Dieses Buch verspricht Popkulturnachhilfe für Theologen. Es geht um "Beautyfarm und Fußballplatz", wie im Titel bereits erwähnt, aber auch um Fantasyromane, ums Einkaufen, ums Kino und die Matrixfilme. Auch die Werbekampagne "Geiz ist geil" wird untersucht.
Das Buch verspricht Popkulturnachhilfe für Theologen - die Autoren lehren alle an der katholisch-theologischen Privatuniversität Linz, und sie haben ein Problem erkannt: Theologie soll eigentlich mit der gegenwärtigen Welt zu tun haben, aber sie, die Theologen, kennen diese Welt gar nicht mehr richtig.
Denn, so die Analyse, die Theologie ist abgewandert ins Populäre. Sie findet sich an Orten, die ein ordentlicher Akademiker eher selten aufsucht. Dem soll der Band abhelfen - und die Relevanz der Theologie in den vielfältigsten Spielarten der Gegenwartskultur beweisen.
"Beautyfarm und Fußballplatz", wie im Titel, sind nur zwei der Themenfelder. Es
geht um Fantasyromane, ums Einkaufen, ums Kino und die Matrixfilme, die Kampagne "Geiz ist geil" wird untersucht, dazu fragt das Buch nach dem Verhältnis von Politik und Populärkultur, nach dem Umgang der Gesellschaft mit Gewalt, nach dem Begriff des Mitleids.
Ein weites, vielleicht zu weites Themenfeld - die Bearbeitung gelingt mal mehr, mal weniger gut. Das lässt sich gut an den Titel gebenden Aufsätzen beschreiben,
Unter dem Titel "Wie gnädig ist der Fußballgott?" liefert Ansgar Kreuzer einen unterhaltsamen und kenntnisreichen Durchgang durch die Rede vom Fußballgott und Fußballgöttern. Der Autor zeichnet Parallelen zwischen Gottesdienst und Fußballstadion nach, von der Beobachtung, dass im Stadion auch der hartgesottenste Atheist zu singen anfängt, bis zum notwendigen Bekenntnis eines Fans zu SEINER Mannschaft. Und er wertet den Begriff des Fußballgottes nicht einfach als Beleg dafür, dass Fußball die neue Religion ist, sondern fragt nach, wer dieser Herr Fußballgott eigentlich ist.
Kreuzer findet verschiedene Personifizierungen: Da gibt's einmal den Gerechtigkeitsfanatiker, der eigentlich harte Arbeit belohnen sollte und deswegen angeklagt wird, als zum Beispiel Schalke in letzter Minute die Meisterschaft verliert. Andere wiederum finden eher, dass der Fußballgott der ist, dessen Spuren man gerade dann findet, wenn das Spiel völlig willkürlich endet. Ansgar Kreuzer kommt zu dem Schluss: Fußball ist keine Religion, aber Fußball nimmt religiöse Strukturen leicht auf, und: Fußball wird deswegen zum Symbol und zur Sprachform eines religiösen Urproblems, nämlich der Frage nach dem Verhältnis von Gerechtigkeit und Planbarkeit auf der einen Seite, Willkür und Zufall auf der anderen. Dieser Aufsatz wird Theologie und Fußball gerecht.
Der Aufsatz über das Verhältnis von Theologie und Schönheit zeigt, wie man als Theologin einen Dialog mit der Populärkultur wohl besser nicht führen sollte.
Autorin Silvia Habringer-Hagleitner will zeigen, dass Schönheit die neue gesellschaftliche Leitwährung ist und ohne den Willen zum Schönsein um jeden Preis wenig bis nichts geht, dass das ein unerträglicher Druck vor allem auf Frauen ist, und dass schließlich die Theologie nichts dagegen hat, wenn man für andere freiwillig schön sein will, aber ansonsten die Macht dieses bösen Kultes brechen muss.
Dabei taucht der Begriff des Schönheitskultes relativ unvermittelt auf, Schönheit als neue Religion einfach behauptet. Das bringt nicht wirklich weiter, was sich an den relativ hilflosen Tipps für die religionspädagogische Vermittlung eines jüdisch-christlich-menschenfreundlichen Umgangs mit dem Wunsch nach Schönheit am Ende des Textes zeigt.
Bei der theologischen Auseinandersetzung mit Populärkultur ist eben wichtig, dass man nicht nur Theologie fit ist, sondern auch der Kultur gegenüber zumindest erstmal aufgeschlossen. Die Aufsätze im Buch dann interessant, wenn sie diesen Spagat schaffen: Die Untersuchung der Kampagne "Geiz ist Geil" zum Beispiel spielt mit dem Begriff der Sünde und der gesellschaftlichen Bedeutung von Geiz und nimmt Geiz als Phänomen ernst.
Der Aufsatz über die neuen Einkaufstempel dagegen listet zwar sehr sorgfältig alle Spuren von Religiösem rund ums Einkaufen auf, ist aber so überzeugt davon, dass Konsum generell eher schädlich ist, dass kein theologischer Blick aufs Einkaufen gelingt, sondern man nur weiß, wo überall Werbeplakate aus dem Biblischen schöpfen. Das ist nicht uninteressant, gemessen am Anspruch des Buches aber vielleicht doch zu wenig.
Dieser gemischte Eindruck ist vielleicht dem Umstand geschuldet, dass im Buch Beiträge einer Ringvorlesung aus dem letzten Jahr zusammengefasst worden sind. Vielleicht hätten die Autoren wirklich gezielt "Orte" aufsuchen müssen, wie im Titel versprochen. Also nicht nur Fußballstadion und Shoppingmall, sondern zum Beispiel auch das Kino - stattdessen findet sich im Sammelband ein hochinteressanter Aufsatz über Religiöses in den Matrix-Filmen, aber die religiösen Elemente des Kinoerlebnisses werden nur am Rande gestreift. Vergleichbar der schöne Abriss über die Genres der Fantasy-Literatur und welchen Raum sie theologischen Themen bieten, aber nichts dazu, warum Fantasy zurzeit so boomt.
"Zwischen Beautyfarm und Fußballplatz" bietet eine interessante Auseinandersetzung aus katholisch-theologischer Perspektive mit der Gegenwartskultur, eine interessante Spurensuche danach, wohin die Religion ausgewandert ist, seit sie in den institutionalisierten Kirchen nicht mehr so zuhause ist. Mehr Konzentration auf diese neuen Heimaten hätte dem Band gut getan.
Artur R. Boeldert/Helmut Eder / Ansgar Kreutzer (Hgg.): "Zwischen Beautyfarm und Fußballplatz. Theologische Orte in der Populärkultur", Echter Verlag Würzburg 2005, 224 S., 14,80 Euro.
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