"TraumHaft" handelt von Rockmusik auf allen Ebenen. Von Musikern, großen Lieben und untoten Idolen, Taxis und Telefonzellen, vom Hotelzimmer-Blues samt Groupies und anderen Giften. Aufgemischt werden die Kapitel mit Intros, Breaks und Internet-Chat-Protokollen.
"Led Zeppelin", "Sex Pistols", "Nirvana" - ""ShamPain"" passt in die Lücke, die diese legendären Rockbands hinterlassen haben. Oft durch unschöne Todesfälle. Sex & Drugs & Rock'n Roll, das ist nun mal nicht die Lebensweise, die vom Verbraucherschutzministerium empfohlen wird.
"ShamPain" ist eine Rockband aus Deutschland in klassischer Besetzung. Gitarrist Cat, 23, ist der charismatische sexy Typ mit Konservatoriumsbildung. Der Drummer Klecker ist "simpel, laut, lieb", Autoschlossersohn, mit Frau und Kind daheim. Frankie, Gitarre und Vocals, haut die gemischte Chemie vorübergehend aus den Schuhen. So bleiben die Vocals an Terry hängen, dem Australier, der auch nicht gerade mit festen Füßen auf dem Boden steht und weder besonders singen noch gar Gitarre spielen kann, was die Gruppendynamik der Band ins Rutschen bringt.
Zumindest sieht das Niet so, der Bassist, der "spielt, wie MC Escher und Victor Vasarely malen". Aus seiner Perspektive ist der ganze heillose Trip von Deutschland über Australien, London, New York nach Los Angeles erzählt. "ShamPain" an der Schwelle zum Weltruhm. Also dem US-Markt.
"TraumHaft" handelt von Rockmusik auf allen Ebenen. Also von Musikern, großen Lieben und untoten Idolen, Taxis und Telefonzellen, vom Hotelzimmer-Blues samt Groupies und anderen Giften, von Konzerninteressen, Schmiergeldern und journalistischen "Hyänen und Aasgeiern" - kurz, der ganzen engen Verzahnung von Business und Crime. Das ist so selbstverständlich und bekannt, das muss gar nicht mehr als Krimi daherkommen. Trotzdem funktioniert Niet auch wie eine Art "Ermittlerfigur" und ist gleichzeitig einfach Teil des Ganzen. Heisenbergsche Unschärfe, die das Experiment nicht verfälscht, sondern cool Erkenntnis generiert.
Das ist geradezu multimedial inszeniert - verschiedene Erzählebenen haben verschiedene Typographien, die Kapitel sind mit Breaks, Soli, Intros und Outros, mit Film-Szenarios und Internet-Chat-Protokollen aufgemischt, und wie bei Plattencovern und CD-Booklets gibt's präzise Credits und Fotos aus dem Familienalbum - in diesem Fall des Autors selbst. Und ganz zum Schluss, mit einem Augenzwinkern in Richtung "Bonus-Tracks", ein paar "entfallene Szenen".
"Wer den Zweiklang nicht kennt, der entsteht, wenn Größenwahn und Komplexe aufeinander treffen, wenn wahres Talent und echtes Unvermögen sich aneinander reiben, kennt Rock'n Roll nicht", sagt Penzel. Er kennt ihn, und er kann ihn schreiben. So gut, dass man glaubt, den spezifischen Geruch der Szene in der Nase zu haben - das Gemisch aus Jugend und Paranoia, aus Sexyness und Selbstzerstörung.
Matthias Penzel, TraumHaft
Verlag Schwartzkopff Buchwerke, Reihe stakkato, Hamburg-Berlin 2004
488 Seiten, 18,50 € (lt.Verlag)
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