
Le Pilote - Patrick Agard
La Colombe de l'arche de Noé - Eduarda Melo
La Tortue d'Eschyle - Eugénie Danglade
Le Serpent de l'Eden - Grzegorz Pazik
L'Ours de Berne - Daniel Borowski
L'Hirondelle - Ute Gfrerer
Procné - Sandrine Eyglier
La Voix du Ciel - Cyril Rovery
L'Hirondelle 2 - Agnieszka Makówka
Les Oies du Capitole - Agnieszka Makówka, Anna Karasinska, Katarzyna Trylnik
Orchester des Polnischen Rundfunks Warschau
Leitung: Lukasz Borowicz


 
 

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