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19.10.2009
1970 war das Jahr, in dem Kuba die abgehackten Hände des Che zurückbekam. (Bild: AP) 1970 war das Jahr, in dem Kuba die abgehackten Hände des Che zurückbekam. (Bild: AP)

Porträt einer zornigen Generation

Alma Guillermoprieto: "Havanna im Spiegel", Berenberg Verlag, Berlin 2009 400 Seiten

Anhand persönlicher Erinnerungen zeichnet die mexikanische Journalistin Alma Guillermoprieto in "Havanna im Spiegel" das Bild einer Generation, die in Lateinamerika in den 60er- und 70er-Jahren in den politischen Kampf zog und darin unterging.

Die Mexikanerin Alma Guillermoprieto ist in Amerika - in beiden Amerikas -bekannt als profilierte und engagierte Journalistin. Ihre Reportagen und Analysen der Ereignisse in Lateinamerika, geschrieben mit einem genauen Blick für Details des täglichen Lebens wie für die großen politischen Linien, erscheinen unter anderem in der "New York Review of Books" und der "New York Times".

Die Anfänge ihres beruflichen Werdegangs liegen in Havanna im Jahr 1970. Damals war Alma Guillermoprieto eine ehrgeizige, junge Tänzerin, die in New York bei Martha Graham und Merce Cunningham studiert hatte und mit 21 Jahren das Angebot annahm, an der staatlichen kubanischen Kunsthochschule Modern Dance zu unterrichten. Diese Monate in Havanna waren entscheidend für ihr weiteres Leben: Sie bedeuteten eine schwere innere Krise und die führten letztlich zur beruflichen Umorientierung.

Knapp 35 Jahre später betrachtet nun die gestandene Reporterin in diesem Buch ihr unsicheres junges Selbst von damals, die historischen Ereignisse, die Menschen, das Land, die Gefühle im Spiegel der Erinnerung und fragmentarischer Zeugnisse.

1970, das war das Jahr, in dem Kuba die abgehackten Hände des Che zurückbekam; das Jahr, in dem die große Zuckerrohrernte, die Kubas wirtschaftliche Eigenständigkeit gegenüber der Sowjetunion hätte bringen sollen, scheiterte. Es war das Jahr, in dem Salvador Allende in Chile zum Präsidenten gewählt wurde und überall in Lateinamerika studentische Guerillagruppen gegen die bitteren alten Zustände anzurennen versuchten.

Die kleine Tänzerin Alma, die sich immer nur für Kunst und Avantgarde interessiert hat, konfrontiert sich hier zum ersten Mal mit den politischen Realitäten. Und so sehr ihr Herz für die Armen und Unterdrückten, für die tapferen Vietnamesen und Guerilleros zu schlagen beginnt, so sehr wächst auch ihre Ambivalenz gegenüber der Revolution und ihren Bannerträgern. Die schweren Lebensumstände der Kubaner unter der Mangelwirtschaft, ihr Stolz und ihr Spott, die Borniertheit der Funktionäre und die Arroganz der Kämpfer, das allgegenwärtige antikulturelle Ressentiment, all das addiert sich zu der großen Frage, die sie an ihr eigenes Leben stellen muss: ob sie denn angesichts des Elends in der Welt und des revolutionären Auftrags, es zu beseitigen, Tänzerin sein kann. Und ob diese Revolution wirklich das Ziel der Menschheitsträume ist.

In Guillermoprietos sehr authentischem Spiegelbild sieht man, dank der klugen Mischung aus später gewonnener Kenntnis und jugendlicher Emotionalität, das Bild einer fragenden und zornigen Generation, die - nicht nur, aber vor allem in Lateinamerika - in den politischen Kampf zog und darin unterging.

Besprochen von Katharina Döbler

Alma Guillermoprieto, Havanna im Spiegel
Eine Erinnerung an die Revolution
Aus dem Spanischen und Englischen von Mathias Wolf, Berenberg Verlag, Berlin 2009. 245 Seiten, 19,90 EUR


 
 

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Kritik: Belletristik: Alma Guillermoprieto, Havanna im Spiegel, Berenberg Verlag

Sendezeit: 19.10.2009 10:33

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