Jonathan Santlofer schickt seine Titelheldin Kate McKinnon wieder einmal auf Mörderjagd in die New Yorker Kunstszene, in der es oft weniger um Kunst als um Besitz, Konkurrenz und Renommé geht: Bilder werden zerstört und Menschen in ihrem Umkreis auf bestialische Art ermordet. Ein hochspannender Fall für McKinnon.
Der US-amerikanische Maler Jonathan Santlofer begann nach einem Brand seines Ateliers, bei dem alle Werke vernichtet wurden, zu schreiben: anspruchsvolle und umfangreiche Kunstkrimis. Die drei Romane um die ehemalige New-York-City-Police-Departement-Polizistin Kate McKinnon sind in deutscher Übersetzung im Berliner Parthas Verlag erschienen: "Der Todeskünstler" 2007 (Original 2002); "Farbfehler" ebenfalls 2007; der letzte, "Tödliche Kunst", erst vor wenigen Wochen.
Die drei Romane lassen sich ohne weiteres einzeln lesen. Sie sind aber so spannend, dass es anzuraten ist, sie in chronologischer Folge zu lesen, nicht zuletzt, um die Entwicklungen im Leben der Hauptfigur Kate McKinnon genauer zu verfolgen.
Sie war früher bei der New Yorker Polizei und ist seit zehn Jahren Ehefrau eines reichen Erfolgsanwalts, aktives Mitglied der High Society und vor allem Kunstspezialistin und Mäzenin. Sie schreibt Bücher und hat eine eigene, erfolgreiche TV-Sendung über zeitgenössische Künstler.
In "Tödliche Kunst" hat sie sich nach schlimmen Schicksalsschlägen ein neues Leben aufgebaut, lebt in einem Loft und schreibt ein Buch über Maler der New York School, jene Protestkunst der 1950er-Jahre, die auch als abstrakter Expressionismus bekannt ist und zu der unter anderem Marc Rothko, Franz Kline, Willem de Kooning, R. Motherwell und Arshile Gorky zählen.
Plötzlich werden Bilder dieser Maler in Museen und Privatbesitz zerstört, mehr noch: Menschen im Umkreis dieser Bilder werden auf bestialische Weise ermordet; die noch lebenden Maler scheinen in Gefahr zu sein. Alle Anschläge werden durch bizarre Bildmontagen regelrecht angekündigt. Um sie zu entziffern, bedarf es freilich einer Spezialistin: Kate McKinnon.
Wie schon in den Romanen zuvor, wird sie erneut in die polizeilichen Ermittlungen einbezogen. Und es gelingt ihr, die Ursache für die Verbrechen in weit zurückliegenden Ereignissen innerhalb der Künstlergruppe aufzudecken: in mörderischer Konkurrenz, Betrug, Diebstahl und Plagiat.
In allen drei Krimis sind es Psychopathen, die ihre bestialischen Morde und Misshandlungen mit Kunst in Verbindung bringen: ein farbenblinder Künstler, der nur im Blut der von ihm Abgeschlachteten Farben sehen kann und daraus Bilder malt; ein anderer, der mit seinen Opfern große Kunstwerke nachstellt.
Nur McKinnon, der Kennerin, gelingt es, ihre Botschaften zu entziffern und ihre "Kunst" zu verstehen. Und sie ist unmittelbar betroffen, denn zweimal werden Menschen aus ihrem engsten Umkreis getötet - Santlofer schreibt zu Recht auf seiner Website, er habe seine Hauptfigur durch die Hölle und zurück geschickt.
Es gelingt Santlofer, seine Fäden so geschickt zu spinnen, dass atemberaubende Spannung bis zuletzt garantiert ist. Die Figuren und ihre Beziehungen zueinander sind vielfältig verwoben und überzeugen in ihrer Anschaulichkeit, wenn auch tiefschürfende Charakterschilderungen nicht die größte Stärke Santlofers sind.
Das Besondere an diesen Krimis liegt in den Beschreibungen der New Yorker Kunstszene, in der es oft weniger um Kunst als um Besitz, Konkurrenz und Renommé geht, sowie um den strategischen Einsatz von Kunst, die nicht nur Vorwand oder äußerliche Zutat, sondern zentrales Element in allen Verbrechen ist.
Rezensiert von Gertrud Lehnert
Jonathan Santlofer: Tödliche Kunst
Kunstkrimi, aus dem Amerikanischen von Paul Lukas
Berlin, Parthas Verlag 2008
437 Seiten, 19,80 Euro
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