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04.07.2006
Auch das Fußgängerzeichen sieht überall auf der Welt anders aus. (Bild: Stock.XCHNG) Auch das Fußgängerzeichen sieht überall auf der Welt anders aus. (Bild: Stock.XCHNG)

Die bunte Welt der Zeichen

"Signs" präsentiert eine umfangreiche Sammlung internationaler (Verkehrs)Schilder

Rezensiert von Thomas Kroll

Der knapp 200-seitige Bildband "Signs" demonstriert mit fast 400 Fotos: Bunte Schilder bilden eine künstliche, universal verständliche Sprache, die Hinweise und Mahnungen, Verbote und Gebote zum Ausdruck bringt - nicht nur im Straßenverkehr. Darüber hinaus bieten sie bisweilen erste Bilder und Anhaltspunkte im Hinblick auf die jeweilige Landeskultur.

Was haben Kühe und Kängurus, Hirsche und Pinguine gemeinsam? Sie überqueren Autostraßen und gefährden dadurch Autofahrer und ihr eigenes Leben. In den USA sterben auf Autobahnen "sechsmal mehr Rehe ... als durch die Kugeln von Jägern." Folglich findet man Vertreter der genannten Tierarten - und weiterer mehr - auf diversen Straßenschildern, oft schwarz auf gelbem Grund.

Apropos Tiere: Hunden ist in "Signs" ein eigenes Kapitel gewidmet. Ob klein oder groß, Hunde fletschen bisweilen die Zähne, machen mitunter Häufchen. Das wird nicht gerne gesehen. Entsprechende Verbotsschilder sind meist rot umrahmt und werden gelegentlich mit einem roten Schrägbalken versehen. Der besagt "Stopp!" und "So nicht!", mitunter gar: "Hunde sind hier generell nicht erwünscht."

Was kann man auf derartigen kreisförmigen Schildern nicht alles verbieten? "Signs" führt viele Beispiele vor Augen: Das Fahren von Panzern, das Spielen mit Bällen, das Tragen von Brillen, das Wegwerfen von Fischgräten und so weiter und so fort.

Nicht immer ist die Sprache der Bilder und Zeichen auf den Schildern eindeutig, präzise. Ein schwarzer Schuh auf weißem Grund, rot umrandet und von einem roten Balken durchquert, zeigt vermutlich das Verbot des dargestellten Schuhwerks an?! Keineswegs, das Schild meint laut beigefügtem Schriftzug: "No entry!" Kurzum: Kein Eintritt - weder mit noch ohne Schuhe!

Warum für viele Verbote mehrere Schilder aufhängen? Man notiert schlicht ein großes "No!" und versammelt ringsum etliche Embleme und Icons: einen aufmerksamen Dackel und eine brennende Zigarette, einen Fotoapparat und eine Videokamera, einen Touristen mit Rucksack sowie Mann und Frau in legerer Kleidung, eine Baseballkappe und - nicht genug - einen Mann in Feinrippunterwäsche. All das, so scheint es, ist in Kirchen nicht erwünscht. Auch das Schweigen? Ein ebenfalls abgebildeter Kopf mit Zeigefinger vor den Lippen lässt vermuten, dass der Illustrator über das Ziel hinausgeschossen ist oder seine Arbeit nicht allzu genau genommen hat.

Andere (Warn )Schilder wirken ebenfalls komisch und laden zum Schmunzeln ein. Da rast ein Mann im Rollstuhl eine Rampe hinunter - unten wartet bereits ein Krokodil, das Maul weit geöffnet. Da sitzt ein Mann kreischend und händeringend auf den Frontspitzen eines Gabelstaplers - der Fahrer hingegen scheint eingenickt zu sein.

Mitunter sorgt der Kontext der Schilder auf den Fotos für Erheiterung. "Überholverbot!" Mitten im See? Wer es an dieser Stelle dennoch wagt, ist selber schuld. Ähnlich einsam und verloren ragt ein Stopp-Schild aus dem Flusswasser. Wer es bis dorthin schafft, für den kommt dieser Hinweis dann doch zu spät. Im Begleittext erfährt man:


"Seit es 1915 in den USA offiziell eingeführt wurde, ist das Stopp-Schild das einzige offizielle, international anerkannte Verkehrszeichen mit acht Ecken. ... Zuerst stand STOP in schwarzen Lettern auf weißem Grund, bald darauf in Schwarz auf Gelb, dann in Rot auf Gelb und endlich in der weltbekannten Endversion Weiß auf Rot."

Vergleichbar universal sind die Verwendung von stilisierten Totenköpfen oberhalb von gekreuzten Oberschenkelknochen und die Abbildung von vielzackigen Blitzen auf Schildern, die mögliche große Gefahren ankündigen.

Die wiederum können von Land zu Land, von Kontinent zu Kontinent ganz anders daherkommen. Wer ahnt schon, dass es in Australien, genauer: in der Stadt Coober aufgrund des Abbaus von Opalen und wegen der drückenden Hitze viele unterirdische Hotels und Kirchen gibt? Tiefe Luftschächte sorgen für den erforderlichen Sauerstoff unterhalb der Erdoberfläche und können Besuchern zum Verhängnis werden. Das Schild, auf dem ein Strichmännchen kopfüber in die Erde fällt, spricht Bände.

So universal manche Schilder einsetzbar sind - fast überall auf der Welt steht "P" für Parken -, so länder- und kulturspezifisch kommen andere daher. Ins Auge springt, dass auf den abgebildeten Verkehrszeichen mehr Männer als Frauen zu sehen sind. Eines von elf Kapiteln ist denn auch mit "Mann" übertitelt, keines hingegen mit "Frau". Blickt man etwa auf die kleine Sammlung von Schildern für Fußgängerüberwege, fällt auf, dass in sieben von acht Fällen ein Mann (meist noch mit Hut!) auf dem so genannten Zebrastreifen zu sehen ist. Nur in Laos findet man auf dem entsprechenden Schild eine Frau - mit Dutt und langem Rock.

Busse und Autos auf Verkehrszeichen kommen meist führerlos daher. Lediglich im Iran sieht man Menschen im Bus - vier Männer und einen Jungen. Ebenso aufschlussreich sind Schilder, die man vor Schulen findet: In Neuseeland, Ecuador und Japan geht beim Überqueren der Straße die große Schwester dem kleinen Bruder voraus, in Italien ist es "natürlich" umgekehrt. Derlei aufmerksame Beobachtungen von Klischees und Besonderheiten am Rande - die vermummte Frau auf dem WC-Hinweis in Marokko, die indische Frau im Sari, die mit der Hand den Weg zur Frauentoilette weist - machen den kulturellen Mehrwert der vorliegenden Sammlung aus.

In elf Kapiteln (Gefahr, Kinder, Toiletten, Arbeit u.a.) präsentiert "Signs" eine umfangreiche Sammlung von (Straßen )Schildern aus aller Welt. "Signs" ist ein Bilderbuch, das kleine Einblicke in die jeweilige Landeskultur zulässt, kein Buch der vielen Worte. Nur wenige kurze Textpassagen in englischer, deutscher und französischer Sprache begleiten die bunten Fotografien. Nach deren Betrachten weiß man, welchen Gefahren, Geboten und Verboten man daheim und in fremden Ländern begegnen kann, sei es auf Straßen, sei es fernab vom Verkehr. Sage keiner, man sei nicht gewarnt worden.


Signs
Taschen Verlag, Köln u.a. 2006
192 Seiten, 6,99 €.


 
 

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