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14.11.2008
Um Mord geht es in Kürs Roman (Bild: Stock.XCHNG / Mateusz Atroszko) Um Mord geht es in Kürs Roman (Bild: Stock.XCHNG / Mateusz Atroszko)

Ein komplizierter Fall

Pinar Kür: "Mordsfakultät", Literaturca Verlag, Frankfurt 2008, 357 Seiten, 19,80 Euro

Der Schauplatz des Romans ist eine private Universität in Istanbul. Dort kam es zu zwei Morden - an einer jungen Literaturdozentin und an einem Drogenspitzel der Istanbuler Polizei. Ein dritter Toter starb an einer Überdosis Heroin.

Pinar Kür gilt als die "Grande Dame" der türkischen Literatur. Ihr letzter Kriminalroman "Mordsfakultät" stand 2007 wochenlang auf Platz eins der türkischen Bestsellerliste. Pinar Kür, Jahrgang 1943, gilt als eine der kritischsten Stimmen ihres Landes.

Der Schauplatz des Romans "Mordsfakultät" ist eine private Universität in Istanbul. Dort sind Morde geschehen, zwei mit Sicherheit, beide Opfer wurden erstochen, einmal eine junge Literaturdozentin, deren Vater Amerikaner ist, und ein Drogenspitzel des Rauschgift-Dezernats der Istanbuler Kriminalpolizei. Ein dritter Toter ist an einer Überdosis Heroin gestorben, was die Spur in Richtung Drogen-Mafia lenkt.

Auf den ersten Blick präsentiert sich "Mordsfakultät" als klassischer Kriminalroman, in dem zwei schrullige wie liebenswerte Ermittler à la Hercule Poirot einen komplizierten Fall aufklären, - zwei Freunde, idyllisch lebende Pensionäre, ein ehemaliger Kriminalkommissar und ein Mathematikprofessor, die Kriminalfälle lösen wie andere Kreuzworträtsel.

Aber: kein Paradies ohne Schlange. Die ist natürlich wie immer weiblich, jung und hübsch, sorgt für Sex und heißt Narin. In sie verliebt sich der ermittelnde Mathematik-Professor und Ich-Erzähler gleich zu Beginn des Romans.

Wann immer der Leser denkt, er könne sich vorstellen, wie "Mordsfakultät" endet, liegt er falsch. Im letzten Teil des Romans explodiert die Handlung zu einem aberwitzigen Psychothriller-Crescendo, das jede Dimension eines klassischen Kriminalromans sprengt.

Pinar Kür ist eine Meisterin des tiefenpsychologischen Romans. In all ihren Büchern geht es ihr darum, Machtstrukturen und Vorurteile zu entlarven, politische wie auch die zwischen Mann und Frau.

Pinar Kür verbrachte ihre gesamte Kindheit und Jugend in den USA, ihre Mutter war Diplomatin in New York. Studiert hat Pinar Kür in Paris, sie promovierte in Literatur- und Theaterwissenschaft und nahm 1968 aktiv an der Studentenrevolte teil. Bis heute trägt sie in der Türkei das Markenzeichen "Die Alt-68erin".

Handlung, Tempo und Dialoge kennzeichnen "Mordsfakultät", -ein Roman aus bester amerikanischer Schule, aber sicherlich auch französisch beeinflusst, verschachtelt wie ein "nouveau roman" und hinterhältig wie ein "Film noir".

Pinar Kür, in Manhattan genauso zuhause wie in Paris und Istanbul, hat literarisch alles im Koffer, Che Guevara-T-Shirt und Chanel-Kostüm. Sie stand zwei Mal vor Gericht, angeklagt der Pornographie; in "Mordsfakultät" holt sie das Chanel-Kostüm heraus: "Mordsfakultät" ist auf den ersten Blick ein klassischer Gesellschaftsroman auf der Folie eines zunächst bewusst altmodisch angelegten Krimis, der sich aber auf den zweiten Blick zu einem gespenstischen Psychothriller à la Stephen King entwickelt und den Leser verstört zurücklässt. Typisch Pinar Kür: touché!

Rezensiert von Lutz Bunk

Pinar Kür: Mordsfakultät
aus dem Türkischen übersetzt von Beatrix Caner, Literaturca Verlag, Frankfurt a. M. 2008, 357 Seiten, 19,80 Euro