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11.06.2013
Der böse Wolf ist auch in "Das Gold des Hasen" böse - aber er gewinnt am Ende dann doch nicht.  (Bild: picture alliance / dpa / Ronald Wittek) Der böse Wolf ist auch in "Das Gold des Hasen" böse - aber er gewinnt am Ende dann doch nicht. (Bild: picture alliance / dpa / Ronald Wittek)

Angsthase und böser Wolf

Martin Baltscheit/Christine Schwarz, "Das Gold des Hasen", Verlag Beltz und Gelberg, Weilheim 2013, 46 Seiten

In diesem Buch für Kinder ab 5 Jahren ist nichts so, wie man es erwartet: Der böse Wolf gewinnt das Erbe des Hasen, weil er erfolgreich den größten Angsthasen des Waldes spielt. Nur, um dann hinterher feststellen zu müssen, dass er tatsächlich Angst hat.

Schon das Umschlagbild wirkt fremd und geheimnisvoll: Ein Hasenkopf im Profil, in dessen riesig-runden schwarzen Auge spiegelt sich ein fensterförmiger Lichtreflex spiegelt. Dazu düstere Hintergrundfarben, der starre Blick des Tieres und eine krakelige Schrift - all das zieht einen fast schon magisch in diese kuriose Geschichte.

Der Hase, der zeitlebens ein Angsthase war, stirbt und er hinterlässt eine Truhe voller Gold. Dazu ein Testament, in dem er sein Geld dem größten Angsthasen im Wald vermacht. Alle Tiere - Eule und Schlange, Mäuse und Hühner, Fisch und Fliege - überbieten sich nun gegenseitig an Angstvorstellungen. Statt der im Märchen üblichen Prahlereien mit Heldentaten kommen nun alle nur möglichen Feigheits-, Panik-, Schreckens- und Bammelgeschichten aufs Trapez. Bis sich der böse Wolf überraschend als der wahre Angsthase entpuppt und den Schatz zugesprochen bekommt. Womit alle bekannten Erwartungen auf den Kopf gestellt werden.

So weit, so witzig! Doch es kommt noch besser: Der böse Wolf - wir ahnten es ja schon - ist und bleibt ein gemeiner Heuchler und Betrüger. Triumphierend lacht er über die dummen Tiere, die ihm geglaubt haben. Doch wer zuletzt lacht, lacht am besten: Denn am Schluss lernt der Wolf die schlimmste Angst kennen. Die Angst, niemandem mehr trauen zu können. Womit der Gerechtigkeit wiederum Genüge getan ist.

"Das Gold des Hasen" bezieht sich in vieler Hinsicht auf Märchen. Der Erzählton mit seinem gemächlichen "Es war einmal", bekannte Tierrollen, Motive und Sprachbilder lassen zunächst ein ganz normales Bilderbuch mit eindeutigem Gut und Böse erwarten. Doch Baltscheit/Schwarz schlagen viele scharfe Haken. Bis zum Schluss gibt es unerwartete Pointen und Wendungen! Hasenfell und Wolfpelz werden kräftig gegen den Strich gebürstet.

So ungewöhnlich Martin Baltscheits Geschichte ist, so bizarr sind auch Christine Schwarz' Illustrationen. Alle Tiere wirken wenig Vertrauen erweckend, zappeln, zischen, schluchzen und schreien in mal unheimlichen, dann grotesken Haltungen. Und so tragen die Bilder zum hintergründigen Text eine mal bizarr-dramatische, dann immer wieder auch komische Dimension mit bei. Wie der Wurm an der Angel hängt oder die Eule die Eintagsfliege frisst, wie der Fisch hinterhältig grinst und der böse Wolf sich ängstlich duckt - das ist großartig!

Gut, dass dies Bilderbuch erst für Fünfjährige empfohlen ist. Sie werden - gerade auch im Gespräch - die Doppel- und Dreifachbödigkeit der Geschichte erkennen, keine Angst haben, aber ihren Spaß. Die erwachsenen Betrachter übrigens genauso!

Ende gut, alles schlecht? Für den Wolf gilt das allemal. Und die Moral von der Geschicht'? Keine Ängste zu haben, das gibt es eben nicht. Wie beruhigend!

Rezensiert von Sylvia Schwab

Martin Baltscheit/Christine Schwarz: "Das Gold des Hasen"
Verlag Beltz & Gelberg, Weilheim 2013
46 Seiten, 14,95 Euro
ab 5 Jahren



 
 

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Kritik: "Das Gold des Hasen" von Martin Baltscheit und Christine Schwarz

Sendezeit: 11.06.2013 10:33

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