Zum Inhalt
Zur Deutschlandradio Kultur-Startseite
 
nach oben
26.11.2009
Horror ohne Ende (Bild: Stock.XCHNG / Brano Hudak) Horror ohne Ende (Bild: Stock.XCHNG / Brano Hudak)

Stadt unter Glas

Stephen King: "Die Arena”, Heyne Verlag München, 2009, 1280 Seiten

Im Jahr 2012 stülpt sich eine unsichtbare Glocke über eine amerikanische Kleinstadt und schneidet sie von der Umwelt ab. Der erschütternde Roman "Die Arena" von Stephen King beschreibt, wie Macht und Gewalt in diesem Mikrokosmos blühen.

Als Englischlehrer verdiente er so wenig, dass er zusätzlich nachts in einer Wäscherei arbeiten musste. Dann begann er, Romane zu schreiben, die kein Verlag in den USA wollte. Im Jahr 1972 fischte seine Frau wieder einmal eines seiner Manuskripte aus der Mülltonne und überzeugte ihn, den Roman zu vollenden. 1973 wurde er veröffentlicht, sein Titel "Carrie".

Der Name des Autors: Stephen King. Kings heutiges Jahreseinkommen liegt bei geschätzten 30 Millionen Euro, die Gesamtauflage seiner Romane beträgt weltweit über 400 Millionen Exemplare, womit er auf Platz 5 der ewigen Bestsellerliste steht, nach Harry Potter, der Bibel, dem Koran und "Pu der der Bär". Über 50, die Nerven des Lesers strapazierende Romane hat er geschrieben, zu seinen bekanntesten gehören sicherlich "Carrie", "Shining", "Friedhof der Kuscheltiere" und "Es".

Kings neuer Roman trägt den deutschen Titel "Die Arena", englischer Originaltitel "Under the dome" (Unter der Kuppel), denn an einem 21. Oktober, einem Samstag des Jahres 2012, exakt um 11.44 Uhr, stülpt sich ein unsichtbare Glocke wie eine Glaskuppel über eine amerikanische Kleinstadt namens Chester's Mill und schneidet sie von der Umwelt ab. Die Stromzufuhr wird unterbrochen und Straßen und Luftraum sind unpassierbar. Niemand weiß, was passiert ist: sind Außerirdische gelandet? Handelt es sich um ein geheimes Experiment der Regierung? Oder sind Terroristen am Werk?

Wie auch immer: die Kleinstadt Chester's Mill wird zu einer Arena menschlicher Verhaltensweisen, zu einer Arena für den Kampf zwischen Gut und Böse. Kriminelle Stadtpolitiker und christliche Fundamentalisten, - die die größte Drogenküche für harte Drogen betreiben, die es je in den USA gegeben hat -, versuchen, die Ausnahmesituation zu nutzen, um eine Naziherrschaft zu errichten.

"Die Arena" ist ein politischer Roman. Was nicht überrascht. Stephen King war immer schon ein politischer Schriftsteller. Hinter den oberflächlichen Genrezuweisungen Horror, Science-Fiction und phantastischer Realismus bzw. Phantastik lassen sich oft Autoren finden, die ihre politischen Romane nur literarisch verkleidet haben wie zum Beispiel der Phantastikautor Ray Bradbury, den King in "Die Arena" als einen der größten Erzähler Amerikas preist. Stephen Kings sogenannte Horrorliteratur war immer schon gesellschaftskritisch, - allerdings scheint King in seinen Aussagen immer radikaler zu werden: ein Thema in "Die Arena" ist der Krieg im Irak.

Im Nachwort sagt Stephen King, er habe versucht, einen Roman zu schreiben, in dem das Gaspedal ständig durchgetreten bleibt. 1280 Seiten. Horror ohne Ende, kaum Überlebende und über 1600 Tote, aber King protokolliert den Horror, er badet nicht in ihm, und er persifliert das Horrorgenre, was ihn so positiv von Legionen anderer Horrorschriftsteller unterscheidet. Also trotz der über 1600 Leichen darf auch gelacht werden.

Die Lektüre hinterlässt beim Leser tiefe Erschöpfung und das Glücksgefühl, schlicht: zu leben. Dagegen sind die neuen Thriller von Frank Schätzing und Dan Brown kalter Kaffee.
Warum? "Die Arena" ist kein gruseliger Allerweltsthriller, sondern ein moralischer und politischer Appell an die Menschen von heute, an uns, uns gegen jede Form von Machtmissbrauch zu wehren. Ein genialer wie erschütternder Roman.

Besprochen von Lutz Bunk

Stephen King: Die Arena
Aus dem Amerikanischen von Wulf Bergner
Heyne Verlag München, 2009
1280 Seiten, 26,95 Euro



 
 

Mehr zur Sendung:

JETZT IM RADIO

Deutschlandradio Kultur

Seit 02:05 Uhr
Tonart
Nächste Sendung: 05:00 Uhr
Nachrichten

mehr

LIVE-STREAM

Deutschlandradio Kultur

Dokumente und Debatten mehr

AUDIO ON DEMAND

Beiträge zum Nachhören

Kritik

Sachbuch: "Nur Egoismus kann das Klima retten"

Sendezeit: 12.02.2012, 11:33

Kritik: "Große Erwartungen" von Charles Dickens, Hanser, München 2011

Sendezeit: 11.02.2012, 11:32

Buchempfehlung Feb.: "Die Austreibung des armenischen Volkes" v. A.T. Wegner

Sendezeit: 10.02.2012, 16:34

PODCAST

Radio zum Mitnehmen

Podcast: Sendungen

Podcast: Themen

PLAYER / RECORDER

dradio-Recorder
im Beta-Test:

 

KOOPERATIONSPARTNER

ARD-Logo und Link  ZDF-Logo und Link  Phoenix-Logo und Link