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25.08.2009
Darius arbeitet für eine amerikanische Informatik-Firma. (Bild: Stock.XCHNG / Daniel V.) Darius arbeitet für eine amerikanische Informatik-Firma. (Bild: Stock.XCHNG / Daniel V.)

Essen, Trinken, Internet

Terézia Mora: "Der einzige Mann auf dem Kontinent", Luchterhand Verlag, München 2009, 379 Seiten

Eine Woche im September 2008: Der knapp 43-jährige, aus Ostdeutschland stammende Darius Kopp durchlebt Tage, die seine private und seine berufliche Existenz ins Wanken bringen.

Nichts konnte den mit einer "optimistischen Natur" und sattem Übergewicht ausgestatteten Informatiker und Cappuccino-Liebhaber zuvor aus der Ruhe bringen. Mit seiner aus Ungarn stammenden Frau Flora, die in der Filmbranche reüssieren möchte und als Kellnerin jobbt, lebt er in einer angenehm ausgestatteten Berliner Maisonette-Wohnung und als Alleinvertreter für das deutschsprachige Mittel- und Osteuropa der amerikanischen Firma "Fidelis Wireless" scheint er seine Schäfchen im Trockenen zu haben.

Doch just in dieser Septemberwoche beginnen die Dinge aus dem Ruder zu laufen: Der Leasingvertrag seines Geschäftswagens läuft aus, seine Mutter bildet sich ein, beide Beine verloren zu haben, die sensible Flora zieht aus und nicht zuletzt droht seine Fidelis-Position als "einziger Mann auf dem Kontinent" untergraben zu werden.

Als ihm ein dubioser armenischer Geschäftspartner eine Teilzahlung von 40.000 Euro bar in einem Paket zukommen lässt, versucht Darius vergeblich, seine Vorgesetzten in London und Kalifornien zu erreichen. Das Unternehmen scheint im Nirwana zu versinken, ist weder per Mail noch per Telefon zu erreichen und läuft Gefahr, von einem Mitbewerber übernommen zu werden.

Spätestens in diesen Passagen gewinnt Terézia Moras Roman eine leicht surreale Note, auf die schon am Anfang, als Flora Marlen Haushofers "Die Wand" liest, angespielt wird. "Der einzige Mann auf dem Kontinent" ist ein leichtfüßiger, oft sehr witziger Roman, der mit aktuellen Ängsten spielerisch umgeht und gerade dadurch viel über diese Ängste aussagt.

Darius, weder große Nummer noch Loser, durchleidet seinen Alltag, der weitgehend aus "Essen, Trinken, Internet" besteht, in einer oft selbstironischen Art und Weise, die man allenfalls aus Martin-Walser-Romanen kennt.

Moras Stil passt sich dem bestens an: schnelle Wechsel von Tempus und Perspektive, Selbstkommentare der Erzählerstimme, sehr wahre Alltagsbeobachtungen ("In der eigenen Dusche wird man doch sauberer") und rührend-komische Momente, wenn der Flora suchende Darius im Wald mit einem Reh konfrontiert wird ("Standen beide mit klopfendem Herzen da: Kopp und das Reh"), machen den "Einzigen Mann auf dem Kontinent" zu einem intelligenten, unterhaltsamen Zeit- und Liebesroman, an dessen sympathisch lässiger Haltung sich viele von Moras Kollegen etwas abschauen könnten.

Besprochen von Rainer Moritz

Terézia Mora: Der einzige Mann auf dem Kontinent
Luchterhand Verlag, München 2009
379 Seiten, 21,95 Euro


 
 

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